Jan Kuhl und Margarethe Fimmen – Lieber lesen 3/4: Geschichten-Kartei

Lieber Lesen 3/4 Finken Verlag

Lehrer stehen stets vor der großen Herausforderung einen spielerischen und motivierenden Zugang zu Sprache, Lesen und Schreiben zu schaffen. Sehr hilfreich sind anregende, dem Alter der Kinder entsprechende, breit gefächerte Angebote, die sowohl Mädchen als auch Jungen ansprechen. Diese Geschichten-Kartei aus dem Finken Verlag berücksichtigt vor allem den Aspekt des “selbstvergessenen” Lesens, um bei den Kindern die Fähigkeit zum genießenden Lesen zu stärken.

In dieser Kartei wurden in sich abgeschlossene Geschichten zusammengetragen, die von den Kindern je nach individuellen Interessen frei ausgewählt werden können. Leistungsschwächere Kinder können sich hier kurze und leichte Texte aussuchen, während die Leistungsstärkeren zu langen und schweren Texten greifen können. Hier wäre für die Praxis ein kleines Symbol wünschenswert, damit die Kinder gleich erkennen können, ob es nun ein leichter oder schwerer Lesetext ist.

Folgende Themen wurden bei der Zusammenstellung berücksichtigt:

Lieber Lesen 3/4

Bei dieser Auswahl ist für jeden etwas Passendes dabei. Die Neigungen und Interessen von Mädchen und Jungen wurden sehr gut berücksichtigt. Oft sah es bei mir im Klassenraum so aus, dass Kinder vor der Kartei standen und sich nicht entscheiden konnten. Es kam auch vor, dass ein Kind sich einfach 5 Doppelkarten geschnappt hat, um am Platz reinlesen zu können. Zur eigenständigen Dokumentation des Gelesenen stehen den SuS Lesetagebücher zur Verfügung, in denen sie ihre Ergebnisse festhalten können. Wir haben uns für ein einfaches DIN-A5 Heft als Lesetagebuch entschieden. Vorher muss natürlich der Umgang gemeinsam besprochen werden, wie z.B. die Notation des Geschichtentitels und der bearbeiteten Aufgaben.

Lesetagebuch lieber lesen

 Auf der Vorderseite der stabilen Doppelkarten ist immer ein Bild zu finden, das neugierig auf den Inhalt machen soll. Im Innenteil setzt sich die Geschichte fort und wird schließlich mit einem Glossar abgerundet. In dieser blauen Box werden schwierige Begriffe (z.B. “auf jemanden einprasseln“) oder Redewendungen (“einen Strich durch die Rechnung machen“) erläutert. Dies ist besonders für meine DAZ-Kinder sehr hilfreich, sodass sie mit jeder Geschichte ihren Wortschatz erweitern können.  Auf der Rückseite der Doppelkarten sind zwischen 3 und 7 Aufgaben zu finden.

Die Zusammenstellung der Aufgabenformate ist sehr abwechslungsreich. Es wird mit leichteren Aufgaben begonnen, wenn es z.B. darum geht den Abschnitten passende Überschriften zuzuordnen oder sich ein anderes Ende der Geschichte auszudenken. Sehr schön ist, dass der Anforderunsgbereich III ebenfalls Beachtung findet. Hier bearbeiten die SuS für sie neue Problemstellungen, die eigenständige Beurteilungen und eigene Lösungsansätze erfordern (“Versetze dich in Billes Lage auf der Bühne. Erzähle von deinen Gedanken und Gefühlen.”).

Wir haben eine Geschichte aus der Geschichten-Kartei zuerst alle gemeinsam gelesen, besprochen und die Aufgaben bearbeitet. Anschließend war eine freigewählte Geschichte als verpflichtende Aufgabe im Wochenplan eingetragen und nun ist die Kartei ein begehrtes Freiarbeitsangebot. Wir haben uns jedoch darauf geeinigt, dass 3 Aufgaben verpflichtend sind und jede weitere Aufgabe als Sternchen im Lesetagebuch notiert werden soll.

Auf der mitgelieferten CD sind die Lösungen zu den Aufgaben, Beobachtungsbögen, ein Titelblatt für das Lesetagebuch und eine Übersicht mit Tipps zur Gestaltung des Lesetagebuchs zu finden.

Lieber Lesen 3/4 Finken

Diese farblich ansprechend gestaltete Geschichten-Kartei ermöglicht einen Zugang zum Lesen bei allen Kindern. Die Geschichten sind spannend, unterhaltsam, fantasie- und geheimnisvoll, die anschließenden Aufgaben abwechslungsreich und motivierend. Die Lernenden haben hier die Möglichkeit ihren Weg individuell zu bestreiten. Der hohe Motivationscharakter des Materials überzeugte meine Mädchen und Jungen gleichermaßen.

(Bitte beachten: Die Finken-Materialien sind nicht im Handel, sondern nur direkt beim Verlag erhältlich.)

Claude K. Dubois – Akim rennt

Akim rennt

Akim spielt am Fluss mit seinen Freunden, als die Luft vom dumpfen Lärm und Schüssen erbebt. Er versucht Zuflucht in seinem Haus zu finden, muss jedoch feststellen, dass es zerbombt wurde und nur noch Rauch und Asche ist. Akim rennt.  Er will zu seiner Familie. In einem Unterschlupf verbringt er einige Tage, bevor Soldaten das Haus stürmen und einige Kinder mitnehmen. Akim kann flüchten. Er rennt. In einer Hilfsorganisation gibt es einen Schlafplatz und Essen. Im Lager ist Akim in Sicherheit. Die Sehnsucht nach seiner Mutter ist weiterhin groß und die schrecklichen Ereignisse der vergangenen Wochen verfolgen ihn unentwegt…

Das Bilderbuch “Akim rennt” thematisiert die Auswirkungen eines Krieges auf Kinder und die damit verbundenen Traumata. Das Buch handelt von Flucht, Angst, Verlust und Leiden eines kleinen Jungen, der nicht begreifen kann was um ihn herum geschieht. Auf 96 Seiten werden Bleistiftskizzen präsentiert, die das Grauen, das mit dem Krieg einhergeht, so verbildlichen, dass einem ein kalter Schauer den Rücken herunterläuft.

Die Textebene wird relativ sachlich, nüchtern und kurz gehalten, während die Illustrationen die eigentlichen Akteure dieser Geschichte sind. Sie vermögen mehr zu erzählen als bloße Worte. Es ist die Angst in den Augen, die Verzweiflung in den Bewegungen, der Schrecken und die Zerstörung in der Umgebung, die Grausamkeit im Überlebenskampf und die pure Sehnsucht nach den Liebenden, die diese Geschichte trägt. Die überwiegenden Bildanteile sind grau, versehen mit harten Linienstrichen, die Chaos und Zerstörung ausdrücken. Die Menschen sind Schatten ihrer selbst.

Dieses Bilderbuch trifft explosionsartig ins Herz und schnürt einem die Kehle zu. Es steckt so viel Realität, Schmerz und Unverblümtheit in diesem Buch, dass es emotional bewegt. Es schildert ein verstörendes Abbild des Krieges und das Happy-End am Schluss scheint lediglich ein kleiner Wermutstropfen, wenn man bedenkt, dass es vielen wehrlosen Kindern dort draußen ähnlich ergeht.

Amnesty International und PRO ASYL unterstützen Dubois’  Bilderbuch und kämpfen für das Recht auf Schutz und Asyl.

Akim rennt
“Akim rennt” weckt Anteilnahme und schafft einen emotionalen Zugang zu den Schicksalen tausender Flüchtlinge.

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Emily Gravett – Mathildas Katze

Mathildas Katze

Mathilda liebt ihre orange-gestreifte Katze. Am liebsten spielt sie mit ihr Spiele wie Verkleiden, Kaffeekränzchen veranstalten oder einfach nur malen. Während Mathilda dabei vor Energie und Begeisterung sprüht, schläft die Katze zwischendurch oder putzt sich lieber. Mathilda beginnt sich zu fragen, ob ihre Katze diese Spiele vielleicht gar nicht mag? Doch was mag sie überhaupt?
Die Identifikation mit dem eigenen Haustier ist bei Kindern groß. Bei Mathilda ist sie so groß, dass sie sogar ein farblich auf das Fell ihrer Katze abgestimmtes Kostüm trägt. Sie sieht die Katze als ihren Freund und unternimmt Sachen, die sie selber am liebsten mag. Dies ist eine für Kinder in diesem Alter sehr typische, egozentrische Sichtweise auf die Welt. Dabei hat sie ganz vergessen die Interessen und Bedürfnisse ihres Haustieres zu beachten.
Mit auf den Hüften aufgestemmten Armen muss sie erbost feststellen, dass ihre Katze an ihren Aktivitäten gar nicht teilnimmt. Symbolisch hängt sie das Kostüm ab und erst da findet sie heraus, was ihre Katze wirklich mag! Dieses Bilderbuch ist wirklich herzerwärmend und trumpft mit großflächigen Illustrationen und wenig Text auf. Ein Augenmerk ist besonders auf die Katze zu legen, die mal erschrocken, geduldig oder einfach gelangweilt und dabei trotzdem immer liebenswürdig dreinschaut. Die Geschichte führt den Leser ganz behutsam zum Überdenken des eigenen Verhaltens.
Mathildas Katze

Material

Was  mag ich? Was mag mein Haustier? Was mögen wir beide?

Mein Haustier und ich

 

Feinfühlige Darstellung inkl. eines kleinen Stupsers zum richtigen Umgang mit Haustieren.

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TOP 5 – Angst im Dunkeln

angst

Die Erfahrung von Angst gehört zum natürlichen menschlichen Dasein. Sie ist eine Vorbereitung auf reelle oder scheinbar gefährliche Situationen. In der Evolutionsgeschichte kommt ihr eine sichernde Funktion zu und somit gehört sie zu den Strategien, die das Überleben gewährleisten. Die Thematik “Angst im Dunkeln” wurde in mehreren Bilderbüchern ganz unterschiedlich aufgegriffen. Die folgende Liste verschafft einen kurzen Überblick über die verschiedenen Anknüpfungspunkte bei der Bewältigung der Angstproblematik.

TOP 1:

“Ich brauche mein Monster” begegnet dem Thema Angst im Dunkeln mit viel Humor. Amanda Noll versucht das Ungeheuerliche als etwas Notwendiges und Positives darzustellen und so verliert sich das Dunkle und Angsteinflößende. Der kleine Junge benötigt unbedingt ein gruseliges Monster, um einschlafen zu können. Da sein Monster verreist ist, wird ihm Ersatz geschickt. Doch keiner ist so gruselig wie sein Monster Nick. Kinder lieben dieses Bilderbuch und versuchen stets zu erraten wie Nick wohl aussehen mag. Es ist ein wunderbarer Schreib- oder Malanlass bereits für Kinder ab 4.

Zur ausführlichen Rezension hier entlang.

TOP 2:

“Dunkel” von Lemony Snicket nutzt eine reflektierende und schon fast abgeklärte Herangehensweise an die Angst-Thematik. Das Dunkel wird als etwas Notwendiges und vor allem Natürliches gesehen, vor dem man keine Angst zu haben braucht. Die Dunkelheit umgibt uns immer, wenn wir blinzeln oder schlafen.

Ein mit vielen düsteren Bildern gespicktes, beinahe sachliches Bilderbuch für Kinder, die nach nachvollziehbaren Erklärungen dürsten.

Zur ausführlichen Rezension hier entlang.

TOP 3:

Im Bilderbuch “Lukas, das Eckenmonster” wird eine authentische Bettsituation geschildert. Immer wenn die Mutter das Zimmer verlässt und das Licht ausmacht, taucht ein Eckenmonster in seinem Zimmer auf. Kinder tun sich dann oft schwer, zwischen Realität und Einbildung zu unterscheiden. So geht es auch Lukas. Seine Angstgefühle werden so groß, dass er kaum in seinem Zimmer einschlafen kann.

Michaela Holzinger hat sinnvollerweise Lukas selbst nach einer  unkonventionellen Lösung suchen lassen, die ihm Sicherheit und Vertrauen schenkt. Dabei spielt auch das Mutter-Kind-Verhältnis eine bedeutende Rolle.

Zur ausführlichen Rezension hier entlang.

TOP 4:

Im dunklen Zimmer hören Felipe und Max sonderbare und äußerst unheimliche Geräusche. Wenn die Augen nichts sehen können, können die Ohren umso besser hören. Auf der Suche nach der Quelle der gruseligen Geräusche, gesellen sich immer mehr Wesen dazu und die Fantasie malt blühende Schreckensszenarien. Hmm… wer hätte gedacht, dass schlussendlich so ein winziges und ungefährliches Tier solche Geräusche machen kann?

Die wichtige Botschaft in diesem hervorragend illustrierten Bilderbuch ist: Angst zu haben ist ganz normal. Denn auch große Wesen, wie ein Riese oder Vampir haben Angst. Die überraschende Auflösung zum Schluss zeigt, dass Angst oft auch unbegründet sein kann, da uns unsere eigene Fantasie einen Streich spielt.

TOP 5:

“Die Hexe, die sich im Dunkeln fürchtete” offenbart die Ängste einer kleinen Hexe, die beschließt etwas gegen ihre Angst zu tun. Sie mischt einen Trank zusammen aus Zutaten, die sie erst mühevoll organisieren muss. Die Beschaffung jeder einzelnen Zutat an sich verlangt allerdings enorm viel Mut und lässt die Hexe wachsen. Sie gewinnt Freunde und die Erkenntnis, dass jeder vor irgendetwas im Leben Angst hat.

Eine Geschichte voller Spannung, gelungenen Charakteren, tollen Bildern und einer wichtigen Botschaft.

Saskia Hula und Eva Muszynski – Gilberts grausiges Getier

Gilberst grausiges Getier

Gilbert ist das allererste Mal alleine zu Hause. Seine Mutter muss ganz kurz zur Apotheke und da Gilbert in ihren Augen schon groß ist, lässt sie ihn alleine zurück. In dem großen und dunklen Haus ist Gilbert ganz mulmig zumute. Hier lauern nämlich die furchterregendsten Tiere. Gilbert beschließt ganz still zu sitzen und sich nicht zu bewegen, denn so glauben die Tiere vielleicht, dass keiner im Haus ist. Blöd nur, dass er schon bald auf die Toilette muss und der Weg dorthin ist lang. Am Zielort angelangt, erwartet Gilbert eine kleine Überraschung, die seine Angst ein bisschen abschwächt und ihm Zuversicht schenkt.

In diesem Bilderbuch von Saskia Hula wird die kleinkindliche Grundangst in Bezug auf die Trennung von Bezugspersonen thematisiert.  Die Angst vor dem Verlassenwerden wird zugleich auf die Dunkelheit projiziert. Der kleine Gilbert wehrt die Angst mit Hilfe seiner Fantasie ab und erfindet somit grausame Tiere. Hier wird dem Phänomen Angst mit dunklen Räumen und einer bunten Schar von Ungeheuern aufgewartet.

Bisher kam Gilbert nicht an den Lichtschalter auf der Toilette und hat diesen Raum als bedrohlich empfunden. Durch das aufgrund der äußeren Umstände erzwungene Erfolgserlebnis, gewinnt der kleine Protagonist im Laufe der Geschichte immer mehr an Selbstvertrauen und Zuversicht. Er bringt den Mut auf die Angst vor dem Neuen und Fremden zu überwinden.

Es wäre schön gewesen einen Einblick in die Dimension der Mutter-Kind-Beziehung zu bekommen. Gilberts Angstbewältigungsstrategie in Form des imaginären Ansatzes resultiert aus dem Urbedürfnis nach Liebe und Geborgenheit. Vielleicht wäre es möglich die Angst vor Dunkelheit in Zusammenhang mit der entsprechenden Angst vor Einsamkeit zu bringen, indem am Ende der Geschichte ein Bogen zurück zur Mutter geschlagen wird.

Gilberst grausiges Getier
Eine wichtige Botschaft: Manchmal muss man sich etwas zutrauen, um Erfolgserlebnisse verzeichnen und somit wachsen zu können.

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Lemony Snicket und Jon Klassen – Dunkel

Dunkel Jon Klassen

Die Dunkelheit jagt Leo große Angst ein. Sobald die Sonne untergeht, breitet sich das “Dunkel” im ganzen Haus aus. Es versteckt sich im Schrank, hinter dem Duschvorhang und auch unter den Treppen. Doch die meiste Zeit verbringt das Dunkel im Keller, dort wo es auf den Sonnenuntergang wartet. Eines Nachts kommt das Dunkel in Leos Zimmer, um ihm etwas zu zeigen. Mit einer Taschenlampe bewaffnet, begibt sich Leo auf den Weg in den Keller, wo er eine sonderbare Entdeckung macht …

Die Angst vor der Dunkelheit beschäftigt viele Kinder. Die Thematik hat somit einen engen Alltagsbezug und spricht viele Kinder an. Oft spielt die Fantasie den Kindern einen Streich, sobald die Augen nichts mehr sehen können. In den sehr dunkel gehaltenen Illustrationen von Jon Klassen ist diese Erfahrung des Nicht-sehen-könnens wunderbar eingefangen. Lediglich die Taschenlampe in Leos Händen beleuchtet die Umgebung, so dass das Dunkel sehr viel Raum erhält.

Leos Angst ist für den Leser schon fast spürbar. Die Wirkung wird durch die Illustrationen verstärkt. Es empfiehlt sich das Bilderbuch nicht unbedingt vor dem Zubettgehen zu lesen. Ein gemeinsames Gespräch über den Ausgang der Geschichte ist ebenfalls sehr ratsam. Schließlich wird das Dunkel zum Schluss als etwas Notwendiges und vor allem Natürliches gesehen.

Als Leo ins Bett ging, war das Dunkel nicht mehr in seinem Zimmer, außer als er die Augen zumachte, um zu schlafen.

Diese Erkenntnis ist sehr beruhigend: Das Dunkel begleitet uns täglich wenn wir einfach nur die Augen schließen.

Dunkel Jon Klassen
Ein Bilderbuch über die Angst vor der Dunkelheit und wie man sich ihr stellen kann.

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Andreas Steinhöfel und Sabine Wilharm – Glücksstadt

Glücksstadt

Lena bekommt von K. Postkarten, die sich auf eine verrückte und aufregende Reise in die Glücksstadt gemacht hat. In einer Teekanne schwebend, berichtet K. von dem einengenden Gefühl ihres Heimatorts und ihrer Sehnsucht nach Träumen. Ansatzweise wird der verrückte Posseck und sein schweres Schicksal skizziert. Bruchstückhaft schildert K.  die sonderbaren Wesen und Sinnbilder des Glücks, wie z.B. die japanische Winke-Katze, das vierblättrige Kleeblatt oder die rosigen Glücksschweine.

Doch was ist Glück überhaupt? K. kommt letztlich zu dem Entschluss, dass das Leben eine große Reise ist und die Zukunft uns grundsätzlich rosig blüht, auch wenn nichts für immer ist.

Dieses philosophische Bilderbuch ist ein Erwachsenenbuch mit vielen tiefgründigen Einsprengseln, die den Leser zum Nachdenken bringen. Als Textform wurden ausschließlich Postkartentexte berücksichtigt, sodass der Leser weder von der namenlosen Absenderin, noch von der Empfängerin nähere Informationen erhält. Es ist eine Aneinanderreihung an Briefen, die während der Reise in die Glücksstadt geschrieben werden. In dieser Entwicklung, kann der Leser eine Wandlung im Gemüt der Absenderin wahrnehmen. Von der anfänglichen Unruhe und den symbolisch ausgestreckten Fühlern, kommt recht bald die Erkenntnis: “Und ohne es zu bemerken, war ich am glücklichsten immer dann, während ich suchte.”

Die Briefe sind gespickt mit verschachtelten Sätzen, die sehr gut die innere Zerrissenheit der Protagonisten verdeutlichen. Wortneuschöpfungen wie “Dottergelbigkeit” und die Einbindung vom anspruchsvollen Wortmaterial wie “behäbig” oder “Quertreiber” erschweren das Verständnis erheblich für jüngere Leser. Durch das fast vollständige Fehlen des Kontextes, ist eine breite Interpretationsebene gegeben.

Die Illustrationen von Sabine Wilharm laden in diese durcheinander gewirbelte Fantasiewelt ein. Es ist eindeutig eine chaotische Unruhe und gleichzeitig aber auch Neugierde zu erkennen. Allen Bildern wohnt jedoch ein Zauber inne, der die Symbolhaftigkeit des Glücks streichelt.

Glücksstadt
weiterarbeit
Der Inhalt der Briefe wird für Kinder schwer zu fassen sein. Der Fokus kann jedoch auf die Briefform gelegt werden. Einzelne Forscherkinder können sich auf die Suche nach innovativen und abwechslungsreichen Anredeformen und verspielten Abschlussworten machen. Das Zusammentragen wird sicherlich sehr amüsant und erweitert zugleich den Sprachschatz.
Ein Bilderbuch für Erwachsene, die sich näher mit dem Thema Glück beschäftigen wollen.

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