Zoë Tucker und Zoe Persico – Greta und die Großen: Inspiriert von Greta Thunbergs Geschichte

Rezension

Das Bilderbuch beginnt wie ein Märchen mit den Worten „Es war einmal ein Mädchen…“ und thematisiert in einer für Kinder ab 4 Jahren vereinfachten Form die von der Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg in Gang gesetzte Bewegung rund um den „Fridays for Future“-Protest.

Die besorgten Tiere des Waldes suchen Greta auf, um sie um Hilfe zu bitten. Die großen Riesen zerstören rücksichtslos die wertvollen Ressourcen der Erde, um noch prächtigere Häuser und noch größere Städte zu bauen. Der Lebensraum der Tiere wird dadurch bedroht und niemand unternimmt etwas. Daraufhin beginnt Greta mitten im Wald an zu protestieren. Sie baut ein Schild und stellt sich leise hin. Bald schließen sich ihr weitere Kinder und Tiere an, bis die Großen sie nicht mehr ignorieren können.

Im Bilderbuch endet die Geschichte mit einem „Happy End“ – einem Märchen typischen Ausgang. Die Großen sehen ihr Fehlverhalten ein und versprechen sich mehr zu bemühen. Sie verbringen mehr Zeit miteinander, nähern sich der Natur an, lernen ihr Gemüse wieder selbst anzubauen und reparieren Dinge, statt sie wegzuschmeißen. Es ist unser aller Wunsch, der dort in Erfüllung geht.

Doch bis dahin, ist jeder Einzelne gefragt und so finden sich im Anhang nicht nur Hintergrundinformationen zu Greta Thunberg, sondern auch konkrete Tipps. Es beginnt mit der Wissensaneignung und endet mit Vorschlägen zur Reduzierung des Fleischkonsums, zum Überdenken des Kaufverhaltens oder auch zur Nutzung von umweltfreundlichen Transportmitteln.

Dieses Bilderbuch trifft den aktuellen Zeitgeist und zaubert auch für die kleinen Weltenbürger eine verständliche und nachvollziehbare Erklärung der Umweltschutzbewegung rund um Greta Thunberg. Besonders gut ist hier die Entwicklung eines Protests herausgearbeitet und wunderbar bebildert worden. Die großformatigen Illustrationen brechen die Thematik herunter und fokussieren auf das Wesentliche, den Erhalt unseres wunderbaren Planeten.

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Fazit

Aktuellen Zeitgeist für die Allerkleinsten verständlich eingefangen!

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Yoko Maruyama – Die vergessene Kreide

Rezension

Lukas freut sich unheimlich über seine neuen Farbkreiden. Zu jeder Jahreszeit malt er ein passendes Bild und benutzt nach und nach die entsprechende Farbe. Im Frühling ist die grüne und braune Farbe dran. Damit malt er einen Baum mit frischen Knospen und hell- und dunkelgrünen Blättern. Die benutzten Wachsmalstifte wandern glücklich zurück in die Schachtel.

Das Sommerbild zeigt einen blauen Ozean mit einem kleinen Boot, während das Herbstbild etwas furchterregend daherkommt. Für das Halloween-Bild kommen die dunklen Farben zum Einsatz, sodass schließlich nur eine Farbe unbenutzt in der Schachtel zurückbleibt. Die vergessene Farbe heißt „Weiß“. Doch dann wird es zum Glück Winter und ein kleines Mädchen entdeckt die weiße Kreide. Als es zu schneien beginnt, ist sie genau die Richtige für diese Jahreszeit!

Die japanische Künstlerin entführt die jungen Leser mit ihren zarten Strichen in die vorsichtigen Versuche der Kinder die Wachsmalstifte für sich zu entdecken. Das Herantasten an das neue Werkzeug ist mit einer kleinen Anleitung verbunden. Die Kinder werden durch die Einbindung in die Geschichten animiert mit der Farbkreide zu experimentieren. Dabei gibt es je nach Jahreszeit passende Vorschläge, die so einfach gehalten sind, dass das Nachmalen und Selbermalen nur als logische Anschlussaktivität gesehen werden kann. In dem Zusammenhang wird die Erprobung der Technik „Wachsmalkreide unter Wasserfarbe“ angeregt.

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Das perfekte Bilderbuch für den Kunstunterricht in Klasse 1!

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Tanja Székessy – Mio war da!

Rezension

Das abenteuerlustige Stoffkuscheltier der Klasse 1d geht gerne auf Reisen – am liebsten besucht es die Kinder zu Hause. Mio ist ein Pinguin und ein fester Bestandteil der Klassengemeinschaft. Er darf bei jeder Familie einmal übernachten und bekommt so einen ehrlichen Einblick in die verschiedensten Familienkonstellationen, Tagesabläufe und Umgangsformen.

Bei jedem der vierzehn Kinder der Grundschulklasse sieht es anders aus. Bei Helene wird viel gesungen und gelacht. Auch die jüngere Schwester gesellt sich zum Spielen dazu. Julis Mutter lässt ihre Tochter Hausaufgaben machen, obwohl sie gar keine aufhatte. Je mehr die Mutter redet, desto schweigsamer wird das Kind.

Lustig war noch, dass Juli dann doch noch gesprochen hat, aber das war im Schlaf, also zählt das vielleicht nicht.

Marlon trainiert viel und boxt in seinem Zimmer. Seine Eltern hat Mio nie kennen gelernt. Bei Mayla geht es turbulent zu, denn die Großfamilie hält Einzug. Zwar wurde Mio im Schulranzen vergessen, aber er konnte trotzdem prima die richtig vielen Stimmen hören.

Die Berliner Autorin Tanja Székessy greift ein sehr intimes und sensibles Thema auf: Eine bisher in der Bücherlandschaft recht unberührte Thematik, obwohl das Konzept der reisenden Klassenmaskottchen häufig praktiziert wird. Das Klassentier ist ein unvoreingenommener Beobachter, der keine explizite Wertung abgibt. Er beobachtet, beschreibt und nimmt wahr.

Die dargestellten Situationen sind oft unbeschönigt, vielfältig und lassen den Betrachter oft staunend zurück. Erstaunlicherweise kommt man auch als Leser selten zum Bewerten, sondern fühlt Dankbarkeit, dass die Türen in die intime Privatsphäre geöffnet wurden. Jede Familie kämpft mit den unterschiedlichsten Begebenheiten. Mal sind die Eltern berufstätig und geben die Kindererziehung an Großeltern ab, mal sind sie besonders fordernd und verlangen den Kindern entsprechend viel ab oder überlassen sie sich selbst, aus welchen Gründen auch immer.

Nicht minder erwähnenswert sind die Illustrationen des Bilderbuchs. Die formatfüllenden Abbildungen auf der rechten Seite fangen die Stimmung außergewöhnlich gut ein. Das schattige Zimmer bei Hugo zeigt einen Jungen, der sich in Videospielen verliert. Neben ihm hängt ein Poster von „Darth Vader“. Im Hintergrund streiten sich die Eltern lautstark, sodass die unterschwellige Verknüpfung schnell einleuchtend erscheint.

Dieses Bilderbuch braucht Freiräume zum Austausch. Hier und da ist eine bestimmte „Schwere“ zu verzeichnen. Allerdings und dessen muss man sich bewusst sein, ist es für viele Kinder Realität. Ich bin mir sicher, dass viele Kinder sich in den Konstellationen hier und da wiedererkennen und sich persönlich angesprochen fühlen werden. Bei manchen ist es sicherlich auch eine Kombination.

 

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Fazit

Pädagogisch wertvoll!

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Peter Tschaikowsky – Schwanensee: Ein Musik-Bilderbuch zum Hören

Rezension

„Schwanensee“ von Peter Taschaikowsky gehört zu den schönsten und einprägsamsten Stücken der klassischen Musik. Die Reihe „Musik-Bilderbücher“ aus dem Prestel Verlag widmet sich fabelhaft illustrierten Bilderbüchern, die per Knopfdruck eine kurze Sequenz abspielen.

Hier steht die berühmte Geschichte rund um die verwunschene Prinzessin Odette, die vom bösen Zauberer Rotbart in einen Schwan verwandelt wurde im Mittelpunkt. Die Illustratorin Jessica Courtney-Tickle schafft mit ihren zauberhaften Illustrationen den entsprechenden Rahmen, um das Ballettstück in märchenhafte Farben mit den glitzernden Mondscheinen gekonnt und dem Stück würdig in Szene zu setzen. Es gelingt ihr den Betrachter mit auf eine Reise zu nehmen, die Kinder hoffentlich so schnell nicht wieder loslässt und für klassische Kunst lebenslang begeistert.

Das Bilderbuch führt Kinder ab fünf Jahren in die Magie der Musik Tschaikowskys ein: Bei der Berührung des Notensymbols erklingen die bekanntesten Melodien in hervorragender Klangqualität passend zum Bild. Hier sind zum Teil mehrere Versuche und etwas mehr Druck nötig, um die ca. 10 Sekunden langen Stücke erklingen zu lassen. Sachinformationen, wie z.B. ein kurzer Lebenslauf zum russischen Komponisten im Anhang runden diesen magischen und märchenhaften Zauber ab.

Besonders gut gefällt mir die spielerische Schnitzeljagd am Ende des Musik-Bilderbuchs, in der es darum geht die gehörten Melodien den entsprechenden Stellen in der Geschichte zuzuordnen. Ein kurzer Begleittext erklärt die Gefühlslage des Akts, geht auf die Instrumente genauer ein und zeigt auf, dass Streicher weiche und lange Noten spielen, deren Tonlage ansteigt, um zu verdeutlichen, wie sehr sich das Paar liebt.

 

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Fazit

Fabelhaftes Musik-Bilderbuch zum Hören und Genießen

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Emmanuelle Figueras und Claire de Gastold – Was riecht eigentlich die Schnecke?

Rezension

„Was riecht eigentlich die Schnecke?“ widmet sich dem Geruchssinn der Tiere auf eine recht unterhaltsame Art und Weise. Es beweist wieder einmal, dass Kindersachbücher keinesfalls trocken zu sein brauchen und trumpft mit fantastischen und spannenden Fakten auf.

Dabei geht es nicht ausschließlich um die Schnecke, sondern um tierische Riechorgane allgemein. So erfahren wir hinter den interaktiven Klappen, dass viele Tiere über Duftstoffe miteinander kommunizieren und dass ein Elefant der Weltmeister der Spürnasen ist. Die Naturwelt bringt Glanzleistungen hervor und so kommt es, dass Kaninchenmilch ein Pheromon enthält, um Kaninchenbabys augenblicklich zur Zitze der Mutter zu locken. Darüber hinaus verbessert Hunger den Geruchssinn und spornt Tiere zur Höchstleistung an. Der Geruchssinn hat viele Funktionen, sei es Orientierung, Futtersuche, Paarungsverhalten, Verteidigungsinstrument, Alarmanlage, Ortungssystem oder Schutzfunktion. Für viele Tiere ist er zum Überleben unentbehrlich.

Die kindgerechten und gut verständlichen Texte werden von großformatigen, in bedeckten Farben gehaltenen Illustrationen begleitet. Der Fokus liegt auch hier auf ungewöhnlichen Perspektiven, sodass wir den Sternmull von unten beobachten können und staunen wie seine rosa Zottelnase mit den 22 sternförmigen Nasententakeln aussieht.

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Fazit

Für alle naturbegeisterte Kinder, die Nischeninformationen mögen, ein Muss!

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Ninon Ammann – Wundertier Schwamm

Rezension

Als urzeitliche Lebensform waren Schwämme schon vor den Dinosauriern da. Viele Arten gibt es fast unverändert auch heute noch, was sehr für ihre ausgeklügelte Gestalt spricht. Sie sind die „Apotheke des Meeres“ und filtern am Tag bis zu 12 Badewannen voll Wasser. Sie weisen verblüffende Techniken in der Abwehr ihrer Feinde auf und können als ausgewachsene Schwämme weiblich oder männlich sein oder auch beides. Hinzu kommt, dass sie mit zwei Fortpflanzungsmethoden glänzen, denn sie können sich wahlweise wie Pflanzen oder wie Tiere vermehren.

Dieses Sachbuch ist zwar detailtreu geschrieben, liest sich allerdings wie ein Bilderbuch. Ninon Ammann ist es gelungen in kurzen Sätzen, einfacher Sprache, und einem guten Aufbau den Leser wie an ein Bilderbuch zu binden. Sehr verständlich und nachvollziehbar lässt sich die Funktionsweise eines Schwammes begreifen und die Photosynthese erfassbar gemacht.

Das Verständnis stützen ruhige, detailreiche und großformatige Illustrationen. Eine Aufklappseite deckt das Innenleben auf und zeigt wie das Fressen bzw. Filtern beim Schwamm funktioniert. Der Titel „Wundertier“ ist keinesfalls zu hoch gegriffen, denn dieses Urzeitlebewesen trumpft mit einigen erstaunlichen Fakten auf. Der Lebensweltbezug und die Bedeutung in Bezug auf das Klima und die Umwelt wird schnell deutlich. Auch das Sterben wird thematisiert und welche Faktoren dazu beitragen können. Hier erfährt der Leser, dass Klimaerwärmung und sauerstoffarmes Wasser einen großen Anteil daran haben, dass sein Leben gefährdet werden kann.

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Dieses oft in Kinderbüchern vernachlässigtes Wundertier, mit einer großen Wirkungskraft in der Unterwasserwelt, wird nun gebührend gefeiert.

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Annette Herzog und Nadine Jessler – Weihnachten mit Fuchs und Schweinchen

Rezension

Als der Postbote Fuchs und Schweinchen eine Weihnachtskarte in die Wohngemeinschaft bringt, dämmert den beiden, dass Weihnachten vor der Tür steht. Leider haben die beiden es versäumt, Geschenke zu kaufen.

Was Selbstgebasteltes von dir will ich auch gar nicht (…) Du schluderst immer so, Fuchs.
Was du bastelst, wird schief und krumm und geht sofort kaputt.
Außerdem vergisst du, es einzupacken.

Der gerissene Fuchs schlägt vor, den Weihnachtsmann in die Höhle zu locken, um ihn zu bestehlen. Schließlich hat er viele Geschenke im Sack und eins mehr oder weniger merkt er letztlich gar nicht. Schweinchen nickt bei dem Vorschlag unsicher und platzieren sie Wegweiser rund ums Haus, backen Lebkuchen, räumen die Wohnung auf, stellen den Weihnachtsbaum auf und merken, als die Schafe an die Tür klopfen, dass sie bereits für die richtige Weihnachtsstimmung gesorgt haben – ganz ohne Geschenke!

Das Bilderbuch hat einen etwas eigenen Humor und stellt leicht überspitzt den Fuchs als listigen Gesellen vor. Dieser nimmt das naive Schweinchen ganz für sich ein und lenkt ihn gekonnt für seine Zwecke. Erleichtert wird der Leser jedoch feststellen, dass auch die beiden Freunde schließlich zu der Erkenntnis kommen, dass Weihnachten ein Fest der Liebe ist. Junge Kinder sollten jedoch über den Witz aufgeklärt werden und anerkennen, dass Selbstgebasteltes durchaus als wertvoll und ausreichend erlebt werden kann oder dass Animieren zum Stehlen, nicht die feinste Art ist. Die detailreichen und farbenprächtigen Illustrationen überzeugen auf ganzer Linie und spätestens auf der letzten Doppelseite wird jeder der festlichen Weihnachtsstimmung verfallen sein.

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Fazit

Frech-witziges, etwas anderes Weihnachtsbuch!

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