Katja Brandis und Hans-Peter Ziemek – Ruf der Tiefe

Fiktion oder doch schon traurige Realität?

Klappentext:

Eine Geschichte vom geheimnisvollsten Ort der Erde – und eine faszinierend reale Vision unserer nahen Zukunft.

Mit seinen 16 Jahren ist Leon bereits ein Profi: Er gehört zur Elite der Flüssigkeitstaucher, die sich auch in 1000 Meter Tiefe frei bewegen können. Zusammen mit Lucy, einem intelligenten Krakenweibchen, sucht Leon nach Rohstoffen am Meeresgrund. Die Tiefsee ist sein Zuhause, viel vertrauter als das ‚oben‘. Doch dann scheint das Meer verrücktzuspielen: Am Grund breiten sich ‚Todeszonen‘ aus, massenhaft ergreifen die Wesen der Tiefe die Flucht nach oben, an Land bricht Panik aus. Bei einem verbotenen Tauchgang kommen Leon und Lucy einem fatalen Experiment auf die Spur – und stehen plötzlich auf der Abschussliste eines mächtigen Konzerns. Ausgerechnet Carima, eine junge Touristin von oben‘, erweist sich als Leons einzige Verbündete.

 

Gastrezension:

Wir schreiben das Jahr 2018. In den Weltmeeren verlagert sich immer mehr der Wirtschaftsstandort unter Wasser, was sich heutzutage ja schon andeutet. Junge Leute „arbeiten“ für einen großen Konzern als Flüssigkeitstaucher, um Vorkommen von Metallen am Meeresgrund aufzuspüren. Ihnen zur Seite stehen Meeresbewohner, als Partner. Leon, 16 Jahre, ist eng verbunden mit Lucy, einem großen, intelligenten Krakenweibchen. Er hat sie als winziges, kaum handtellergroßes Baby bekommen und sich seither mit ihr befasst, ihr eine Zeichensprache beigebracht und was kaum jemand weiß, die beiden verbindet noch viel mehr, sie können über Gedanken, Gefühle kommunizieren… Leon liebt die Tiefe, das Schweben im Meer, verbringt mehr Zeit im Wasser, als für ihn gut wäre, doch nur dort fühlt er sich wirklich wohl und geborgen.

 

Er und Carima, die während ihrer Ferien mit ihrer Mutter zu einem Ausflug auf der Unterwasserstation, die für Leon sein Zuhause darstellt, weilt, begegnen sich und eine zarte Liebesgeschichte entsteht…

 

Während dieses Ausflugs kommt es zu gefährlichen Vorkommnissen, die Station muss geräumt werden. Doch Leon hat entdeckt, dass es mit den so genannten Todeszonen –dunkle, leblose Flecken im Meer, die sich immer weiter ausbreiten- etwas mehr auf sich hat, als ihm weisgemacht wird. Er flieht. Vor allem, als er entdeckt, dass Lucy für den mächtigen Konzern, dem die Unterwasserstationen gehören, weitaus mehr ist, als ein Tier in einem Programm.

 

Es beginnt eine nervenzerreißende, aber auch sehr bedrückende Suche nach den Gründen. Leon entdeckt schmerzvoll, dass der Mann, der ihn nach dem Tod seiner Eltern adoptiert hat, doch ganz andere Motive hatte, als er dachte und dass die Menschen, denen er jahrelang vertraut hat, ebenfalls ganz andere Ziele verfolgen…

 

Ausgewiesen war dieses Buch als Jugendbuch. Doch ich muss –wieder einmal- feststellen, dass das nichts zu bedeuten hat. Mich hat dieses Buch gefesselt, und das sehr sehr schnell und mit Nachdruck. Die Autoren haben es verstanden, mit Sachverstand, aber auch mit sehr viel Einfühlungsvermögen die Figuren, die Örtlichkeiten zu umreißen. Man hatte das Gefühl, man kennt Leon, man kennt Lucy und würde sie gern einmal leibhaftig vor sich sehen, selber versuchen, ob eine gedankliche Verbindung zu Stande käme mit ihr. Mich hat begeistert, wie ich als Leser in den Sog der Geschichte gezogen wurde, wie mein Kopfkino auf Hochtouren lief, während Leon und Carima sich näher kommen, während sie zwar nicht die Welt, aber doch einen klitzekleinen Teil davon versuchen zu retten und zu bewahren.

 

Nicht von der Hand zu weisen ist, dass das Thema Ausbeutung der Meere und der Umgang mit seinen Bewohnern brandaktuell ist und eigentlich jeden von uns aufrütteln sollte. Umso mehr bin ich dafür, dass dieses Buch und seine Geschichte vielleicht in Schulen gelesen werden sollte. Es wäre eine schöne Möglichkeit, Jugendliche zu erreichen und somit für die Zukunft vielleicht etwas zu bewirken.

 

Vielen Dank an Sabine K. für diese wundervolle Gastrezension!

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