Ursula Bredel, Nanna Fuhrhop und Christina Noack – Wie Kinder lesen und schreiben lernen

Ein Blickfang ist das tolle Buchcover, welches den Leser, dabei vor allem die Lehrer und Eltern, in die Welt des Schriftspracherwerbes einführen soll. In der Einleitung versuchen die Autorinnen, die alle als Professorinnen an verschiedenen Hochschulen in Deutschland arbeiten, mit einer Studie zu schocken, die besagt, dass rund 7,5 Millionen Erwerbsfähiger in Deutschland keine zusammenhängenden Texte lesen und schreiben können. Von dieser Erkenntnis aus wird ein großer Bogen auf die Komplexität der deutschen Sprache geschlagen. Man taucht sehr tief in die Materie ein und dem einen oder anderen Lehramtsstudenten werden die  auftauchenden Begrifflichkeiten sehr an die Seminarinhalte erinnern: Oszillogramm, IPA, Knacklaute, phonetische Transkriptionen, Silbenkerne von unbetonten Silben, das silbenanalytische Modell etc. Für Eltern, die sich mit dieser Thematik noch nie beschäftigt haben, wird es sehr schwer, wenn nicht fast unmöglich sein diesen Inhalt zu durchdringen. Die meisten würden sich hiernach selbst als „funktionale Analphabetiker“ fühlen. Lehrer dagegen haben hierbei die Möglichkeit das möglicherweise eingerostete Wissen noch einmal aufzufrischen. Was mich jedoch zwischendurch gestört hat, war die Tatsache, dass die Autorinnen die Lehrer als unwissende Pädagogen sehen und der Regelfall für sie so aussieht, dass sie Fehler einfach rot unterstreichen ohne der Ursache auf den Grund zu gehen (S. 101). Seit Jahren wird in den Seminaren betont, dass Fehler tolle Sprachanalyse darstellen und diese als Entwicklungsschritte anzusehen sind. Denn bekanntlich sind Fehler notwendige Entwicklungssschritte in jedem Lernprozess.
In den weiteren Kapiteln werden Rechtschreibtests (AFRA, Hamburger Schreibprobe) und Lesetests (ELFE, LTB) vorgestellt und auf die Lese- und Rechtschreibstörungen eingegangen. Den Kapitel „Zweitschrifterwerb“ dagegen fand ich persönlich sehr aufschlussreich und es wurden einige sehr interessante Punkte angesprochen, obwohl der Schreibstil doch sehr trocken ist und man sich durch jede Seite schon fast durchkämpfen musste.

Für Eltern zu komplex. Für Lehrer nur teilweise hilfreich.

Für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares bedanke ich mich bei Blogg dein Buch und dem Francke Verlag!

Das Buch kann hier bestellt werden.

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