Kristin Lückel und Regine Altegoer – Erzähltheater: Nur Mut, kleiner Drache

Rezension

Diese aufstellbare Mappe ist nicht nur eine Sammelstelle für die 12 Erzählkarten im DIN-A4 Format, sondern auch gleichzeitig ein Kamishibai-Rahmen. Mit einem Griff ist das Erzähltheater ohne Flügel aufgestellt, sodass die Aufmerksamkeit der Zuhörer und Zuschauer auf den bildlich dargestellten Kern gelenkt werden kann. Die Bildkarten werden von 3 Erzählkarten begleitet, auf den der zu erzählende Text abgedruckt ist. Pädagogisch wertvoll sind die Vorschläge in Bezug auf „Fragen und Impulse“, so dass Kinder auch im  mündlichen Sprachgebrauch aktiviert werden und noch tiefer in die Geschichte eintauchen können.  Dabei sind die Fragen sowohl auf dem reproduzierenden Niveau gehalten als auch auf der weiterführenden Ebene, die das selbstständige Denken und Urteilen fördert. Der individuelle Bezug zur eigenen Person und der Gefühlswelt wird zusätzlich forciert.

Gewöhnlich haben Drachen vor gar nichts Angst – nur Hugo ist anders. Er fürchtet sich vor dem Flugunterricht, vor schnellen Bällen beim Drachenfußball und auch die Dunkelheit macht ihm zu schaffen. Im Keller sieht er immer wieder gruselige Monster und auch das Feuerspucken bereitet ihm Unbehagen. So kommt es, dass die anderen Drachen ihn als „Hugo Hasenfuß“ hänseln.

Er flüchtet sich in sein Geheimversteck und macht es sich in einer Geheimruine gemütlich. Hier lernt er auch die Fledermaus Freddy kennen, die auch manchmal Angst hat und meint, dass es völlig normal ist. Mit einem neuen Freund an seiner Seite, gewinnt Hugo immer mehr als Selbstbewusstsein und stellt sich seinen Herausforderungen. Er erfährt, dass auch die anderen Drachen vor irgendetwas Angst haben und ist sich nun sicher, dass er mit seinen Ängsten nicht allein ist. Ein echter Freund kann einen nämlich auch ganz schön stark machen.

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Fazit

Im Leben braucht es Mut: Ein Erzähltheater zum Thema Angstbewältigung

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Susanne Weber und Meike Töpperwien: Das Känguru und du – Der leckere Zankapfel

Rezension

Susanne Weber thematisiert in diesem Pappbilderbuch für die Allerkleinsten ab 2 Jahren wie eine Streitkultur aussehen kann. Känguru Hopsidu und der Hase sind Freunde und haben sich eigentlich ziemlich gerne. Im Wettstreit um den höchsten Sprung, verbunden mit der Errungenschaft eines Apfels, kommt es dann doch zum Streit zwischen den beiden Freunden. Während das Känguru springt, schnappt sich der Hase den leckeren Apfel und will sich glatt davon machen.

Doch Hopsidu ruft: „Das ist jetzt echt nicht fair.“ Beide fangen an, an dem Apfel zu ziehen, bis dann der Vorschlag zum Teilen kommt.

Zusammen sitzen wir im Gras,
zu zweit macht alles doppelt Spaß.

Auf 16 Seiten wird der Wettbewerb unter Freunden und ein möglicher Ausgang des Streits in Reimform aufgegriffen. Die Möglichkeit zu teilen wird hier vorgeschlagen und der Hinweis gegeben, dass Teilen beide glücklich macht. Begleitet wird die Geschichte von wunderbaren plakativen Illustrationen, die sich auf das Wesentliche konzentrieren und den Betrachter nicht mit Details überfrachten.

Reime sind eine spielerische Möglichkeiten sich der Sprachbewusstheit zu nähern. Zugleich unterstützen sie das bewusste Hören. Auch unbetonte, fast verschluckte Silben werden durch die gebundene rhythmische Sprache oft leichter erkennbar. Davon profitieren besonders Kinder, die Deutsch als Zweitsprache lernen. Dabei üben sie Lautkombinationen, die es in ihrer Muttersprache so vielleicht gar nicht gibt. Sie entwickeln ein Gefühl für Melodien und Rhythmen, die jeder Sprache innewohnen. 

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Richtig streiten muss auch gelernt sein.

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Nikolaus Heidelbach – Alma und Oma im Museum

Rezension

„Alma und Oma im Museum“ besticht zunächst mit einer recht eigenwilligen Bildsprache. Man könnte meinen, es wirkt recht starr, eingestaubt und leicht versteinert. Nikolaus Heidelbach spielt allerdings bewusst mit der Wirkung seiner Illustrationen und offenbart im Bilderbuch wie fantastisch Kunstgeschichte und beeindruckend Museumsbesuche eigentlich sein können.

Im Museum benötigt man die richtigen Schuhe, gute Augen und genug Zeit. Almas Oma gibt einen Audioguide an ihre Enkelin weiter und leitet sie damit durch das Museum. Sie lenkt den Blick gekonnt auf Details und lässt Alma trotzdem genug Freiraum, um selbst Entdeckungen zu machen. Hin und wieder springt sie selbst in ein Bild, sodass Alma stets aufmerksam bleibt und auch die Leser ihre Beobachtungsgabe schulen.

Ungeübte Museumsbesucher fühlen sich oft erschlagen von der Fülle der Kunstwerke. Hierzu hat die Oma einen Trick und rät, sich zunächst etwas Kleines auszusuchen, um es sich genauer anzuschauen. Die 16 Gemälde sind religiöse Meisterwerke aus dem Mittelalter und zeigen Bilder wie die »Maria im Rosengarten« oder den »Heiligen Antonius«. Es entsteht eine Diskussion über „Gut und Böse“ und die Darstellungen dessen. Die Oma ist gekonnt versteckt. Man muss schon genau hinschauen, um sie zu finden, was den Rätselspaß für Kinder vorzugsweise ab 8 Jahren erhöht.

Das Bilderbuch ist recht textlastig und hat Denkanstöße, die Zeit brauchen, um den Inhalt sacken zu lassen. Auch Alma benötigt zwischendurch eine Pause, um sich von den Sinneseindrücken zu erholen. Sie erfährt außerdem viel über das damalige Weltbild, lernt neue Wortbedeutungen, wie z.B. die Bezeichnung „Hunnen“ und erlebt, dass Kunstgeschichte ganz spannend sein kann. Außerdem werden Almas Beobachtungen zum Ende des Museumsbesuchs pointierter, da immer mehr Vorwissen einfließt. Der Leser lässt sich in die Regeln bezüglich des Verhaltens im Museum einweisen und eignet sich Wissen über den Beruf eine Kunsthistorikers an. Am Ende des Buches nehmen die beiden sich eine Ausstellung zu „Barock“ vor. Man lernt schließlich nie aus!

 

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Mit diesem Bilderbuch kann Kindern Kunst schmackhaft gemacht werden. Ein Genuss!

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Dagmar Geisler – Mein Körper gehört mir!

Rezension

Das Präventions- und Selbstbehauptungskonzept „Mein Körper gehört mir!“ hält regelmäßig Einzug in Grundschulen, um Kinder zu sensibilisieren und zu stärken.

Die eigenen Gefühle wahrzunehmen, „Nein“ zu sagen und eventuelle unangenehme Berührungen abzuwehren, ist nicht einfach. Selbstbewussten Kindern fällt es oft leichter, klar und deutlich zu sagen, was sie mögen und was sie nicht mögen. Deshalb ist es für alle Kinder bedeutend, sich ihrer Gefühle und ihres Körpers bewusst zu werden. Denn nur so können sie Grenzen für sich und für andere setzen.

Dieses Bilderbuch in der Jubiläumsausgabe gibt mit seinen klaren Bildern und dem einfachen Text Anregungen zum Gespräch und zum Nachdenken über das Thema „sexuelle Grenzüberschreitung und Missbrauch“. Dagmar Geisler zeigt zeichnerische Darstellungen, die abwechselnd voller Trubel sind oder mit ruhigen Situationen versehen, Berührungen zeigen.

Einige sind angenehm, wie z.B. das gegenseitige Kitzeln mit Freunden, andere weniger, wenn beispielsweise ein Erwachsener zu doll kitzelt. Ein Schlabberkuss gehört in die Kategorie „unangenehm“, sei es vom Hund oder von der Patentante. Ein zu festes Halten, kann ein Gefühl der Enge erzeugen. Die Bandbreite der dargestellten Situationen ist vielschichtig und unabhängig vom Geschlecht und Alter der Beteiligten.

Die selbstbewusste Protagonistin Clara macht es im Bilderbuch den Lesern vor und zeigt mit ihrer Körpersprache und der eindeutigen Äußerung „Ich will es nicht!“, dass sie bei manchen Berührungen ein „Nein-Gefühl“ spürt.

Denn ich allein bestimme, von wem und wann ich berührt werden möchte. Und du auch.

Hier verändert sich die Ansprache, sodass aus einem „Ich“ der Protagonistin ein verallgemeinerndes „Du“ wird. Die Botschaft macht sich ab diesem Zeitpunkt auf den Weg. Weiterhin werden Kinder bestärkt sich Hilfe holen zu dürfen. Schließlich hat jeder nicht nur das Recht, sondern die Verpflichtung auf das körperliche und seelische Wohl zu achten. In der Jubiläumsausgabe liegt eine Körperlandkarte bei. Hier ist der Umriss eines Körpers abgebildet, der dazu einlädt dem Körper Beachtung zu schenken, um sich besser kennen und lieben zu lernen.

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Der Verunsicherung entgegen wirken – Kinder stärken und Mut machen!

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Yoko Maruyama – Die vergessene Kreide

Rezension

Lukas freut sich unheimlich über seine neuen Farbkreiden. Zu jeder Jahreszeit malt er ein passendes Bild und benutzt nach und nach die entsprechende Farbe. Im Frühling ist die grüne und braune Farbe dran. Damit malt er einen Baum mit frischen Knospen und hell- und dunkelgrünen Blättern. Die benutzten Wachsmalstifte wandern glücklich zurück in die Schachtel.

Das Sommerbild zeigt einen blauen Ozean mit einem kleinen Boot, während das Herbstbild etwas furchterregend daherkommt. Für das Halloween-Bild kommen die dunklen Farben zum Einsatz, sodass schließlich nur eine Farbe unbenutzt in der Schachtel zurückbleibt. Die vergessene Farbe heißt „Weiß“. Doch dann wird es zum Glück Winter und ein kleines Mädchen entdeckt die weiße Kreide. Als es zu schneien beginnt, ist sie genau die Richtige für diese Jahreszeit!

Die japanische Künstlerin entführt die jungen Leser mit ihren zarten Strichen in die vorsichtigen Versuche der Kinder die Wachsmalstifte für sich zu entdecken. Das Herantasten an das neue Werkzeug ist mit einer kleinen Anleitung verbunden. Die Kinder werden durch die Einbindung in die Geschichten animiert mit der Farbkreide zu experimentieren. Dabei gibt es je nach Jahreszeit passende Vorschläge, die so einfach gehalten sind, dass das Nachmalen und Selbermalen nur als logische Anschlussaktivität gesehen werden kann. In dem Zusammenhang wird die Erprobung der Technik „Wachsmalkreide unter Wasserfarbe“ angeregt.

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Das perfekte Bilderbuch für den Kunstunterricht in Klasse 1!

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Tanja Székessy – Mio war da!

Rezension

Das abenteuerlustige Stoffkuscheltier der Klasse 1d geht gerne auf Reisen – am liebsten besucht es die Kinder zu Hause. Mio ist ein Pinguin und ein fester Bestandteil der Klassengemeinschaft. Er darf bei jeder Familie einmal übernachten und bekommt so einen ehrlichen Einblick in die verschiedensten Familienkonstellationen, Tagesabläufe und Umgangsformen.

Bei jedem der vierzehn Kinder der Grundschulklasse sieht es anders aus. Bei Helene wird viel gesungen und gelacht. Auch die jüngere Schwester gesellt sich zum Spielen dazu. Julis Mutter lässt ihre Tochter Hausaufgaben machen, obwohl sie gar keine aufhatte. Je mehr die Mutter redet, desto schweigsamer wird das Kind.

Lustig war noch, dass Juli dann doch noch gesprochen hat, aber das war im Schlaf, also zählt das vielleicht nicht.

Marlon trainiert viel und boxt in seinem Zimmer. Seine Eltern hat Mio nie kennen gelernt. Bei Mayla geht es turbulent zu, denn die Großfamilie hält Einzug. Zwar wurde Mio im Schulranzen vergessen, aber er konnte trotzdem prima die richtig vielen Stimmen hören.

Die Berliner Autorin Tanja Székessy greift ein sehr intimes und sensibles Thema auf: Eine bisher in der Bücherlandschaft recht unberührte Thematik, obwohl das Konzept der reisenden Klassenmaskottchen häufig praktiziert wird. Das Klassentier ist ein unvoreingenommener Beobachter, der keine explizite Wertung abgibt. Er beobachtet, beschreibt und nimmt wahr.

Die dargestellten Situationen sind oft unbeschönigt, vielfältig und lassen den Betrachter oft staunend zurück. Erstaunlicherweise kommt man auch als Leser selten zum Bewerten, sondern fühlt Dankbarkeit, dass die Türen in die intime Privatsphäre geöffnet wurden. Jede Familie kämpft mit den unterschiedlichsten Begebenheiten. Mal sind die Eltern berufstätig und geben die Kindererziehung an Großeltern ab, mal sind sie besonders fordernd und verlangen den Kindern entsprechend viel ab oder überlassen sie sich selbst, aus welchen Gründen auch immer.

Nicht minder erwähnenswert sind die Illustrationen des Bilderbuchs. Die formatfüllenden Abbildungen auf der rechten Seite fangen die Stimmung außergewöhnlich gut ein. Das schattige Zimmer bei Hugo zeigt einen Jungen, der sich in Videospielen verliert. Neben ihm hängt ein Poster von „Darth Vader“. Im Hintergrund streiten sich die Eltern lautstark, sodass die unterschwellige Verknüpfung schnell einleuchtend erscheint.

Dieses Bilderbuch braucht Freiräume zum Austausch. Hier und da ist eine bestimmte „Schwere“ zu verzeichnen. Allerdings und dessen muss man sich bewusst sein, ist es für viele Kinder Realität. Ich bin mir sicher, dass viele Kinder sich in den Konstellationen hier und da wiedererkennen und sich persönlich angesprochen fühlen werden. Bei manchen ist es sicherlich auch eine Kombination.

 

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Pädagogisch wertvoll!

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Peter Tschaikowsky – Schwanensee: Ein Musik-Bilderbuch zum Hören

Rezension

„Schwanensee“ von Peter Taschaikowsky gehört zu den schönsten und einprägsamsten Stücken der klassischen Musik. Die Reihe „Musik-Bilderbücher“ aus dem Prestel Verlag widmet sich fabelhaft illustrierten Bilderbüchern, die per Knopfdruck eine kurze Sequenz abspielen.

Hier steht die berühmte Geschichte rund um die verwunschene Prinzessin Odette, die vom bösen Zauberer Rotbart in einen Schwan verwandelt wurde im Mittelpunkt. Die Illustratorin Jessica Courtney-Tickle schafft mit ihren zauberhaften Illustrationen den entsprechenden Rahmen, um das Ballettstück in märchenhafte Farben mit den glitzernden Mondscheinen gekonnt und dem Stück würdig in Szene zu setzen. Es gelingt ihr den Betrachter mit auf eine Reise zu nehmen, die Kinder hoffentlich so schnell nicht wieder loslässt und für klassische Kunst lebenslang begeistert.

Das Bilderbuch führt Kinder ab fünf Jahren in die Magie der Musik Tschaikowskys ein: Bei der Berührung des Notensymbols erklingen die bekanntesten Melodien in hervorragender Klangqualität passend zum Bild. Hier sind zum Teil mehrere Versuche und etwas mehr Druck nötig, um die ca. 10 Sekunden langen Stücke erklingen zu lassen. Sachinformationen, wie z.B. ein kurzer Lebenslauf zum russischen Komponisten im Anhang runden diesen magischen und märchenhaften Zauber ab.

Besonders gut gefällt mir die spielerische Schnitzeljagd am Ende des Musik-Bilderbuchs, in der es darum geht die gehörten Melodien den entsprechenden Stellen in der Geschichte zuzuordnen. Ein kurzer Begleittext erklärt die Gefühlslage des Akts, geht auf die Instrumente genauer ein und zeigt auf, dass Streicher weiche und lange Noten spielen, deren Tonlage ansteigt, um zu verdeutlichen, wie sehr sich das Paar liebt.

 

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Fazit

Fabelhaftes Musik-Bilderbuch zum Hören und Genießen

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