Otfried Preußler – Krabat

Krabat ist ein Waisenjunge und lernt während seiner Lehrzeit als Müllerjunge bei seinem Meister die Kunst der schwarzen Magie. Die Mühle entpuppt sich schnell als eine Zauberschule, die mit viel Arbeit, Mühsal und Magie verbunden ist. In der Bruderschaft findet er jedoch auch wahre Freunde, die ihm Kraft geben und den Wunsch nach Freiheit verstärken. Doch nur die schöne Kantorka kann in Karbat den wahren Willen wecken sich gegen die schwarze Magie und seinen Lehrmeister aufzulehnen und ihn entgültig zu vernichten.

Ein Klassiker unter den Kinder- bzw. Jugendbüchern, der nicht unumstritten ist und doch mit zahlreichen Preisen überhäuft wurde. Die kürzliche Debatte über die Einbindung der Ganzschrift in den Unterricht habe ich mit Interesse verfolgt und doch würde ich dafür stimmen. Denn hier wird der Dualismus zwischen Gut und Böse hervorragend in den Blickpunkt gerückt. Denn Krabat ist zwischen zwei Welten gefangen. Da ist einerseits die reale Welt, aus der Krabat ursprünglich kommt und die boshafte und dunkle Zauberwelt in der Mühle. Diese beiden Welten können wunderbar einander gegenüber gestellt  und mithilfe eines Plakats präsentiert werden: Betteln vs. Magie, kein Zuhause vs. notdürftige Unterkunft, keine Eltern vs. Bruderschaft, Religion und Glaube vs. schwarze Magie, Frauen und Männer vs. reine Männergesellschaft. Das Buch bietet viel Diskussionsstoff.

Auch der vor einigen Jahren herausgebrachte Film darf integriert werden, den ich durchaus gelungen finde. Hier lassen sich Rollenspiele und Standbilder sehr gut miteinbinden. Auch die Begriffe Mythe, Sage und Märchen können anhand des Films aufgefrischt und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausgestellt werden. Schließlich können die SuS sich der Aufgabe widmen zu begründen, weshalb Krabat weder Mythos, Sage noch ein Märchen ist … Zu diesem Buch gibt es ein Fülle an tollen Arbeitsanregungen und das deutet auf ein gutes Buch hin!

Eine ausführlichere Inhaltsangabe ist u.a. auch hier zu  finden.

Ein Kinderbuchveteran und das zu recht!

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Dagmar Hoßfeld – Conni and the exchange student

„How exciting! A British school class is coming to visit. And one of the exchange students is going to stay with Conni and her family. Canni can’t wait to meet Mandy from Brighton. She sounds really nice in the letter she has written. But when the British  kids finaly arrive Conni is in for a big surprise!“

Dagmar Hoßfeld greift genau die Themen auf, die Elfjährige eben beschäftigen: Schule, Freunde, die nervigen und manchmal auch lieben Geschwister, das Verhältnis zu den Eltern, die „cute boys“ aus der eigenen Klasse und in diesem Band besonders der Schüleraustausch mit einer britischen Schule. Dieser Band wird ab elf Jahren empfohlen, obwohl ich das sprachlich schon sehr anspruchsvoll finde. Zwar finden sich auf jeder Seite bis zu fünf Übersetzungen, doch es sind vor allem die Redewendungen, die einer genauen Erklärung bedürfen. Allerdings trägt auch der Kontext erheblich zum Verständnis bei, sodass nicht unbedingt jedes Wort verstanden werden muss, um den Sinn zu erfassen. In diesem Band wird ein sehr beruhigendes und idyllisches Familienleben beschrieben. Hier ist die Welt noch „in Ordnung“ und das ein oder andere Abenteuer in einem fremden Land, was durchaus realistisch ist, bringt die gewünschte Würze in diese Geschichte. (Davon hätte ich mir vielleicht etwas mehr gewünscht.) Es sind doch gewisse Dinge, die sich von Land zu Land unterscheiden und eine persönliche Stärke bedürfen, um damit fertig zu werden.
Was ich besonders sympathisch und unterhaltsam fand, waren die Wortfindungsschwierigkeiten und der Switch zwischen Deutsch und Englisch. Da sind so manche urwitzige Wortkreationen entstanden. Auch das symbolisiert die Realität, wenn man sich in einer fremden Sprache unterhält, fallen einem nicht sofort die richtigen Wörter ein, man muss sich nur zu helfen wissen und das können Mandy und Conni ganz wunderbar. Außerdem wird den Jugendlichen der Schüleraustausch schmackhaft gemacht und all die Ängste, die man vorher halt so hat, genommen.

Ein schönes Geschenk für Mädchen, die ihr Englisch verbessern möchten oder auf die ein Schüleraustausch zukommt.


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Bettina Belitz – Freihändig

Klappentext:

„Warum lässt ihn Micha nicht einfach mal in Frieden? Immer diese Hänseleien und blöden Anspielungen. Dabei will Josh doch einfach nur seine Ruhe haben. Zum Glück gibt es die Leute vom Pferdehof und den Wallach Sarastro. In der Reithalle kann Josh alles hinter sich lassen – hier kann ihm keiner was! Freihändig auf dem galoppierenden Pferd zu stehen und Sarastros Kraft zu spüren, das bedeutet Freiheit und ist unglaublich cool!“

Inhalt:

Mobbing unter Brüdern: Joshua ist 15 Jahre und gemeinsam mit seinem Bruder, Micha, in einer Klasse. Leider haben die beiden keine innige Geschwisterbeziehung, denn Micha mobbt Joshua wo er kann. Im Bus schikaniert er ihn täglich, tritt, boxt, macht sich über ihn lustig, verbreitet unter den Mitschülern Gerüchte, dass er schwul sei. Die Belustigungen finden einen Höhepunkt, als sich Joshua im Sportunterricht nicht für das Klettern, sondern als einziger Junge  für das Voltigieren meldet. Dabei hat Joshua nicht wirklich eine Wahl, denn er hat Höhenangst und somit fällt das Klettern für ihn komplett flach. Außerdem kann er somit zumindest für einige Stunden seinem gemeinen Bruder entfliehen. Doch auch seine Eltern legen ihm Steine in den Weg und verbieten ihm das Voltigieren, was Josh jedoch nicht davon abhält heimlich weiter auf seinem Pferd Sarastro zu üben, mit der Unterstützung seiner Tante Charlotte. Doch wie lange wird Josh’s Lüge unentdeckt bleiben? Und was hat es mit der Punkerin Eva auf sich, einer aufsässigen Mitschülerin, die in Joshua irgendwann mehr sieht, als nur das Opfer seines Bruders?

Meinung:

Mobbing, Willensstärke, Durchhaltevermögen, Losbindung, Erwachsenwerden, erste Liebe, sind nur wenige der Themen, die Bettina Belitz in dem Jugendroman Freihändig anspricht. In diesem Roman steckt so viel mehr. Der Weg eines unscheinbaren Jungen, der unter der Gehässigkeit seines Bruders leidet und doch seine Talente entdeckt und sie zu verfolgen versucht, egal welche Hindernisse auf ihn zukommen. Dabei wird der Beziehung zu einem Pferd viel Raum gewidmet. Der Geruch des Pferdes, die Vereinigung  beim Reiten, das Spüren jeder Muskelfaser, all das wird sehr detailliert dargestellt, sodass man als Leser das Gefühl hat mitzureiten und dieses Gefühl der Freiheit, die Joshua auf Sarastro erlebt, mitzuerleben. Der Titel Freihändig ist einerseits auf das Voltigieren zu beziehen, als Joshua sich zum Himmel streckt, aufsteht  und freihändig, mit ausgebreiteten Armen reitet, andererseits auch auf seine Loslösung  der Schikanen seines Bruders, er macht sich frei und findet endlich zu sich selbst …

Für mich ist dieses Buch das zweite, nach Splitterherz, welches ich von Bettina Belitz gelesen habe und auch diesmal bin ich von der Einbindung der Welt, die die Jugendlichen heute umgibt, sehr angetan. Die Autorin weiß ganz genau, was Jugendliche heutzutage beschäftigt, egal ob Musik, Technik oder die sprachlichen Ausdrücke.

Da ich jedoch den direkten Vergleich zu Splitterherz habe, muss ich gerechterweise für dieses Buch 4.5 Sterne vergeben.

Fazit:

Nicht nur für Pferdefans ist dieses Buch eine Leseempfehlung!

Vielen Dank an Bettina Belitz für die Bereitstellung dieses Rezensionsexemplars und die sehr nette Widmung!

Bewertung: