Patti Rokus – Die Weihnachtsgeschichte

 

Rezension

Die Künstlerin Patti Rokus baut Stein für Stein die biblische Geschichte zur Geburt Jesus liebevoll nach. Das Betrachten entschleunigt ungemein. Diese Weihnachtsgeschichte aus Steinzusammensetzungen und einigen anderen Naturmaterialien strahlt eine unglaubliche Ruhe, einen beschaulichen Frieden und vollkommene Stimmigkeit aus. Es zeigt dadurch das Besondere und Fesselnde dieser bekannten Geschichte und verleiht dem Ganzen ein neues, anrührendes Gewand – von der Ankündigung der Geburt Jesu durch den Engel bis hin zu den Hirten und Sterndeutern im Stall von Bethlehem.

Die Aufmachung ist minimalistisch, modern und ungewöhnlich. Es dominieren die Farben Schwarz, Grau und Gold. Der Text ist einfach gehalten und für Kinder ab 3 Jahren durch die Reduzierung des Wortmaterials sehr gut zu verstehen. Auf den letzten Seiten findet sich ein etwas ausführlicherer Text, der mehr Hintergrundinformationen anbietet. Die Auswahl der Steinformen und die Belichtung der Szenen ist beeindruckend. Es ist wie ein Sog, sodass man sich lange an den Darstellungen erfreuen kann. Gleichzeitig animiert es dazu, selbst kreativ zu werden und Steine als Gestaltungsgegenstände zu nutzen. Die Inspiration ist auf vielen Ebenen mit dieser besonderen Weihnachtsgeschichte von Patti Rokus mehr als geglückt.

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Fazit

Ein künstlerisches Bilderbuch mit biblischen Szenen aus Steinzusammensetzungen

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Katharina Wilhelm – Rica und das Weihnachtsabenteuer: Adventskalender zum Vorlesen

Rezension

Hinter diesem Adventskalender zum Vorlesen verbirgt sich ein DIN-A3 großes stabiles Bild und eine Weihnachtsgeschichte in 24 Kapiteln. Jeden Tag wird ein Türchen geöffnet und ein Tier oder ein Gegenstand aufgedeckt, das besonders prägnant für die entsprechende Tagesgeschichte ist.

Das Kapitel ist innerhalb von 5 Minuten gelesen und eignet sich insbesondere für jüngere Kinder. Inhaltlich geht es vordergründig um das neugierige Schaf Rica. Während ihre Artgenossen am liebsten schlafen und fressen, freut sie sich über den Neuzugang im Stall. Ein Wolf mit einem kuscheligen, weißgrauen Fell taucht eines Tages auf. Gemeinsam beschließen sie Abenteuer zu erleben und treffen unterwegs auf immer mehr Tiere. Nach und nach finden sie heraus, was Weihnachten ist, was es mit dem Adventskranz auf sich hat und was noch so alles zum Fest dazugehört. Schließlich versammeln sie sich mit allen Tieren im Wald und lauschen gebannt der Weihnachtsgeschichte.

Und genau an dieser Stelle schwappt die Besinnlichkeit auf die Zuhörer über. Schließlich wird es behaglich und die Tiere sind sich einig, dass die Vorbereitungen auf das Weihnachtsfest einen ganz eigenen Zauber innehaben. Das Schönste ist schließlich gemeinsam zu feiern und Familie und Freunde um sich zu haben.

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Fazit

Gemächliche, ruhige Weihnachtsgeschichte in kurzen Kapiteln.

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Sabine Ludwig und Kerstin Schoene – Wenn der Wal Geburtstag hat, wird er von Spinat nicht satt

Rezension

Willi wird heut hundertzwei,
hat Appetit auf Hummerbrei.
Er will auf keinen Fall Spinat,
den findet er sooo fad,
da wird sein Maul ganz schmal,
denn Willi ist ein … WAL

Dieses Bilderbuch feiert den einen ganz besonderen Tag im Jahr, den Geburtstag. Die Geburtstagskinder kommen alle aus der Tierwelt und das Alter unterscheidet sich ebenfalls. In witzigen Reimen wird das Geburtstagskind eingeleitet, bevor auf der darauffolgenden Doppelseite das Geheimnis gelüftet wird. Die Reime animieren zum Antizipieren, sodass die Kleinen schon bald eine Vermutung haben werden, um welches Geburtstagstier es sich handeln kann. Auch wenn das sechste von den sieben Tieren durchaus ein Exot ist.

Die Illustrationen sind großflächig, teils mit einem ordentlichen Zoom, bunt und strotzen nur so feierlicher Laune. Die Illustratorin spielt mit den Symbolen für Geburtstagsfeierlichkeiten und integriert Kerzen zum Auspusten, die Kirsche auf dem Sahnehäubchen, Fähnchen, Geburtstagshütchen, Luftballons, Konfetti und Wimpel in allen erdenklichen Farben. Dieses Bilderbuch macht Laune. Wie gut, dass der Fokus nach dem letzten Tier auf das eigentliche Geburtstagskind in der Realität gelenkt wird. Die Überleitung auf den Leser ist wirklich geglückt! Damit ist es ein wunderschönes Geschenkbuch für alle Geburtstagskinder dieser Welt.

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Fazit

Ein farbenfrohes, vor guter Laune strotzendes Geschenkbuch für alle Geburtstagskinder!

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Benas Bėrantas und Vilija Kvieskaitė – Nüsse haben kurze Beine

Rezension

Das litauische Duo hat sich der Redewendung „Lügen haben kurze Beine“ bedient und thematisiert die Werte „Ehrlichkeit“ und „Aufrichtigkeit“ auf sehr kindgerechte Art und Weise. Wer kennt es nicht? Es beginnt mit einer kleinen, kaum zu erwähnenden Nichtigkeit und schwupps ist die Nuss aus dem Korb schon in Kinderhände geraten, während Mama Eichhorn aus dem Haus ist. Rabe Knips schlägt noch vor zu warten, um Erlaubnis erbitten zu können, doch Eichhörnchen Ekki kann es nicht abwarten und so landet eine Nuss nach der anderen im Mund.

Als Frau Eichhorn zurück kommt, ziehen die beiden ihre Bäuche ein und behaupten, dass Frau Fuchs die Nüsse gestohlen hat. Zwischen den Freunden beginnt daraufhin die Diskussion rund um Ehrlichkeit und die Möglichkeit den Fehler auch zugeben zu können. Mit Bauchschmerzen gehen sie schlafen. Am nächsten Tag hat das Eichhörnchen Geburtstag und kann sich kaum freuen und mitfeiern. Die Lüge bzw. Nuss liegt ihm schwer im Magen.

Es ist wahr. Durch das Lügen bürgt man sich selbst nur eine Last auf. Das zeigt diese Geschichte deutlich. Es belastet einen. So leiden die beiden Tiere, wenn auch teils unbewusst. Das Aufdecken, wenn leider auch nur durch Zufall und nicht Selbsteingeständnis, ist mit einer großen Erleichterung verbunden, sodass die Tiere beschließen in Zukunft dann doch lieber die Wahrheit zu sagen.

Lügen ist ein höchst komplexes Thema und mit Unsicherheit, aber auch dem Austesten von Grenzen verbunden. Den Fokus auf die psychische Last, die sich schließlich auf den Körper auswirkt, zu legen ist sinnvoll und auch aus medizinischer Sicht richtig. Umso schöner, dass dieses Thema auf heruntergebrochener, kindlicher Ebene Erwähnung und Beachtung findet.

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Fazit

Vermittlung wichtiger Werte, mit Bezug zu körperlichen Auswirkungen.

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Anne Hassel und Barbara Korthues – Tommi trödelt!

Tommi trödelt Bilderbuch

Tommi kommt aus einer Waschbär-Familie, in der alle flink sind und so umher sausen, dass die Blätter an den Bäumen zittern. Nur Tommi ist langsam und mag es in der Früh überhaupt nicht aufzustehen. Er schmust viel lieber mit seinem Kuscheltier oder schaut sich die vorbei ziehenden Wolken an. Und so kommt es, dass er seinen Schulbus verpasst, die erkaltete Suppe essen muss und auch die Gute-Nacht-Geschichte nicht zu hören bekommt.

Eines Tages beschließt er, dass sich etwas ändern muss. Dafür bittet er seine Freunde um Hilfe. Der Hahn ist für das Wecken verantwortlich, der Maulwurf soll Tommi erschrecken, wenn er mal wieder vor sich hinträumt und die Eule soll Tommi mit ihren Schauergeschichten schnell ins Bett jagen. Hat es was gebracht? Oh, ja! Tommi ist nun pünktlich. Lediglich für die Tiere gab es eine sehr gesunde Wendung in der Einstellung zum „Trödeln“.

Rezension

„Zeit haben“ ist in der heutigen Gesellschaft ein Luxusgut. Der Rezipient kommt nicht umhin Tommi schnell ins Herz zu schließen. Er entdeckt seine Umwelt und nimmt jedes Detail genau unter die Lupe. Er kann sich an den Wolken erfreuen und an der Schönheit der Wiesenblumen. Wären da bloß nicht diese festgezurrten Richtlinien der Gesellschaft, die einen dazu zwingen, sich dem Lauf der Dinge anzupassen.

Welche Eltern kennen dieses Problem nicht? Ein Tagesablauf im gewöhnlichen Alltag zwingt einem nun mal bestimmte Verhaltensmuster auf. Kinder erlernen dies individuell und Tommis Geschichte bringt ein bisschen Entspanntheit in diese Angelegenheit. Der Knackpunkt ist seine eigene Erkenntnis, dass sich etwas ändern muss. Mit ein bisschen Unterstützung seitens der Tiere klappt das recht schnell.

Die herausnehmbare Trödel-Uhr für das Kinderzimmer, die diesem Bilderbuch beigelegt wurde, soll die häusliche Situation entspannen und das Trödel-Problem eindämmen. Im inneren Kreis wird das eigentliche Ziel festgesetzt, sei es „Zähne putzen!“ oder „Aufräumen!“. Der große Zeiger ist für die Kinderhand gedacht und bietet den Kindern einen kleinen Entscheidungsfreiraum, sodass sie für sich noch eine kleine „Trödelaufgabe“ dazwischen schieben können. Zur Wahl stehen „Eine Runde toben“, „Einmal feste kuscheln“ oder „ganz laut singen“. Ein Feld wurde für die „eigene Trödel-Idee“ frei gelassen. Damit werden Kinder in ihrer Selbstständigkeit gefördert und Eltern können sich etwas zurück nehmen.

Das Ende des Bilderbuchs beeindruckt mich ungemein. Da sitzen die Tiere auf der Lichtung im Wald, schauen rüber zum schlafenden Tommi und nehmen sich vor, ab morgen ein bisschen zu trödeln.

Dieses Gehetze ist nicht immer schön.

Meiner Meinung nach ist dies eine wichtige Erkenntnis, denn sofern es die Zeit erfordert, sollte man sich den Luxus nehmen und tatsächlich genüsslich ein bisschen trödeln, die Dinge etwas langsamer angehen, sich auch mal langweilen oder die Wolken am Himmel ein paar Sekunden länger anschauen. Wer nicht trödelt, verpasst das Leben!

 

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Fazit

Fröhliches Bilderbuch zum lebensnahen Thema „Trödeln“.

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Andy Stanton und David Litchfield – Als ich noch ein Kind war

Rezension

Ach, ich wünschte, du hättest die Welt gekannt,
so wie ich, hell und glitzernd, wie ein Diamant.

Dieses Bilderbuch thematisiert die Wahrnehmung der Welt im Laufe der Jahre. Die Großmutter blickt betrübt zurück und stellt fest, dass früher alles anders war. Sie sitzt mir ihrer Enkelin auf einer Bank und gemeinsam blättern sie im Tagebuch vergangener Zeiten. Sie reisen an die fantastischen Orte ihrer Kindheit und Jugend und alles strahlt glitzernd wie ein Diamant.

Der Zauber dieser aufregenden Jahre spiegelt sich in den farbenfrohen, comicartigen Illustrationen wider. Jede Doppelseite ist voll gespickt mit zauberhaften Elementen und strahlenden Gesichtern. Es verdunkelt sich allerdings als Oma postuliert, dass die Welt nun zu einem trostlosen Ort geworden ist. Nun liegt es an der Enkelin ihrer Großmutter zu zeigen, dass sie Unrecht hat. Emily eröffnet ihrer Oma die Türen zur Magie, jene Wunder, die in allem und jedem Ding der Welt stecken. Manchmal liegt es einfach an der Sichtweise, wie man seine Umgebung wahrnimmt.

Die Magie unserer Welt macht vor niemanden halt,
ganz gleich, ob du jung bist oder alt.

Dieses Buch ist ein Schatz zum Betrachten innerhalb der Generationen. Es zeigt, dass Jung von Alt und aber auch Alt von Jung lernen und die Lebensfreude so weiter getragen werden kann. Man kann sich gegenseitig anstecken. Es ist herzerwärmend zu erkennen, dass Wunder doch überall verborgen sind. Auch die vermeintlich grauen und tristen Regentropfen können farbenfroh und bunt erscheinen. Es liegt an dir, wie du die Welt siehst.

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Fazit

Dankbarkeit und Wertschätzung für jeden erlebten Tag auf dieser wundervollen Erde ist das, was dieses Buch ausstrahlt.

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Lucy Astner – Kalle Körnchen

Rezension

„Kalle Körnchen“ ist ein Traumwichtel, ein Helfer des Sandmanns. Zu seinen Aufgaben gehört es die Träume zu machen, die der Sandmann in der Nacht an die Kinder verteilt. Die Kreation der schimmernden Traumblasen gelingt ihm am besten in der Hängematte vor seiner Baumhöhle. Hier wird er hin und wieder gestört. Mal möchte der übermütige Frechdachs etwas von ihm, mal tauchen hunderte von Hirtenwichteln auf, weil das Schaft Nummer vier zu früh über den Zaun hüpft.

Gute-Nacht-Geschichten haben eine besondere Bedeutung im ritualisierten Einschlafmodus von Kindern. Sie dürfen nicht allzu aufwühlend oder aufregend sein, sondern sollten am besten eine wohltuende Ruhe versprühen. Vorlesen stärkt außerdem die Bindung zwischen Eltern und Kind. Die Eltern werden sich freuen hier eine recht große Schrift vorzufinden, die auch bei schlechteren Lichtverhältnissen gut lesbar ist. Beim abendlichen Vorleseritual entsteht die Möglichkeit, sich nahe zu sein, gibt Sicherheit und hilft dabei, den Übergang vom Tag in die Nacht bewusst zu gestalten.

Diese Kurzgeschichten drehen sich inhaltlich um den Sandmann und seine Helfer. Durch die eingestreuten fantasievollen Aspekte wird die Tür zum Areal im kindlichen Hirn geöffnet, das für Kreativität und Schaffensfreude zuständig ist. Gleichzeitig wirkt es wie eine Einladung in die Traumwelt einzutauchen. Der Schlafsand ist ein schönes Symbol für den Übergang in das Schlummerland. Auch die Zeichnungen wirken harmonisch, friedlich und liebevoll.

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Fazit

Harmonisches Vorlesebuch für die gemeinsame Zeit als Übergang vom Tag in die Nacht

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