Philip Bunting – Ich und der Anfang der Welt

Rezension

Philip Bunting nimmt den Leser mit auf eine Reise vom Urknall bis hin zur eigenen Geburt. Er verabschiedet sich am Ende zum aktuellen Zeitpunkt während des Lesens des humorvollen Sachbuchs von seinen Rezipienten. Damit bedient er sich des „Buch-im-Buch“ Motivs und holt den Leser regelrecht von der ersten Sekunde ab.

Inhaltlich geht es um die Entstehung des Universums, der Menschheit und der Entwicklung auf der Erde. Dabei werden zum besseren Verständnis kindgerechte Gleichnisse herangezogen, um die Komplexität der Thematik herunterzubrechen. Die Erklärung der Teilchen, als chemischen Stoff, ist auch für die Kleinen ab 4 Jahren gut nachvollziehbar. Die Entwicklung zu Staubwolken, in Verbindung mit der Anziehungskraft als physikalische Eigenschaft von Masse und schließlich zur Bildung von Planeten ist gelungen. Der Fokus gleitet schließlich zur Erde, Unterwassertieren, Landtieren und dem ersten Menschen. Evolution geht Hand in Hand mit Kultivierung, der Bildung von Gemeinschaft und der Fortpflanzung. Die Schwangerschaft wird als Entwicklungskreislauf im Mutterleib bildlich verdeutlicht.

Natürlich können es in einem solchen Sachbuch nur bruchstückhafte Erläuterungen sein, um die Anfänge von Synapsenverknüpfungen in Gang zu setzen. Die Vorstellung einer durchaus komplexen Materie wird hier humorvoll angebahnt und gewährt keine Garantie auf Vollständigkeit.

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Fazit

Entstehungsgeschichte des Universums humorvoll angerissen

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Michael Engler und Joëlle Tourlonias – Wir zwei im Winter

Rezension

„Wir zwei im Winter“ ist der dritte Band der beliebten Reihe, nach „Wir zwei gehören zusammen“ und „Wir zwei sind Freunde fürs Leben“ von Michael Engler, mit den in Erinnerung bleibenden, zarten Illustrationen von Joëlle Tourlonias. Es ist ein stimmungsvolles Winterbuch über die Kraft des Gemeinschaftsgefühls und die lohnenden Früchte von Hilfsbereitschaft.

Igel, Hase und Eichhörnchen bereiten sich auf die kalte Jahreszeit vor. Der Igel würde für lange Zeit schlafen, während das Eichhörnchen fleißig Nüsse und Bucheckern sammelt und an geheimen Orten versteckt. Mit Schrecken stellen sie allerdings bei den Vorbereitungen fest, dass der Eingang zu ihrer Höhle versperrt ist. Schnell werden die beiden Neuen verdächtigt, die neuerdings durch den Wald streifen. Der Biber und der Wiesel werden vom Hasen und dem Eichhörnchen schnell als „finstere Gesellen“ abgetan. Lediglich der Igel gibt den Neuankömmlingen eine Chance und verbringt mit ihnen viele Tage an einem geheimen Vorhaben.

Behutsam behandelt der Autor die Themen Ausschließen, Vorurteilen und mangelnde Kommunikation, aus denen schnell Missverständnisse entstehen können. Ausgeschmückt ist die Geschichte mit wertvollen, sachkundlichen Zusammenhängen rund um den Winterschlaf und die Winterruhe von Tieren und dem damit verbundenen Jahreszeitenwechsel. Erfreulich ist, dass letztendlich der Schatten gelichtet werden kann und die Höhle voller Herzenswärme, Vertrauen und Hilfsbereitschaft erstrahlt.

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Fazit

Ein behagliches Winterbuch zum Thema Herzenswärme und Vertrauen.

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Lorenz Pauli und Sonja Bougaeva – Alles war See

Rezension

Draußen tobt ein Sturm und der Leser schaut durch ein Fenster einem Ehepaar beim gemütlichen Beisammensein zu. Eigentlich wollten sie Blumenkohl pflanzen. Nun schläft die Katze auf der Fensterbank, während der Mann entspannt Mundharmonika spielt. Das Unwetter verzieht sich und hinterlässt Spuren. Durch das Loch im Dach schauen zwei Tauben ins Haus. Der Blumenkohl muss warten. Der Schaden hat Vorrang.

Die Illustratorin Sonja Bougaeva konnte bereits mit dem Bilderbuch „Wie Frau B. so böse wurde“ überzeugen und zeigt auch hier in großformatigen und mehrdeutigen Darstellungen wie ein Ehepaar mit neuen Herausforderungen umgeht, nicht aufgibt, sich an die Gegebenheiten anpasst und mithilfe von Kreativität jedes vermeintliche Problem löst.

Statt eines neuen Dachs bauen die beiden letztendlich ein neues Haus am See. Diese Entscheidung bedarf allerdings einer Modifizierung, wie sich bald herausstellen wird, sodass mithilfe von Rädern das Haus auf einen Berg geschoben wird. Nach einer weiteren Sintflut ist das Ehepaar in einem Hausboot, samt Stall gleich der Arche Noah, durch die Fluten unterwegs. Als schließlich Land auftaucht, planen sie neu und ergänzen, verändern und denken weiter. Ein Neubeginn ist nie das Ende, sondern ein weiterer Anfang.

Denn Hoffnung lässt sich immer wieder neu erfinden.

Dieses Bilderbuch erzählt vom Leben. Lorenz Pauli verbildlicht mit einer starken Assoziation zur biblischen Arche Noah die Widerstände, die sich einem im Laufe des Lebens in den Weg stellen. Das äußerst sympathische, mutige und kreative Pärchen hält stets zusammen und schafft alle Hindernisse. Sie lassen sich nicht entmutigen, zeigen Willen, Zuversicht und Lebensfreude. Sie haben Vertrauen ineinander und strotzen nur so vor Ideenreichtum, denken fortschrittlich, probieren aus, verwerfen, bessern aus und bauen an. Und das Schöne daran ist, dass sie Wachstum nicht nur am Blumenkohl festmachen, sondern die Beziehung und deren Entwicklung in den Vordergrund stellen.

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Fazit

Ein Bilderbuch vordergründig für Erwachsene, das sich auf Hoffnung, Neubeginn und Zusammenhalt konzentriert.

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Stefanie Gerstenberger und Susanne Göhlich – Ärgere niemals einen Elefanten

An einem Sonntagnachmittag macht Paul gemeinsam mit seiner Mutter einen Ausflug in den Zoo. Im sauberen Matrosenanzug und glänzenden Lackschuhen, geht es für Paul von Gehege zu Gehege und stets bläut die Mutter ihm ein:

Nun sei brav und mach dich nicht schmutzig, Paul!

Allerdings macht das Bravsein nicht so viel Spaß wie Tiere zu ärgern. Also schnappt Paul dem Elefanten das Brötchen aus dem Rüssel weg und wird im Nu nassgespritzt. Der Giraffe piekst Paul ins Bein, woraufhin seine Matrosenmütze durchgekaut wird und die Lamas verleitet er zum Spucken, indem er sie mit Steinen bewirft. Seine Mutter holt dauernd ihr Stofftaschentuch hervor und putzt den Jungen sauber.

Auf dem Nachhauseweg sieht Paul die anderen Kinder, wie sie Tiere streicheln, am Rücken kratzen und füttern. Dafür vollführen die Tiere für sie die tollsten Kunststücke, nur für Paul nicht. Wie gut, dass Paul am Straßenrand ein Kätzchen im Karton findet, sodass er den Umgang mit Tieren in seinen vier Wänden üben darf.

Rezension

Dieses amüsante Bilderbuch ist natürlich überzogen in der Darstellung. Hier wird nicht nur das Fehlverhalten des Kindes aufgezeigt, sondern auch ganz eindeutig die Kurzsichtigkeit der Mutter. Paul mag sich nicht an die Regeln im Zoo halten und testet seine Grenzen gezielt aus. Da die Mutter ausschließlich auf die Sauberkeit ihres Sprösslings bedacht ist, kommt er damit auch ganz gut durch, bis ihm schließlich die Tiere den Spiegel vors Gesicht halten und zurückschlagen.

Die Geschichte ist ein wunderbarer Anlass, um über das Regelverhalten im Zoo ins Gespräch zu kommen. Vor lauter Aufregung oder aus Langeweile kann es tatsächlich passieren, dass Kinder z.B. gegen Scheiben klopfen, laut rufen oder versuchen, ins Gehege zu greifen. Hier hilft die Erklärung, dass die Tiere sich dadurch erschrecken oder sich gestört fühlen, was sie erheblich unter Stress setzt. Es ist ratsam Kindern so früh wie möglich beizubringen, die Tiere nur aus der Ferne zu beobachten und sie sonst in Ruhe zu lassen.

Auch zum Thema „Tierefüttern“ sollte man sich vorab informieren, wo es erlaubt und wo grundsätzlich verboten ist. Schließlich geht es um das Wohl der Tiere. Der Zoo ist deren Zuhause und wir Besucher sind entsprechend Gäste, die sich auch so zu verhalten haben.

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Fazit

Regelverhalten im Zoo überspritzt und humorvoll dargestellt, untermauert mit wundervollen farbigen Illustrationen.

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Theodor Fontane und Antje Bohnstedt – Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland

Rezension

Die Ballade von Theodor Fontane gehört im vierten Schuljahr zum Kanon der gängigsten Gedichte in der Herbstzeit. Mit diesen Bildkarten, illustriert von Antje Bohnstedt, macht das Vortragen besonders viel Freude. Die Erzählkarten im DIN-A3-Format sind ansprechend gestaltet und durch die Darstellung mit dem Kamishibai, hat man die Aufmerksamkeit der Zuhörer schon sicher. Der Don Bosco Verlag bietet allerdings auch kleine Broschüren zum Gedicht an.

Der großherzige Herr von Ribbeck verschenkte in der Herbstzeit reife Birnen aus seinem Garten an Kinder – Jahr für Jahr. Nach dem Tod des alten Herrn übernahm sein knausriger Sohn das Erbe. Dieser behielt die Birnen lieber für sich. Vorausahnend hat sich Herr von Ribbeck jedoch eine Birne ins Grab legen lassen, sodass seit einigen Jahren dort nun ein Birnbaum wächst.

Dieses Gedicht handelt von Warmherzigkeit, der Freude zu teilen und ist über Generationen stets weiter getragen worden. Es sensibilisiert für das Thema „Erbe“, „Nachlass“ und „Hinterlassenschaft“, auch in Verbindung mit den „Früchten“ und hat aber auch „Verfall“ und den natürlichen Fortlauf des Lebens innerhalb des Zyklus der Jahreszeiten im Blick. Der Herbst steht als Sinnbild für den Kreislauf des Lebens, irdische Vergänglichkeit und den Wandel, mit der Botschaft „Nichts währt ewig“.

So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.

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Fazit

Ein Klassiker in einer besonders schönen Ausarbeitung!

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Ebi Naumann und Heike Herold – Das rote Ding

Rezension

Dieses Bilderbuch gehört zugegeben zu meinen persönlichen Highlights im Jahr 2019. „Das rote Ding“ feiert die menschliche Fantasie, wohlwissend dass sie auf Vorerfahrungen, Wünschen und Hoffnungen basiert. Es überzeugt durch zarte Illustrationen und einer vielschichtigen Sensibilität in der thematischen Umsetzung.

Der Betrachter sieht stets ein ähnliches Szenarium. Am Flussufer entdeckt die Protagonistin „ein rotes Ding“ und mutmaßt, was es sein könnte. Dicht unter der Wasseroberfläche treibt das rote Etwas und das Mädchen zeigt es allen, die vorbeikommen. Damit beginnt das Rätselraten und nimmt auch vom Format und Aufbau der Doppelseiten viel Raum ein. Der Fantasie und Vorstellungskraft wird viel Platz und damit auch ein erhebliches Maß an Bedeutung zugestanden.

Nanu! Da schwimmt was – rot und klein.
Sieht aus wie `n Ball! Nein, warte mal.
Könnt`es nicht riesengroß auch sein?
Ich wünschte mir, es wär ein …

Der Vierzeiler ist auf jeder Doppelseite als Kreuzreim formuliert. Beim Rätselraten helfen die Bilder, auch wenn hin und wieder Kinder nicht gleich auf das richtige Wort kommen. Glücklicherweise gibt es keine Auflösung auf der darauffolgenden Seite. Denn darauf kommt es in diesem Buch auch nicht an. Es zählt alleine der Türöffner „Fantasie“, eine Fähigkeit die Inhalte zu neuen Vorstellungen zu verknüpfen und sich dies in Gedanken auszumalen.

Jeder sieht etwas anderes in das schwimmende rote Ding hinein und verrät dadurch auch immer etwas über sich. Der Gärtner ist sich sicher, dass es sich um eine Blüte handeln muss, während spielende Kinder voller Überzeugung meinen, dass es nur ein Drache sein kann. Das Rätsel bleibt bis zum Ende ungelöst.

Es überrascht mich keineswegs, dass Heike Herold mit dem fantasievollen Ratespiel-Bilderbuch 2016 auch die Jury des Troisdorfer Bilderbuchstipendiums beeindruckt hat. Passend dazu findet sich subtil der Ausspruch „Ignoramus et ignorabimus“ des Physiologen Emil Heinrich Du Bois-Reymond auf einem Sockel eingraviert, der als Ausdruck der Skepsis gegenüber den Erklärungsansprüchen der Naturwissenschaften bekannt geworden ist und nichts anders meint als: „Wir wissen es nicht und werden es auch nie wissen“.

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Unweigerlich musste ich an den roten Punkt von Paul Klee denken. Bei dieser Unterrichtseinheit wird das Bildelement des roten Punktes  in einen neuen Zusammenhang eingebettet. Damit kann das Versteckspiel und auch die Suchreise nach dem roten Punkt beginnen. Eindrücke von möglichen Schülerarbeiten finden sich auf der Seite von „Kunstgalerie: Der rote Hahn“.

Doch was wäre passender als Kindern die Gelegenheit zu geben, die Hälfte ihres treibenden roten Dings selbst zu vervollständigen? Ich bin mir sicher, dass man viel über den Menschen, seine Träume, Wünsche und Fantasien erfährt.

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Fazit

Willkommen in der Welt der fabelhaften Fantasie!

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Johanna Lindemann – Die schönste Laterne der Welt

Rezension

Es war Anfang November. Die letzten Blätter segelten von den Bäumen. Draußen wurde es wieder früher dunkel. Seit Tagen freute sich Anton auf den Laternenumzug in seinem Kindergarten.

Im Jahreszeitenkreis ist der Laternenumzug für Kinder ein bedeutendes Ereignis. Damit geht eine besondere heimelige Atmosphäre einher, die Menschen zusammen bringt und Gemeinschaft in den Mittelpunkt stellt. Auch Antons Herz hüpft vor Aufregung und Vorfreude. Doch leider geht beim Laternenbasteln alles Erdenkliche schief. Zuerst kommt sein Papa zu spät. Als wäre das nicht schon Enttäuschung genug, misslingt auch noch die eigentliche Laterne und sieht eher nach einem „Monsterfanten“ aus. Auf dem Nachhauseweg klemmt diese schließlich in der Autotür ein.

Auch beim Laternenumzug will die Pechsträhne nicht abreißen. Antons Laterne landet letztlich in der Pfütze. Sein Vater nimmt seinen bitterlich weinenden Sohn aus der Menschenmenge heraus und versucht ihn auf einer Bank zu trösten. Ein Mann, der ebenfalls auf der Bank sitzt, bemerkt den Klumpen in Antons Händen, trinkt den letzten Schluck aus seiner Dose aus und zieht ein Taschenmesser aus seiner Jacke.

Johanna Lindemann gelingt es in diesem Bilderbuch ein sehr authentisches Bild der heutigen Welt aufzuzeigen. Der anscheinend alleinerziehende Vater ist gestresst und kann sich kaum auf die Bastelaktion mit seinem Sohn freuen. Er gibt sein Bestes und kann sich doch nicht teilen. Den inneren Konflikt spürt auch der Sohn, ein Netz aus Moral und Loyalität, Sympathie und Authentizität. Die Autorin entführt den Leser in eine sehr lebhafte Innenwelt des jungen Protagonisten, sodass man sehr schnell Mitgefühl entwickelt.

Das religiöse Fest rund um den heiligen „Sankt Martin“ wird in „Die schönste Laterne der Welt“ herunter gebrochen und bindet jeden Weltbürger ein. Die Botschaft dieser Geschichte zeigt, dass jeder zum „Martin“ werden kann, indem er die Augen offen hält, auf Menschen zugeht, mithilft, anpackt, Nächstenliebe zeigt und mit den anderen „Licht“ und ein „Lächeln“ teilt.

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Fazit

Authentisch – ehrlich – herzöffnend

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