Jochen Weeber und Fariba Gholizadeh – Henrietta spürt den Wind

Henriettas Lieblingsbeschäftigung in ihrer Freizeit ist das Computerspielen. Ihre Eltern kommen erst spätabends nach Hause. Sie ist viel alleine. Eines Tages landet ein Ball auf Henriettas feuriger Haarpracht. Die drei verantwortlichen Kinder starren auf den Bildschirm und erkundigen sich, was sie da tagein tagaus am Computer macht. Begeistert erklärt sie ihnen, dass sie Spinnen, Käfer und Frösche fängt.

Sie freundet sich mit den drei Kindern an und verabredet sich mit ihnen zum Spielen – DRAUßEN! Die Sonne schneit warm auf ihre Haut. Sie steckt sich Löwenzahn ins Haar, klettert auf Bäumen und johlt wie Indianer. Im kleinen Tümpel zeigen die Freunde Henrietta Kaulquappen und sie beobachten gemeinsam Frösche. Für einen kurzen Moment schließt sie die Augen und spürt den Wind leise durch die Bäume streichen.

Dieses Bilderbuch ist eine Liebeserklärung an die Wunder der Natur. Gleichzeitig verdeutlicht es die Entwicklung der heutigen Zeit viel zu viel Zeit am Computer oder Smartphone zu verbringen. Das leuchtend rote Haar der Protagonistin bildet einen auf­fälligen Kontrast zur blassen Welt des Digitalen. Die Kinder zeigen Henrietta wie wunderbar es ist die Umwelt selbst zu entdecken. Hier werden alle Sinne angesprochen und gemeinsam macht die Erkundung viel mehr Spaß. Es ist eine Waage zwischen „drinnen“ und „draußen, zwischen „digital“ und „in echt“.

Henrietta gelingt es ihrer Routine zu entfliehen, Hindernisse zu überwinden, indem sie sich dem Neuen gegenüber offen und mutig zeigt. Und genau dafür wird sie belohnt. Diese Szene von Henrietta im Wald mit einem Frosch in der Hand, mit geschlossenen Augen und dem wehenden Haar ist sehr rührend und zaubert Gänsehaut zugleich. Diese Illustrationen agieren als wirkungsvolle graphische Inszenierungen, die auch komplexe, oft kaum bewusste Zustände und Erfahrungen in anschauliche Bilder zu fassen wissen.

Eine wunderbare Geschichte über das Fühlen und Entdecken der Natur und die Schönheit der Freundschaft.

bei amazon.de

Merken

Werner Holzwarth und Stefanie Jeschke – Guck mal, wie die gucken!

Eine Familie mit zwei Kindern macht einen Tagesausflug in den Zoo. Besonders die Affen werden voller Neugierde bestaunt. Manche Verhaltensweisen sind auf den Menschen schnell zu übertragen. Es wird gepopelt und gekratzt. Dem Mädchen fällt auf, dass ein älterer Affe graue Haare bekommt, so wie ihr Vater auch. Der Bauch sieht nach einem Trommelbauch aus, so wie beim eigenen Papa auch. Und als der Zoo schließt, sind nicht nur die Menschen traurig. Auch die Affen haben hinter Gittern ganz viel an den Zoobesuchern zu bestaunen.

Dieses Bilderbuch mit den  farbenfrohen Illustrationen von Stefanie Jeschke hat einen humorvollen Twist zum Ende der Geschichte. Hier findet ein Perspektivwechsel statt, der Kindern erklärt werden muss. Nachdem die Familie die Affen  genau beobachtet hat, kommen die Affen als Beobachter zu Wort und müssen feststellen „Wie gut, dass die hinter Gittern sind.“ Dabei sieht der Leser die beiden Kinder vor den Gittern Grimassen schneiden und brüllen, während die Affenfamilie seelenruhig die Zoobesucher bestaunt.

Die Thematik lässt sich wunderbar im Sachunterricht aufgreifen. Zum Schwerpunkt „Evolution“ können Vergleiche zur Entwicklung vom Affen zum Menschen gezogen werden. Dieses Bilderbuch ist ein motivierender und lustiger Aufhänger dafür, auch in den Klassen 3-4.

Angesichts der fundamentalen Bedeutung des Evolutionsverständnisses für die Entwicklung eines zeitgemäßen Weltbildes ist es befremdlich, dass Kinder in der Grundschule so wenig über dieses Thema erfahren – zumal im Unterricht oftmals Schöpfungsmythen behandelt werden, die ohne Vorwissen zur Evolution leicht fehlgedeutet werden können. Pädagogisch ist dies nicht zu rechtfertigen. Schließlich sollen öffentliche Schulen ihre Schülerinnen und Schüler nicht einseitig im Sinne einer bestimmten Religion oder Weltanschauung beeinflussen, sondern ihnen Zugang zu den zentralen Erkenntnissen der Wissenschaft ermöglichen! Aus bildungspolitischer Sicht ist es daher zwingend geboten, die „Tatsache Evolution“ im Unterricht sehr viel früher und umfassender zu behandeln, als dies in aktuellen Lehrplänen vorgesehen ist. (https://evokids.de/content/resolution-evolution-grundschule)

Humorvolles Bilderbuch mit spannenden Anhaltspunkten zur Vertiefung!

bei amazon.de

Merken

Merken

Merken

Steve Smallman – Ein Zebra als Ehrengast

Zebra erhält von seiner Königlichen Hoheit eine schmeichelnde Einladung als Ehrengast zum Festmahl. Während Zebra ganz aus dem Häuschen ist, wird sein Freund Elefant skeptisch und vermutet, dass hinter der Einladung eine böse List steckt. Er versucht das Zebra mit jeglichen Ablenkungen von der Feier fernzuhalten. Das Zebra unterstellt dem Freund allerdings Neid und Missgunst. Wer erweist sich als klüger?

Das Thema „Freundschaft“ spielt in diesem Bilderbuch voller großformatiger, farbenfroher Illustrationen eine große Rolle. Es geht um Konkurrenzdenken, Intelligenz, Überheblichkeit, Neid, Gemeinheiten aber auch um Fürsorge und Hilfsbereitschaft. Es sind Themenbereiche aus der kindlichen Lebenswelt.

Pädagogisch wertvoll ist der Ausgang der Geschichte. Hier zeigt das Tier Mut und bedankt sich für die Hilfe und entschuldigt sich auch für sein Fehlverhalten. Es benennt genau, wofür es sich entschuldigt. Das ist oft ein weiterer Schritt in der Konfliktlösung, der vielen Kindern schwer fällt.

Am Ende des Bilderbuchs wurde die Seite „Nächste Schritte“ mit Vorschlägen für die Arbeit mit Kindern angeschlossen. Hier gibt es sämtliche Anregungen wie die Weiterarbeit mit dem Bilderbuch aussehen kann. Kinder werden zum Nachdenken angeregt, dürfen sich in die Gefühlslage der Beteiligten hineinversetzen. Konkrete Fragen sollen die Merkfähigkeit der Kinder fördern. Hier wird nach bestimmten Begrifflichkeiten gefragt und vor allem nach dem „Warum?“. Die Kinder erhalten die Gelegenheit sich eine Meinung zu bilden und diese auch zu begründen.

Eine Botschaft – zwei Interpretationen: Die Fähigkeit zwischen den Zeilen zu lesen

bei amazon.de*

Bo-hyeon Seo und Jeong-hyeon Sohn – Das Geheimnis des Mondes

Das Geheimnis des Mondes

Eines späten Abends besingt die kleine Eule den tellerrunden Mond. Als der Fuchs das Ständchen hört, kommt er aus seinem Bau gekrochen und bekundet, dass der Mond doch wie ein etwas ausgelassener Ball aussieht. Diese Erkenntnis unterstützt er mit einer wichtigtuerischen Geste. Das Wildschwein meint jedoch es noch besser zu wissen und verrät, dass der Mond die Form einer geviertelten Melone hat. Der Bär aus dem Dickicht glaubt seinen Ohren nicht und trommelt rechthaberisch, während er behauptet, dass der Mond wie ein gebogenes schmales Blatt aussieht. Das habe er unlängst gesehen!

Die kleine Eule ist verwirrt. Alle Tiere bleiben bei ihrer Meinung und so entfacht ein Wortgefecht. Da kommt der Storch angeflogen und erzählt, dass er den Mond in all den geschilderten Formen schon einmal gesehen hat. Und so beschließen sie die Nacht über wach zu bleiben, um sich selbst ein Bild davon zu machen.

Die Wandlungsfähigkeit des Mondes steht im Fokus dieses Sachbilderbuchs. Aber auch das Thema Rechthaberei und „Richtig-oder-falsch“ sind amüsante Ergänzungen, die die Geschichte lesenswert machen. Als Auflösung hätte ich mir jedoch aus pädagogischer Sicht eine andere Aufklärung gewünscht. Statt den Mond als allwissendes Wesen auftreten zu lassen, das die Tiere trichterförmig belehrt, hätte ich mir persönlich gewünscht, dass die Tiere durch ihre Beobachtungsgabe und eine evtl. Aufteilung der Nachtdienste mithilfe einer Liste auf die Lösung kommen. Hier wäre der Fokus auf entdeckendes Lernen sehr spannend gewesen und würde die Natur des kindlichen Lernens unterstützen.

Im hinteren Teil des Buches wurden wissenschaftliche Erkenntnisse zu den verschiedenen Gestalten des Mondes zusammengefasst: „Vollmond“, „Neumond“ und „zunehmendem bzw. abnehmendem Halbmond“. Mithilfe von Abbildungen wird versucht diese Verwandlung kindgerecht zu verdeutlichen. Ferner wurden vier Kinderfragen inkludiert und ausführlich beantwortet. Hier geht es unter anderem um die Frage warum der Mond tagsüber nicht sichtbar ist oder so gefleckt aussieht.

Das Geheimnis des Mondes

Der Mond in seinen verschiedenen Gestalten.

bei amazon.de*

Merken

Merken

Merken

Merken

Antony Penrose – Als Miró die Tiere neu erfand

Als Miró die Tiere neu erfand - Kunst Grundschule

Die Eltern des Autors waren mit dem Künstler Joan Miró befreundet. Oft verbrachte er einige Tage auf dem Hof seiner Freunde, wo ihn der kleine Tony kennen lernte. Der bekannte Künstler wird in diesem Sachbuch „Als Miró die Tiere neu erfand“ aus der Sicht des kleinen Jungen beschrieben. So ist ein ungewöhnliches Porträt entstanden, mit privaten Einblicken von intimen Momenten. Fotografien aus dem Familienalbum zeigen den bekannten Künstler in entspannten Momenten unter Freunden. Der Eintrag im Gästebuch ist unverkennbar Mirós Handschrift.

Dem Jungen fiel schon bald auf, dass Miró seine Umwelt ganz genau beobachtete, vor allem die Tiere auf dem Hof. Auch Zoobesuche unternahmen die befreundeten Familien, wo Miró sich ebenfalls inspirieren ließ. Hier und da finden sich miró-ähnliche Tiere, gemalt von Kindern, im Buch wider. Mal ist eine Bleistiftskizze, mal ein doppelseitiges Gemälde. Die Kinderkunst wird mit den Werken des großen Künstlers gleich gestellt. Gleichzeitig betont Tony, dass Miró stets die Augen offen hielt und mit der Neugierde und Unverfänglichkeit eines Kindes malte.

Joan Miró Surrealismus

Intime Einblicke in das Privatleben eines Künstlers.

bei amazon.de*

Merken

Merken

Anne-Sophie Baumann und Didier Balicevic – Mein großes Buch der Fahrzeuge

Mein großes Buch der Fahrzeuge

Das überdimensionale Pappbilderbuch richtet sich an alle Transportmittel-Begeisterte und animiert zum Schieben, Klappen und Drehen. Dabei werden Fahrzeuge, die als Abriss- und Baumaschinen genutzt werden oder auch ihren Einsatz in der Landwirtschaft finden, abgebildet. Vielfältige Fahrzeuge finden sich auch in der Stadtreinigung wieder. Wer hätte gedacht, dass es so etwas wie einen „Roller zur Entsorgung von Hundekot“ gibt?

Neben den Fahrzeugen wird stets die jeweilige Bezeichnung abgebildet, sodass der Wortschatz sehr differenziert erweitert wird. Dabei ist es mithilfe der Klappen auch ganz spannend zu sehen, wie z.B. ein Mähdrescher von innen aussieht. Hier werden Einblicke gewährt, die einem sonst verwehrt bleiben. Den Rettungsfahrzeugen der Feuerwehr wird eine Doppelseite gewidmet, genauso wie Transportmitteln für den Seeweg, die Luft und sogar den Weltraum. Hier gibt es viel zu entdecken und zu erleben.

Im Sachunterricht kann das Pappbilderbuch z.B. als Nachschlagewerk zum Thema „Fahrzeuge mit Antrieb“ dienen. Der Friedrich Verlag bietet dazu einen spannenden Auszug mit genauer Anleitung an: „Mein Fahrzeug fährt am besten!“ Im Kunstunterricht können die Fahrzeuge entsprechend kreativ ausgestaltet werden. Auch hier kann das Buch als Inspirationsquelle genutzt werden.

Mein großes Buch der Fahrzeuge

Die Vielfalt der Fahrzeuge auf einen Blick.

bei amazon.de*

Caroline Nastro und Vanya Nastanlieva – Der kleine Bär möchte schlafen

Der kleine Bär möchte schlafen

Das kleine Bärenkind kann in diesem Winter einfach nicht schlafen. Also kriecht es aus der Höhle und tapst hinaus aus dem Wald in die große Stadt, die niemals schläft. In New York besucht der kleine Bär die berühmte Freiheitsstatue und schaut sich im Metropolitan Museum die Bilder von Jackson Pollock an. Nach und nach beginnt das Tier müde zu werden und versucht einen Schlafplatz im Naturhistorischen Museum zu finden. Doch ein Wächter betont, dass der Bär hier nicht bleiben kann. Auch aus dem Central Park wird er fortgescheucht. Irgendwann tapst der Bär zurück zu seiner Höhle und findet seinen tiefen Schlaf – im Hintergrund nur die leisen Geräusche des Winters.

Dieses Bilderbuch rund um einen Bären, der statt Winterschlaf zu halten, lieber die turbulente Stadt NY erkundet, lebt von den wunderbaren Bildern der bulgarischen Illustratorin. Sie schafft es eine wundervolle Winterlandschaft zu zaubern. Beim letzten Bild, wo der Bär mit seiner Freiheitsstatue ähnelnden Kopfbedeckung einschläft, hört man regelrecht „die leisen Geräusche des Winters“. Die Schneeflocken sausen durch die Luft und der Wind treibt sie liebevoll voran.  Hier wird eine Stimmung kreiert, die dazu einlädt es sich im warmen Zuhause gemütlich zu machen und das Schneegestöber aus dem Fenster zu beobachten.

Die Autorin offenbart ihre Liebe zur Großstadt New York und lässt den kleinen Bären all die berühmten Sehenswürdigkeiten hautnah erleben. Dabei ist der kleine Bär nie allein. Begleitet wird er auf jedem Bild von einem kleinen Vogel, der über ihn wacht. Auch sein gestreiftes Kissen hat das Tier jederzeit dabei.

Es lassen sich thematische Anker rund um „Winterschlaf, Winterruhe und Winterstarre“ setzen. Auch das Kunstwerk von Jackson Pollock ist es wert genauer einen Blick auf seinen Stil zu werfen.

Der kleine Bär möchte schlafen

Eine Hommage an die Großstadt New York mit zauberhaften Bildern vom winterumhüllten Wald.

bei amazon.de*