Dagmar Geisler – Mein Körper gehört mir!

Rezension

Das Präventions- und Selbstbehauptungskonzept „Mein Körper gehört mir!“ hält regelmäßig Einzug in Grundschulen, um Kinder zu sensibilisieren und zu stärken.

Die eigenen Gefühle wahrzunehmen, „Nein“ zu sagen und eventuelle unangenehme Berührungen abzuwehren, ist nicht einfach. Selbstbewussten Kindern fällt es oft leichter, klar und deutlich zu sagen, was sie mögen und was sie nicht mögen. Deshalb ist es für alle Kinder bedeutend, sich ihrer Gefühle und ihres Körpers bewusst zu werden. Denn nur so können sie Grenzen für sich und für andere setzen.

Dieses Bilderbuch in der Jubiläumsausgabe gibt mit seinen klaren Bildern und dem einfachen Text Anregungen zum Gespräch und zum Nachdenken über das Thema „sexuelle Grenzüberschreitung und Missbrauch“. Dagmar Geisler zeigt zeichnerische Darstellungen, die abwechselnd voller Trubel sind oder mit ruhigen Situationen versehen, Berührungen zeigen.

Einige sind angenehm, wie z.B. das gegenseitige Kitzeln mit Freunden, andere weniger, wenn beispielsweise ein Erwachsener zu doll kitzelt. Ein Schlabberkuss gehört in die Kategorie „unangenehm“, sei es vom Hund oder von der Patentante. Ein zu festes Halten, kann ein Gefühl der Enge erzeugen. Die Bandbreite der dargestellten Situationen ist vielschichtig und unabhängig vom Geschlecht und Alter der Beteiligten.

Die selbstbewusste Protagonistin Clara macht es im Bilderbuch den Lesern vor und zeigt mit ihrer Körpersprache und der eindeutigen Äußerung „Ich will es nicht!“, dass sie bei manchen Berührungen ein „Nein-Gefühl“ spürt.

Denn ich allein bestimme, von wem und wann ich berührt werden möchte. Und du auch.

Hier verändert sich die Ansprache, sodass aus einem „Ich“ der Protagonistin ein verallgemeinerndes „Du“ wird. Die Botschaft macht sich ab diesem Zeitpunkt auf den Weg. Weiterhin werden Kinder bestärkt sich Hilfe holen zu dürfen. Schließlich hat jeder nicht nur das Recht, sondern die Verpflichtung auf das körperliche und seelische Wohl zu achten. In der Jubiläumsausgabe liegt eine Körperlandkarte bei. Hier ist der Umriss eines Körpers abgebildet, der dazu einlädt dem Körper Beachtung zu schenken, um sich besser kennen und lieben zu lernen.

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Fazit

Der Verunsicherung entgegen wirken – Kinder stärken und Mut machen!

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Tanja Székessy – Mio war da!

Rezension

Das abenteuerlustige Stoffkuscheltier der Klasse 1d geht gerne auf Reisen – am liebsten besucht es die Kinder zu Hause. Mio ist ein Pinguin und ein fester Bestandteil der Klassengemeinschaft. Er darf bei jeder Familie einmal übernachten und bekommt so einen ehrlichen Einblick in die verschiedensten Familienkonstellationen, Tagesabläufe und Umgangsformen.

Bei jedem der vierzehn Kinder der Grundschulklasse sieht es anders aus. Bei Helene wird viel gesungen und gelacht. Auch die jüngere Schwester gesellt sich zum Spielen dazu. Julis Mutter lässt ihre Tochter Hausaufgaben machen, obwohl sie gar keine aufhatte. Je mehr die Mutter redet, desto schweigsamer wird das Kind.

Lustig war noch, dass Juli dann doch noch gesprochen hat, aber das war im Schlaf, also zählt das vielleicht nicht.

Marlon trainiert viel und boxt in seinem Zimmer. Seine Eltern hat Mio nie kennen gelernt. Bei Mayla geht es turbulent zu, denn die Großfamilie hält Einzug. Zwar wurde Mio im Schulranzen vergessen, aber er konnte trotzdem prima die richtig vielen Stimmen hören.

Die Berliner Autorin Tanja Székessy greift ein sehr intimes und sensibles Thema auf: Eine bisher in der Bücherlandschaft recht unberührte Thematik, obwohl das Konzept der reisenden Klassenmaskottchen häufig praktiziert wird. Das Klassentier ist ein unvoreingenommener Beobachter, der keine explizite Wertung abgibt. Er beobachtet, beschreibt und nimmt wahr.

Die dargestellten Situationen sind oft unbeschönigt, vielfältig und lassen den Betrachter oft staunend zurück. Erstaunlicherweise kommt man auch als Leser selten zum Bewerten, sondern fühlt Dankbarkeit, dass die Türen in die intime Privatsphäre geöffnet wurden. Jede Familie kämpft mit den unterschiedlichsten Begebenheiten. Mal sind die Eltern berufstätig und geben die Kindererziehung an Großeltern ab, mal sind sie besonders fordernd und verlangen den Kindern entsprechend viel ab oder überlassen sie sich selbst, aus welchen Gründen auch immer.

Nicht minder erwähnenswert sind die Illustrationen des Bilderbuchs. Die formatfüllenden Abbildungen auf der rechten Seite fangen die Stimmung außergewöhnlich gut ein. Das schattige Zimmer bei Hugo zeigt einen Jungen, der sich in Videospielen verliert. Neben ihm hängt ein Poster von „Darth Vader“. Im Hintergrund streiten sich die Eltern lautstark, sodass die unterschwellige Verknüpfung schnell einleuchtend erscheint.

Dieses Bilderbuch braucht Freiräume zum Austausch. Hier und da ist eine bestimmte „Schwere“ zu verzeichnen. Allerdings und dessen muss man sich bewusst sein, ist es für viele Kinder Realität. Ich bin mir sicher, dass viele Kinder sich in den Konstellationen hier und da wiedererkennen und sich persönlich angesprochen fühlen werden. Bei manchen ist es sicherlich auch eine Kombination.

 

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Fazit

Pädagogisch wertvoll!

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Peter Tschaikowsky – Schwanensee: Ein Musik-Bilderbuch zum Hören

Rezension

„Schwanensee“ von Peter Taschaikowsky gehört zu den schönsten und einprägsamsten Stücken der klassischen Musik. Die Reihe „Musik-Bilderbücher“ aus dem Prestel Verlag widmet sich fabelhaft illustrierten Bilderbüchern, die per Knopfdruck eine kurze Sequenz abspielen.

Hier steht die berühmte Geschichte rund um die verwunschene Prinzessin Odette, die vom bösen Zauberer Rotbart in einen Schwan verwandelt wurde im Mittelpunkt. Die Illustratorin Jessica Courtney-Tickle schafft mit ihren zauberhaften Illustrationen den entsprechenden Rahmen, um das Ballettstück in märchenhafte Farben mit den glitzernden Mondscheinen gekonnt und dem Stück würdig in Szene zu setzen. Es gelingt ihr den Betrachter mit auf eine Reise zu nehmen, die Kinder hoffentlich so schnell nicht wieder loslässt und für klassische Kunst lebenslang begeistert.

Das Bilderbuch führt Kinder ab fünf Jahren in die Magie der Musik Tschaikowskys ein: Bei der Berührung des Notensymbols erklingen die bekanntesten Melodien in hervorragender Klangqualität passend zum Bild. Hier sind zum Teil mehrere Versuche und etwas mehr Druck nötig, um die ca. 10 Sekunden langen Stücke erklingen zu lassen. Sachinformationen, wie z.B. ein kurzer Lebenslauf zum russischen Komponisten im Anhang runden diesen magischen und märchenhaften Zauber ab.

Besonders gut gefällt mir die spielerische Schnitzeljagd am Ende des Musik-Bilderbuchs, in der es darum geht die gehörten Melodien den entsprechenden Stellen in der Geschichte zuzuordnen. Ein kurzer Begleittext erklärt die Gefühlslage des Akts, geht auf die Instrumente genauer ein und zeigt auf, dass Streicher weiche und lange Noten spielen, deren Tonlage ansteigt, um zu verdeutlichen, wie sehr sich das Paar liebt.

 

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Fazit

Fabelhaftes Musik-Bilderbuch zum Hören und Genießen

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Marcy Campbell und Corinna Luyken – Adrian hat gar kein Pferd

Rezension

Adrian sitzt in der Schule und träumt vor sich hin. Jedem, der ihm begegnet, erzählt er, dass er ein Pferd hat. Die Protagonistin beobachtet Adrian sehr genau und stellt fest, dass es sich um eine Lüge handeln muss. Wie soll er sich um ein Pferd kümmern, wenn er in der Schule nicht einmal seinen Platz aufräumen kann? Er bringt außerdem ein Butterbrot in die Schule, weil er kein Geld hat, sich etwas zu kaufen. Also schreit Zoe auf dem Schulhof los:

Er lügt. Adrian Simmer hat gar kein Pferd.

Bei einem Spaziergang mit ihrem Hund, trifft sie eines Tages auf Adrian vor dem kleinsten Haus, das sie je gesehen hat. Er erzählt ihr wieder von seinem Pferd mit weißem Fell, einer goldenen Mähne… und plötzlich muss das Mädchen zugeben, dass Adrian einfach die beeindruckendste Fantasie von allen Kindern der Schule hat.

Dieses rührende Bilderbuch stellt ein Talent heraus, das ans Herz geht, vor allem wenn man bedenkt, aus welchen Verhältnissen Adrian zu stammen scheint. In manchen Situationen im Leben träumt man sich am liebsten weg, in eine fantasievolle Welt, in der alles möglich ist. Auch wenn es Adrian sonst nicht leicht hat. Er vermag es gekonnt seine Zuhörer durch seine lebendigen und ausschmückenden Erzählungen mitzureißen und zwar so glaubhaft, dass jeder ihm die Geschichte vom Pferd abkauft.

Umso erfreulicher ist, dass Zoe sein Talent und seine gewaltige Vorstellungskraft schließlich anerkennt. Die Wut verpufft und es bleiben Mitgefühl und Anerkennung. Auffallend sind die farbreduzierten Illustrationen von Corinna Luyken, die gezielt die letzte Doppelseite dem Pferd widmet, welches nur schemenhaft zu deuten ist. Es bleibt ausreichend Platz für die persönliche Imagination, die die Lücken zu füllen vermag. Und tun wir das nicht auch bei jeglichen Geschichten und Erzählungen? Die Autoren bereiten für uns den Rahmen vor, lebendig wird der Inhalt doch erst in unseren Köpfen.

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Fazit

Ein Hoch auf die menschliche Vorstellungskraft und die Kunst zu träumen!

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Dagmar Geisler – Was, wenn Eltern auseinandergehen?

Rezension

Es ist nicht so leicht, einen Anfang zu finden, um über diese Dinge zu reden.

Eine „Trennung“ oder „Scheidung“ kommt vor. Das tut allen Beteiligten weh und macht vielen Kindern Angst. Dagmar Geisler geht dieses Thema ganz behutsam an und pflanzt den inhaltlichen Samen in eine Kindergartengruppe, in der Marie den anderen Kindern erzählt, dass die Eltern ihrer Freundin sich scheiden lassen wollen. Es folgt ein spannender Austausch aus Kindersicht.

Auf der Metaebene wird zwischendurch erklärend eingestreut, dass die Liebe zwischen Mutter und Vater vergehen kann. Es wird glücklicherweise ein Unterschied zur Bindung zum Kind gemacht. Diese Art der Liebe bleibt für immer bestehen. Es wird kindgerecht der Weg bis zum schlussendlichen Auseinandergehen gezeigt.

Manchmal sitzen sie bloß da.

Manchmal weinen sie.

Manchmal streiten sie und manchmal fährt einer plötzlich weg…

Einige Kindergartenkinder werfen ein, dass deren Eltern sich auch streiten, was natürlich Angst schürt. Erfreulich ist, dass ein anderes Kind deutlich macht, dass Streit in Ordnung ist, solange sie sich vertragen. Für alle Beteiligten hilft in so einer Situation zu reden. Schließlich werden auch positive Entwicklungen aufgezeigt, die so eine Trennung mit sich bringen kann. Hier gibt es verschiedene Wege, sei es eine neue Familienkonstellation in einem Patchwork-Rahmen oder der nun wieder fröhliche Vater mit einer neuen Freundin.

Pädagogisch sinnvoll ist die Idee zum konkreten Umgang mit den Ängsten und Sorgen in Form eines „Wunschzettels“. Auch wenn die Wünsche womöglich gar nicht in Erfüllung gehen, sie sind zunächst raus und das alleine erleichtert schon ungemein. Hier wird eine Gesprächskultur forciert, die ermöglicht angstfrei und sachlich über das sensible Thema zu sprechen. Ein offener Umgang erleichtert auch Kindern die Verarbeitung und fängt sie in diesem neuen Lebensabschnitt auf.

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Fazit

Eine offene Gesprächskultur hilft, mit den Gefühlen zurecht zu kommen.

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Kathrin Rohmann – Glückstage unterm Apfelbaum

Rezension

Das Vorlesebuch „Glückstage unterm Apfelbaum“ gliedert sich in 28 Vorlesekapitel, die zwischen 4-6 Seiten umfassen. Pro Kapitel kann eine Vorlesezeit von ca. 5 Minuten eingeplant werden. Damit eignet sich das Buch perfekt für die abendlichen Vorlesestunden für Kinder ab 5 Jahren oder auch als Vorlesebuch in den Frühstückspausen der Schuleingangsphase. Die Kapitel sind zwar in sich abgeschlossen, bauen aber trotzdem aufeinander auf.

Die siebenjährige Minna ist die Protagonistin und strotzt nur so vor abenteuerlichen Einfällen. Auch vor Fantasiewesen macht ihre Kreativität keinen Halt. So taucht eines Nachts Willi im Ruderboot auf, der liebend gerne Puffer-Inseln sammelt. Es versteht sich von selbst, dass Minna hier helfen muss und geschwind Kartoffelpuffer aus der Küche holt. Unter dem Apfelbaum begegnet Minna dem Botaniker Fritz Glück und lässt sich in die Pflanzenkunde einweisen. Minnas Welt ist wirklich voll von fantasievollen Gestalten, die jeden Tag zu einem kleinen Abenteuer machen.

Es sind insgesamt gemächliche und ruhige, wenig temporeiche oder verwobene Geschichten, die stets die Umwelt einbinden und den gewöhnlichen Alltag eines Kindes. Zu den Schauplätzen gehört die Schule, der Freundeskreis und die Ferien bei der Oma. Zur Ferienabfahrt gehört die gewöhnliche Hektik des Packens genauso dazu wie die Vorfreude auf Omas Geruch nach Blumenerde, Kaffee und Brot dazu. Auch wenn Minna Irmelin und Bodo als Freunde hat, ist es thematisch eher ein Vorlesebuch für Mädchen. Einhorn-Liebhaber kommen hier auf ihre Kosten und das pädagogisch wertvolle Postkarten-Schreiben findet ebenfalls Erwähnung.

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Fazit

„Glückstage unterm Apfelbaum – Geschichten von Minna“ lädt zum Träumen ein, beindruckt durch Einfachheit in der Gestaltung und beschert Leseglück für die ganze Familie.

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Sanderijn van der Doef & Marian Latour – Vom Liebhaben und Kinderkriegen

Rezension

Dieses Aufklärungsbuch richtet sich an Fünf- bis Siebenjährige mit ihren ersten Fragen zur Sexualität und Liebe. Es ist schon fast zum Klassiker in dieser Sparte avanciert. Kinder begegnen den Themen „Liebe und Liebhaben“ schon sehr früh und fragen sich natürlich wo sie eigentlich her kommen. Darauf aufbauend, erlebt man öfter, dass sie anschließend wissen möchten, wie sie denn nun in den Bauch der Mutter überhaupt kamen. Dieses Sachbuch ist für Eltern eine erste Hilfe sich an das Thema gemeinsam heranzutasten.

Der Themenbereich „Gefühle“ nimmt hier im Buch sehr viel Platz ein. Es geht um Freundschaft und um das Verliebtsein und mit welchen Gedanken und körperlichen Reaktionen dieses Gefühl einhergeht. Die körperlichen Veränderungen in Bezug auf Pubertät werden kurz angerissen und die Geschlechterrolle kurz geklärt, bevor auf das Thema „Liebe machen“ eingegangen wird. Amüsant ist, dass ein Exkurs in die Tierwelt eingeworfen wurde, um das Natürliche der Sache aus der biologischen Sicht zu unterstreichen. Schwangerschaft und Geburt runden das Buch thematisch ab. Der Sachtext ist sehr kindgerecht, verständlich und prägnant nüchtern. Die Illustrationen sind vereinfacht, nachvollziehbar und zurückhaltend. Es hat schon fast so ein seidenes Schutztuch inne, das das sensible Thema zwar offen aber auch gleichzeitig behutsam behandelt.

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Fazit

Das  Aufklärungsbuch für jüngere Kinder mit behutsamer Herangehensweise

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