Marcy Campbell und Corinna Luyken – Adrian hat gar kein Pferd

Rezension

Adrian sitzt in der Schule und träumt vor sich hin. Jedem, der ihm begegnet, erzählt er, dass er ein Pferd hat. Die Protagonistin beobachtet Adrian sehr genau und stellt fest, dass es sich um eine Lüge handeln muss. Wie soll er sich um ein Pferd kümmern, wenn er in der Schule nicht einmal seinen Platz aufräumen kann? Er bringt außerdem ein Butterbrot in die Schule, weil er kein Geld hat, sich etwas zu kaufen. Also schreit Zoe auf dem Schulhof los:

Er lügt. Adrian Simmer hat gar kein Pferd.

Bei einem Spaziergang mit ihrem Hund, trifft sie eines Tages auf Adrian vor dem kleinsten Haus, das sie je gesehen hat. Er erzählt ihr wieder von seinem Pferd mit weißem Fell, einer goldenen Mähne… und plötzlich muss das Mädchen zugeben, dass Adrian einfach die beeindruckendste Fantasie von allen Kindern der Schule hat.

Dieses rührende Bilderbuch stellt ein Talent heraus, das ans Herz geht, vor allem wenn man bedenkt, aus welchen Verhältnissen Adrian zu stammen scheint. In manchen Situationen im Leben träumt man sich am liebsten weg, in eine fantasievolle Welt, in der alles möglich ist. Auch wenn es Adrian sonst nicht leicht hat. Er vermag es gekonnt seine Zuhörer durch seine lebendigen und ausschmückenden Erzählungen mitzureißen und zwar so glaubhaft, dass jeder ihm die Geschichte vom Pferd abkauft.

Umso erfreulicher ist, dass Zoe sein Talent und seine gewaltige Vorstellungskraft schließlich anerkennt. Die Wut verpufft und es bleiben Mitgefühl und Anerkennung. Auffallend sind die farbreduzierten Illustrationen von Corinna Luyken, die gezielt die letzte Doppelseite dem Pferd widmet, welches nur schemenhaft zu deuten ist. Es bleibt ausreichend Platz für die persönliche Imagination, die die Lücken zu füllen vermag. Und tun wir das nicht auch bei jeglichen Geschichten und Erzählungen? Die Autoren bereiten für uns den Rahmen vor, lebendig wird der Inhalt doch erst in unseren Köpfen.

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Fazit

Ein Hoch auf die menschliche Vorstellungskraft und die Kunst zu träumen!

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Dagmar Geisler – Was, wenn Eltern auseinandergehen?

Rezension

Es ist nicht so leicht, einen Anfang zu finden, um über diese Dinge zu reden.

Eine „Trennung“ oder „Scheidung“ kommt vor. Das tut allen Beteiligten weh und macht vielen Kindern Angst. Dagmar Geisler geht dieses Thema ganz behutsam an und pflanzt den inhaltlichen Samen in eine Kindergartengruppe, in der Marie den anderen Kindern erzählt, dass die Eltern ihrer Freundin sich scheiden lassen wollen. Es folgt ein spannender Austausch aus Kindersicht.

Auf der Metaebene wird zwischendurch erklärend eingestreut, dass die Liebe zwischen Mutter und Vater vergehen kann. Es wird glücklicherweise ein Unterschied zur Bindung zum Kind gemacht. Diese Art der Liebe bleibt für immer bestehen. Es wird kindgerecht der Weg bis zum schlussendlichen Auseinandergehen gezeigt.

Manchmal sitzen sie bloß da.

Manchmal weinen sie.

Manchmal streiten sie und manchmal fährt einer plötzlich weg…

Einige Kindergartenkinder werfen ein, dass deren Eltern sich auch streiten, was natürlich Angst schürt. Erfreulich ist, dass ein anderes Kind deutlich macht, dass Streit in Ordnung ist, solange sie sich vertragen. Für alle Beteiligten hilft in so einer Situation zu reden. Schließlich werden auch positive Entwicklungen aufgezeigt, die so eine Trennung mit sich bringen kann. Hier gibt es verschiedene Wege, sei es eine neue Familienkonstellation in einem Patchwork-Rahmen oder der nun wieder fröhliche Vater mit einer neuen Freundin.

Pädagogisch sinnvoll ist die Idee zum konkreten Umgang mit den Ängsten und Sorgen in Form eines „Wunschzettels“. Auch wenn die Wünsche womöglich gar nicht in Erfüllung gehen, sie sind zunächst raus und das alleine erleichtert schon ungemein. Hier wird eine Gesprächskultur forciert, die ermöglicht angstfrei und sachlich über das sensible Thema zu sprechen. Ein offener Umgang erleichtert auch Kindern die Verarbeitung und fängt sie in diesem neuen Lebensabschnitt auf.

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Fazit

Eine offene Gesprächskultur hilft, mit den Gefühlen zurecht zu kommen.

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Kathrin Rohmann – Glückstage unterm Apfelbaum

Rezension

Das Vorlesebuch „Glückstage unterm Apfelbaum“ gliedert sich in 28 Vorlesekapitel, die zwischen 4-6 Seiten umfassen. Pro Kapitel kann eine Vorlesezeit von ca. 5 Minuten eingeplant werden. Damit eignet sich das Buch perfekt für die abendlichen Vorlesestunden für Kinder ab 5 Jahren oder auch als Vorlesebuch in den Frühstückspausen der Schuleingangsphase. Die Kapitel sind zwar in sich abgeschlossen, bauen aber trotzdem aufeinander auf.

Die siebenjährige Minna ist die Protagonistin und strotzt nur so vor abenteuerlichen Einfällen. Auch vor Fantasiewesen macht ihre Kreativität keinen Halt. So taucht eines Nachts Willi im Ruderboot auf, der liebend gerne Puffer-Inseln sammelt. Es versteht sich von selbst, dass Minna hier helfen muss und geschwind Kartoffelpuffer aus der Küche holt. Unter dem Apfelbaum begegnet Minna dem Botaniker Fritz Glück und lässt sich in die Pflanzenkunde einweisen. Minnas Welt ist wirklich voll von fantasievollen Gestalten, die jeden Tag zu einem kleinen Abenteuer machen.

Es sind insgesamt gemächliche und ruhige, wenig temporeiche oder verwobene Geschichten, die stets die Umwelt einbinden und den gewöhnlichen Alltag eines Kindes. Zu den Schauplätzen gehört die Schule, der Freundeskreis und die Ferien bei der Oma. Zur Ferienabfahrt gehört die gewöhnliche Hektik des Packens genauso dazu wie die Vorfreude auf Omas Geruch nach Blumenerde, Kaffee und Brot dazu. Auch wenn Minna Irmelin und Bodo als Freunde hat, ist es thematisch eher ein Vorlesebuch für Mädchen. Einhorn-Liebhaber kommen hier auf ihre Kosten und das pädagogisch wertvolle Postkarten-Schreiben findet ebenfalls Erwähnung.

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Fazit

„Glückstage unterm Apfelbaum – Geschichten von Minna“ lädt zum Träumen ein, beindruckt durch Einfachheit in der Gestaltung und beschert Leseglück für die ganze Familie.

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Sanderijn van der Doef & Marian Latour – Vom Liebhaben und Kinderkriegen

Rezension

Dieses Aufklärungsbuch richtet sich an Fünf- bis Siebenjährige mit ihren ersten Fragen zur Sexualität und Liebe. Es ist schon fast zum Klassiker in dieser Sparte avanciert. Kinder begegnen den Themen „Liebe und Liebhaben“ schon sehr früh und fragen sich natürlich wo sie eigentlich her kommen. Darauf aufbauend, erlebt man öfter, dass sie anschließend wissen möchten, wie sie denn nun in den Bauch der Mutter überhaupt kamen. Dieses Sachbuch ist für Eltern eine erste Hilfe sich an das Thema gemeinsam heranzutasten.

Der Themenbereich „Gefühle“ nimmt hier im Buch sehr viel Platz ein. Es geht um Freundschaft und um das Verliebtsein und mit welchen Gedanken und körperlichen Reaktionen dieses Gefühl einhergeht. Die körperlichen Veränderungen in Bezug auf Pubertät werden kurz angerissen und die Geschlechterrolle kurz geklärt, bevor auf das Thema „Liebe machen“ eingegangen wird. Amüsant ist, dass ein Exkurs in die Tierwelt eingeworfen wurde, um das Natürliche der Sache aus der biologischen Sicht zu unterstreichen. Schwangerschaft und Geburt runden das Buch thematisch ab. Der Sachtext ist sehr kindgerecht, verständlich und prägnant nüchtern. Die Illustrationen sind vereinfacht, nachvollziehbar und zurückhaltend. Es hat schon fast so ein seidenes Schutztuch inne, das das sensible Thema zwar offen aber auch gleichzeitig behutsam behandelt.

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Fazit

Das  Aufklärungsbuch für jüngere Kinder mit behutsamer Herangehensweise

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Charlotte Guillan und Yuval Zommer – Unter meinen Füssen

Rezension

Der Protagonist schaut an zwei unterschiedlichen Schauplätzen unter seine Füße. Zunächst blickt er unter die Erde einer belebten Straße und entdeckt Wasserleitungen, Kabel für die Internetnutzung, Stromleitungen und die Kanalisation. Dazwischen tummeln sich auch viele Lebewesen wie Tausendfüßler oder auch Regenwürmer, die die Erde auflockern. Nach dem Abwasserkanal, wird ein Blick auf die Überreste der geschichtlichen Überbleibsel geworfen, nach denen Archäologen graben. Und es geht noch tiefer! Unterwegs trifft man auf die Untergrundbahn, Tropfsteine, Gesteinschichten wie Torf oder Kohle und schließlich Magma. Ab hier ist die Erdkruste auch nicht mehr weit, bis der Leser schließlich den inneren Erdkern und damit das Zentrum erreicht.

Nun darf das Buch gedreht werden, um die lange Reise zum Erdkern an dem Schauplatz eines Waldes erneut zu erleben. Verständlicherweise stehen hier Tiere und ihre Bauten im Fokus. Dachse und Füchse teilen sich hier ihre Behausungen mit Wurzeln und Fossilien. Nach einigen Gesteinschichten wie Marmor und Diamanten, gelangen wir hier schließlich auch zum heißesten Ort des Planeten.

Dieses Sachbuch für Kinder gewährt einen ungewöhnlichen Blick auf etwas, was wir sonst kaum zu Gesicht bekommen. Dieser Streifzug durch die Wunder der Unterwelt ist allemal lohnenswert. Das Mega-Leporello-Wendebilderbuch lässt sich blättern oder noch viel besser einfach ausklappen und erreicht dabei eine Länge von stolzen 2,5m. So beeindruckt nicht nur der Inhalt, sondern die Vorstellung der Kinder wird zusätzlich angeregt und heraus gekitzelt, was zur Steigerung der Faszination beiträgt. Hier sind wissenswerte Fakten pointiert dargestellt und Fachbegriffe gekonnt eingestreut und erklärt.

Sollte die fesselnde Wirkung anhalten, bieten die Städte Berlin und Köln sehr empfehlenswerte und informative Stadtführungen für Kinder mit unterirdischen Touren an.

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Fazit

Fesselnde Wirkung und spannende Fakten in ungewöhnlicher Erscheinungsform

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Piotr Socha und Wojciech Grajkowski – Bäume

Rezension

„Bäume“ sind für Kinder faszinierend, denn sie sind wahre Verwandlungskünstler und begleiten sie stets bei allen Jahreszeitenwechseln. Im Kindergarten wird bereits mit Kastanien gebastelt und die farbenprächtigen Blätter tauchen nicht zuletzt auch in der Grundschule auf.

Dieses recht außergewöhnliche Werk im Großformat ist eine Offenbarung zum Thema „Bäume“. Die Vielfältigkeit des Einsatzes von Holz, die unterschiedlichen Erscheinungen und Vorkommen, die geschichtliche Bedeutung, der Stellenwert für die Menschheit und das Ökosystem werden in all der Bandbreite aufgegriffen. Der Text ist stets in einer verdichteten Spalte zu finden, eher in kleiner Schrift gehalten und nicht unbedingt übersichtlich. Hier werden zuerst gute Leser animiert sich mit dem Thema zu beschäftigen. Allerdings ist es auch für Jugendliche und Erwachsene definitiv eine Wissensgrube. Das Sachbuch lebt allerdings vordergründig von den Illustrationen. Wunderschöne Tafeln werden hier abgebildet, die hier und da an alte Infotafeln im Museum oder Schulen erinnern.

Inhaltlich wird auf den 80 Seiten umfangreich der gesamte Lebensraum „Baum“ beleuchtet. Die Tarnung der Insekten ist ein Tanz mit der Natur, denn Tiere orientieren sich an der aktuellen Farbe nicht aus Eitelkeit, sondern aus Überlebenswünschen. Die Texte sind nicht staubtrocken, sondern entgegen ihrer Darstellung leicht zu verstehen und dem Inhalt lässt sich insgesamt gut folgen. Hier findet sich Wissen für Experten. Neben der obligatorischen Abbildung von Blättern, bietet dieses Buch Informationen, zu denen Kinder selten Zugang finden. Alleine schon das Kapitel „Wurzeln“ und ihre Ausbreitung in Mangrovenwäldern, lässt den Leser voller Staunen zurück. Auch „Baumhäuser“ versprechen Faszination, genauso wie die Darstellung von „Baumungeheuern“. Den Letzteren begegnen Kinder immer wieder in Medien und lassen sich wunderbar auch im Kunstunterricht aufgreifen.

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Fazit

Ein außergewöhnliches Bilderbuch mit ungewöhnlichen Informationen zum Thema „Wald“ und „Bäume“.

 

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Torben Kuhlmann – Edison: Das Rätsel des verschollenen Mauseschatzes

Rezension

Nach „Lindbergh“ und „Armstrong“ ist dies nun der dritte Band der Mäuse-Reihe von Martin Kuhlmann. Im gewohnten Handlungsstrang ist eine junge Maus der Protagonist dieses Bilderbuchs. Der junge Mäuserich Pete entdeckt eine vergilbte Tagebuchnotiz seines Urahns und begibt sich auf die Suche nach einem Schatz. Wäre dieser nicht in den Tiefen der Meere verschwunden … So baut er mithilfe seines Professors nach einigen Fehlversuchen einer misslungenen Tauchglocke ein Unterseeboot.

Die Erzählung fokussiert auf den Kreativitätsvorgang, der bei Erfindungen abläuft und zeigt auf, wie Ideen ausprobiert, um anschließend wieder verworfen zu werden. Es bedarf mehrerer Fehlversuche, die alle wertvoll sind, denn sie lehren uns immer etwas Neues. So schauen die beiden Erfinder für den Bau eines Unterseebootes sich die Fische ganz genau an, um wichtige Elemente zu kopieren.

Hier darf man keinen Spannungsbogen im Sinne von Abenteuergeschichten erwarten. Es ist ein ruhiges Bilderbuch mit fabelhaften Illustrationen. Vielleicht bilden die Illustrationen sogar den Mehrwert dieses Bilderbuchs. Es gibt Seiten, da möchte man sich am liebsten darin verlieren oder sie gleich einrahmen. Mit 112 Seiten ist es recht ausführlich und hin und wieder textlastig. Für junge Kinder ist das Vorlesen nach Kapiteln daher sinnvoll. Besonders Kindern mit einer Begeisterung für Erfindungen und Wissenschaften wird dieses Buch beibringen, dass „Frustrationen“ und „Fehler“ zum Fortschritt dazugehören.

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Fazit

Erfindungen kindgerecht näher bringen

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