Garda Raidt – Müll: Alles über die lästigste Sache der Welt

Rezension

Gerda Raidt greift in ihrem Sachbuch eines der aktuellsten Themen auf und geht auf die Problematik des Mülls ausführlich ein. Die gigantischen Müllberge häufen sich und immer öfter erfahren Kinder aus den Medien, dass die Plastikinseln im Meer im größer werden. Das schürt Ängste und bereitet auch schon Kindern Sorge.

Dieses Buch informiert nicht nur, sondern ermutigt Kinder auch zum Handeln. Schließlich geht es um ihre Zukunft auf unserem Planeten. Die einzelnen Kapitel stehen für sich geschlossen und können in kleinen Häppchen portioniert gut behandelt werden. Nach einer mit zahlreichen Bildern gespickten Präsentation einer Definition von Müll, wird der Blick auf die Trennung und Unterscheidung gelenkt. In gut verständlichen Kurztexten erzählt die Autorin wohin der Müll geht, gewährt einen Blick in eine Kompostieranlage, zeigt Recyclingmöglichkeiten auf und verbildlicht moderne Deponien unter der Erdoberfläche.

Sehr positiv ist der berechtigte kritische Blick auf den Konsum in unserer Gesellschaft. Es werden viele Sachen hergestellt, die nach kurzer Zeit kaputt gehen und die Reparatur sich einfach nicht lohnt. Es wird also immer mehr produziert und weggeschmissen. Das Kapitel „Früher“ zeigt im Unterschied zum heutigen Umgang mit Rohstoffen einen alternativen Weg auf.

Zugegeben, dieses Buch bereitet Bauchschmerzen. Allerdings gibt es die Realität wieder: Mülldeponien in ärmeren Ländern, in die Höhe wachsende Müllinseln im Meer und natürlich auch Mikroplastik. Das Buch endet mit der Frage, ob wir etwas dagegen tun können. Die Autorin antwortet mit einem sicheren „Ja!“ und zeigt Wege zur Müllvermeidung und Materialwiederverwertung auf. Warum nicht Spielzeug oder Bücher verleihen, Gebrauchtes auf dem Flohmarkt kaufen oder einfach mal sparen und wenig besitzen? Jeder kann etwas tun und wenn alle anpacken, gelingt es uns gemeinsam, lautet das Schlusswort der Autorin.

Blick ins Buch

Fazit

Bedeutendes Thema kindgerecht und ehrlich aufbereitet.

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Axel Scheffler und Ian Whybrow – Schöne Bescherung, kleiner Bär

Rezension

Die Tiere im Winterwald bereiten sich auf die Bescherung vor. Dabei geht es beim Weihnachtsmann hoch her. Schließlich hat er viel zu tun beim Beladen seiner Schlitten mit der Unmenge an Geschenken. Letztendlich werden aber dann doch alle Geschenke bei den Kindern unter dem Weihnachtsbaum abgeliefert und warten darauf geöffnet zu werden, während der Weihnachtsmann sich nach dieser langen Nacht zurück lehnen darf.

Dieses Pappbilderbuch für die Allerkleinsten bietet auf fünf Doppelseiten durch die integrierten Klappen eine große Handlungsanregung. Dabei sind die Illustrationen des Erschaffers von Grüffelo schon eine große Entdeckungsreise, die Zeit braucht. So darf das Buch auch mit vielen Erzählanlässen genüsslich geblättert werden. Die Einzelheiten sind zu liebevoll gestaltet, dass man hier durchhasten sollte.

Die Verse sind aus dem Englischen übersetzt. Hier und da stolpert man beim Vorlesen bei den Reimen. Unter der  literarischen Freiheit leidet allerdings die richtige Verwendung der deutschen Grammatik. Da muss man eventuell ein Auge zudrücken.

Blick ins Buch

Fazit

So steigt die Vorfreude auf die Bescherung auch bei den Allerkleinsten!

 

Kinderbuchblog, Kinderbuchblogger, Kinderbuchblogger-AdventskalenderTeilnahmebedingungen

  • Beantwortet die Frage: Wer bringt bei euch die Geschenke? Das Christkind oder der Weihnachtsmann?
  • Das Gewinnspiel beginnt am 8.12.18 und endet am 9.12.18 um 23.59 Uhr.
  • Teilnahmeberechtigt sind alle Personen über 18  Jahre.
  • Der Versand erfolgt ausschließlich innerhalb Deutschlands.
  • Der Gewinner wird am 10.12. in diesem Beitrag verkündet. Wenn sich der Gewinner nicht innerhalb von 48 Stunden meldet, wird für diesen erneut ausgelost.
  • Mit der Teilnahme am Gewinnspiel erklärt ihr euch damit einverstanden, im Falle eines Gewinns eure Adresse an die Email im Impressum zu versenden. Diese wird ausschließlich für den Versand verwendet.

Ein zusätzliches Los könnt ihr euch bei Instagram und/oder Facebook mit einem Kommentar unter dem entsprechenden Beitrag sichern. Ich wünsche allen Teilnehmern viel Glück!

Morgen geht es bei der wundervollen Lütte Lotte mit der nächsten Verlosung weiter. Eine schöne Weihnachtszeit wünsche ich allen LeserInnen, ob Groß oder Klein!

 

Der Gewinner ist: Stetja97
Herzlichen Glückwunsch!

Bitte melde dich bei mir bezüglich der Versandadresse.

Sepideh Sahiri und Julie Völk – Meine liebsten Dinge müssen mit

Ein langer, grauer Schatten bildet sich hinter dem Mädchen, als sie auf einem Stuhl stehend sorgevoll zurückblickt. Gerade eben hat ihr Vater verkündet, dass sie in eine „neue Wohnung“ in einem anderen Land ziehen. Jeder darf einen kleinen Koffer mitnehmen. Doch was tun, wenn die allerliebsten Dinge nicht in einen Koffer passen? Da wäre das Aquarium, der Birnbaum und die beste Freundin. Sie alle passen nicht in einen Koffer. Das Mädchen packt kurzerhand die allerliebsten Dinge in eine Flaschenpost und schickt sie über das Meer.

Ich weiß, dass es vielleicht ein bisschen länger dauern kann. Aber das ist nicht so schlimm, das kann warten.

Rezension

Nach all den tobenden und lauten Bilderbüchern rund um die Flüchtlingswelle, kommt dieses Buch ganz ruhig und sachte daher. Die Schwarzweiß-Zeichnung sind fragil und zerbrechlich, so wie die Darstellung des Mädchens auf dem Stuhl. Das bisher gekannte Leben schwankt und von innerer Sicherheit ist keine Spur mehr. Sorgevoll blickt sie zurück auf diesem schon fast schwebenden Teppich. Umso rührender ist, dass die allerletzte Illustration das Mädchen ebenfalls von hinten zeigt. Hier ist der Schatten jedoch weniger ausdrucksstark und düster. Sie blickt nach vorne und das Haar weht im Wind. Leben bedeutet Veränderung und ob die Flaschenpost tatsächlich ankommt, bleibt ungewiss.

Dieses Bilderbuch handelt von den wichtigen Dingen im Leben. Was macht einen wirklich glücklich? Wie verarbeitet man einen Umzug und damit einhergehend Trennung und Abschied? Die kindliche Idee der Heldin ist beeindruckend und federleicht. Auch wenn das Ende offen bleibt, hilft es ihr den Schmerz zu verarbeiten und Hoffnung zu schöpfen.

Ich komme nicht umhin der Illustratorin meinen Respekt zu zollen. Der Sinn für Feinheiten und die Lieben zu den Details, die alle versteckt und mit einer gewichtigen Botschaft das Bilderbuch zu einem leicht zerbrechlichen Kunstwerk machen, ist beachtlich. Einzelne Farbtupfer werden an genau den richtigen Stellen gesetzt und runden den Inhalt so subtil und doch gekonnt ab, dass ich wirklich beeindruckt zurückbleibe.

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Fazit

Leise – gewichtig – lebensnah – verletzlich

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Axel Scheffler und Julia Donaldson – Stockmann + DVD

Stockmann lebt mit seiner Familie, wie soll es anders sein, in einem Baum. Als er eines Morgens seine Runde im Park macht, wird er von einem Hund für ein Stöckchen gehalten. Kurze Zeit später wird er von Kindern für ein Stock-Wettrennen im Fluss genutzt und treibt so immer weiter von seinem Haus weg. Es finden sich immer mehr Menschen und Tiere, die Stockmann für ihre Belange nutzen möchten – mal als Mast, Ritterschwert, Stift oder Flitzebogen. Stockmann treibt den ganzen Sommer und Herbst durch die Gegend. Im Winter wünscht sich Stockmann nichts sehnlicher als zu seiner Familie zurückzukehren.

Stockmann ist einsam und völlig verloren.
Er friert von den Füßen bis hoch zu den Ohren.
Stockmann ist müde. Seine Lider sind schwer.
Er streckt sich, er gähnt. Schon hört er nichts mehr.

Als er aufwacht, befindet er sich als Brennholz direkt in einem Kamin. Wer könnte ihm dort wohl zu Hilfe kommen?

Rezension

Das Pappbilderbuch kommt in Begleitung einer DVD, auf der die Geschichte einfach grandios verfilmt wurde. Hier hat das Buch wirklich Platz sich zu entfalten. So kommen hier Gefühle und Stimmungen zum Ausdruck, die im Buch etwas zu kurz kommen. Die Sehnsucht der Familie nach dem verschollenen Vater kann schon dem einen oder anderen Tränen in die Augen treiben. Zu den Illustrationen von Axel Scheffler muss ich nicht viel sagen: Er ist einfach ein Meister!

Mit dem Erscheinen des Weihnachtsmanns und der übergreifenden Botschaft zur Bedeutung des Zusammenhalts der Familie, katapultiert sich das Buch zur gelungenen Lektüre in der Weihnachtszeit. Während die Reime größtenteils gelungen übersetzt wurden, wird es doch Stellen geben, an denen man zu stolpern beginnt. Die englische Original-Version auf der DVD wirkt  dem entgegen und entfaltet die Schönheit dieser Geschichte in voller Bandbreite. Auch Grundschulkinder im vierten Schuljahr werden der englischen Version mit all ihren visuellen Verständnishilfen gut folgen können.

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Fazit

Warmherzige Geschichte – Familie ist alles!

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Philip Waechter – Kuchen bei mir

Kuchen bei mir

Das kleine Schweinchen sitzt am Küchentisch und verfasst einen Einladungsbrief an seinen Freund. Per Flaschenpost schickt er das Schreiben weit über das Meer Richtung Strand. Es wird von einem Wal auf den richtigen Weg gebracht und schwebt ungehindert an einem Fischerboot vorbei. Am Strand fischt sein Freund es gleich aus den Fluten heraus und packt gleich seine Sachen. Er geht auf die Bitte seines Freundes ein und besorgt auch flugs einen Becher Schlagsahne. Schließlich soll es beim Schweinchen Kuchen geben.

Philip Waechter’s  Thematisierung der Flaschenpost ist in der heutigen digitalisierten Welt schon fast nostalgisch angehaucht. Die Reise der Flaschenpost entschleunigt die Kommunikationsebene und zeigt auf, wie groß die Freude sein kann eine Botschaft auf diesem Wege zu erhalten.

Der Text besteht ausschließlich aus dem Inhalt dieses Einladungsschreibens. Es wird die höfliche Anrede, der eigentliche Brieftext mit Einbindung der Erkundigung nach dem Wohlbefinden des Gegenübers und schlußendlich der Abschiedsgruß miteinbezogen. Die vertraulichen Anredepronomen (hier „Du“, „Deine“) werden groß geschrieben. So finden sich hier alle Zutaten zum Aufbau eines Briefes.

Während die einzelnen Zeilen des Brieftexts auf jeder Doppelseite links platziert sind, befinden sich auf der gegenüberliegenden Seite die jeweiligen Stationen des Briefweges. So wird auch inhaltlich auf den Brief eingegangen und gezeigt wie der Freund seinen Rucksack packt und dort eine Zahnbürste herausragt. Schließlich heißt es im Brief:

Dann vergiss Deine Zahnbürste nicht!
Die meisterhaften Illustrationen unterstützen den ruhigen Aufbau und lassen den Leser sich über den Weg der Flaschenpost erfreuen, die letztendlich zwei Menschen zusammenführt, die sich gern haben.
Kuchen bei mir

Material

Dieses Bilderbuch eignet sich hervorragend zur Thematisierung der einzelnen Zutaten von Briefen, insbesondere von Einladungsschreiben. Anschließend wäre eine Einrichtung eines Klassenbriefkastens in Form von einzelnen Fläschchen  für jedes Kind möglich. So kann die Flaschenpost kommen!

Flaschenpost

Ein wunderbar ruhiges Bilderbuch über die Freude an entschleunigten Kommunikationsmitteln und der Freundschaft.

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Robbie H.- Harris und Michael Emberley – Total normal – Was du schon immer über Sex wissen wolltest

Total normal - was du schon immer über Sex wissen wolltest

 

Der Beltz & Gelberg Verlag veröffentlicht eine Neuauflage des bereits vor 18 Jahren erstmals erschienenen Aufklärungsbuch. Dieses Buch bietet für Kinder zwischen 10 und 12 Jahren viele Informationen rund um das Heranwachsen, eingehend mit den körperlichen Veränderung, Verhütung, Geschlechtsverkehr, Schwangerschaft und Geschlechtskrankheiten. Folgende Themen werden vertieft behandelt:

  • Was ist Sex? (Heterosexualität/ Homosexualität; Geschlechtsverkehr; sexuelles Verlangen)
  • Unser Körper (Körperteile; Geschlechtsorgane)
  • Pubertät (körperliche Veränderungen; Selbstbefriedigung; veränderte Gefühle)
  • Familien und Kinder (verschiedene Familien; sich körperlich nahe sein; Schwangerschaft; Geburt)
  • Entscheidungen (Verhütung, Schwangerschaftsabbruch)
  • Gesundheit (sexueller Missbrauch; Geschlechtskrankheiten; gefahrloses Surfen im Internet)

Nach einer kurzen Einführung, in der darauf eingegangen wird, dass es völlig normal ist neugierig zu sein und mehr über die körperlichen Veränderungen wissen zu wollen, wird versucht den Kindern die Scham zu nehmen und gemäß dem Titel „Total normal“ mit dem Thema Sexualität offen umzugehen.

Die beiden Leitfiguren Biene und Vogel führen den Leser durch das ganze Buch und äußern erheiternde Kommentare zu den jeweiligen Themen. Während die Biene etwas prüde und reserviert wirkt, kommt der Vogel offener und freizügiger daher. Die beiden komplementieren sich daher perfekt und decken alle Gefühle und Einstellungen der Leser gut ab, sodass der Zugang zum Thema weniger durch Hemmungen geprägt wird.

Auch der stilistische Ton trägt dazu bei, dass man als Leser sehr schnell die evtl. Verkrampftheit und Unsicherheit verliert. Die Texte sind stets sachlich, gut recherchiert, leicht verständlich, mit vielen altersgerechten Illustrationen untermauert und durch die eingebauten Comics auch spannend gestaltet. Der Mix aus wissenschatlich-fundierten Informationen und kindgerechter Aufklärungspädagogik ist sehr gut gelungen.

Positiv anzumerken ist die Ernsthaftigkeit mit denen auch Tabu-Themen wie z.B. sexueller Missbrauch angeschnitten werden. Hier wird klar darauf hingewiesen, dass jeder Mensch mit Respekt behandelt werden muss und gegen seinen Willen nicht an intimen Bereichen berührt werden darf.  Auch der Hinweis im Umgang für betroffene Personen ist sehr bedeutend. Es werden sowohl schlanke, als auch dickliche, hell- und dunkelhäutige, große und kleine, alte und junge Menschen abgebildet. Auf aktuelle Themen wie das gefahrlose Surfen im Internet wird ebenfalls eingegangen und neben den Vorteilen auch die Nachteile und Gefahren erläutert.

Dieses Buch kann gemeinsam mit den Eltern gelesen werden oder den Kindern auch als  Selbstlektüre dienen. Der Aufbau, die Aufmachung und  der inhaltliche Gehalt ist ausgesprochen gelungen.

Total normal - was du schon immer über Sex wissen wolltest

Material

Nach dem Lesen können die Kinder ihr Wissen in einem Quiz prüfen und eventuelle Lücken anschließend anhand der Lektüre wieder schließen. Viel Spaß dabei!

Quiz Sexualerziehung

Sachlich, unverkrampft, breitgefächert, pädagogisch wertvoll aufgearbeitet und inhaltlich gehaltvoll.

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Martin Baltscheit – Die Geschichte vom Löwen, der nicht bis 3 zählen konnte

Der Löwe kann brüllen und Zähne zeigen, nur das zählen beherrscht er nicht. Aber das stört ihn nicht. Nun ja, bis er eines Tages einen Löwen trifft, der seiner Löwin einen Blumenstrauss schenkt und ihre Aufmerksamkeit somit für sich beansprucht. Das missfällt dem Löwen sehr. Als ein Schmetterling ihn auf seine Wut provozierend fragt: „Na, hör mal, kannst du nicht bis 3 zählen?“, beschliesst der Löwe sich auf den Weg zu machen, um jemanden zu finden, der bis 3 zählen kann…

Das Buch „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“ hat sich ja mittlerweile als Klassiker zur Einführung in das Thema Briefe schreiben fest etabliert. Die Illustrationen begeistern die Kleinen stets aufs Neue und das Mitsprechen der sich wiederholenden Strukturen geschieht wie von selbst. Umso erfreuter war ich eine Fortsetzung des überragenden Bilderbuchs in den Händen zu halten.

Die erste Illustration schliesst an das letzte Bild aus „Die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben konnte“ an und zeigt den Löwen und die Löwin lesend auf der Wiese liegen. Durch ein Missverständnis verspürt der Löwe Minderwertigkeitsgefühle und beschliesst die anderen Tiere zu bitten, ihm das Zählen beizubringen, um seine Löwin wieder beeindrucken zu können. Dieses Vorhaben ist jedoch nicht von Erfolg gekrönnt, denn jedes Tier hat für sich nur eine besondere Zahl auserkoren wie z.B. das Einhorn die eins, die Schwäne die 2 usw., das Aufsagen einer Folge von  Zahlwörtern kann leider keines dieser Tiere. Die Antworten der Tiere sind stets in Reimform  und sehr amüsant. Die wiederkehrende Satzstruktur „Total blöd!“ animiert auch hier zum Nachsprechen. Die Illustrationen geben geschickt versteckt die nun folgende Zahl z.B. durch den Uhrzeiger, Kerzenanzahl, Kinderzahl etc. wieder. Beim Vorlesen kann vor der Erwähnung der richtigen Zahl innegehalten werden, um den Kindern die Möglichkeit zu geben, die Zahl von sich aus zu nennen.

Der Fokus liegt in diesem Bilderbuch, meiner Meinung nach, jedoch eher auf der Zweideutigkeit bestimmter Aussagen. Was meint der Schmetterling, wenn er fragt: „Kannst du nicht bis 3 zählen?“, als der andere Löwe die Aufmerksamkeit der Löwin mit einem tollen Blumenstrauß auf sich lenken konnte und dafür einen Kuss bekam? Oder was bedeutet die Äußerung des Löwen nach einem Zweikampf, dem Löwen Bruchrechnung beigebracht zu haben? Diese Aussagen dienen wunderbar als Aufhänger zur Thematisierung von Redewendungen.

Leider empfinde ich den Ausgang der Geschichte, pädagogisch betrachtet, nicht wirklich gelungen. Das Problem der Rivalität wird mit Fäusten und Gewalt gelöst. Natürlich muss man im Hinterkopf behalten, dass die Löwen in der Tierwelt es genauso tun, aber einen bitteren Nachgeschmack hat es für mich trotzdem.

Zum Thema Bilderbücher im Mathematikunterricht verweise ich auf dieses äußerst gelungene Bilderbuch zur Mengenerfassung: Zwölf und der Wolf.

Zur Thematisierung von Redewendungen und zweideutigen Aussagen sehr zu empfehlen.


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Christine Nöstlinger – Das große Nöstlinger Lesebuch

„Du musst immer lernen. Nichts lernen geht nicht. Wenn du bei mir nichts lernen musst,
dann hast du hinterher gelernt, dass es Lehrer gibt, bei denen man nichts lernen muss!“ (S. 26)

Das Lesebuch von Christine Nöstlinger versammelt die schönsten Geschichten der berühmten Autorin – kurze und längere, vor allem aber überraschende Geschichten, voller Fantasie und Humor, die allesmt zu Klassikern wurden. Mit vielen Bildern so bekannter Illustratoren wie Jutta Bauer, R.S. Berner, Wolf Elbruch, Nikolaus Heidelbach, Janosch, Axel Scheffler und Philip Waechter.

Insgesamt erwarten 35 Geschichten den Leser, manche gehen lediglich über eine Seite, andere schon mal über  36 Seiten. So auch meine absolute Lieblingsgeschichte „Der Hund geht in die Schule“. Hierbei handelt es sich um einen Hund, der versehentlich in einer Schule Unterschlupf sucht und am darauf folgenden Morgen von dem Direktor aufgefunden wird. Dieser vermutet, dass der Hund der neue Lehrer sei und stellt ihn seiner Klasse vor. Der Hund steht nun vor der Aufgabe, den Schülern etwas beizubringen. Und da lebensnahes Lernen vor allem steht, nimmt der Hund die Schüler mit in einen Gemüseladen. Unterwegs hüpfen sie auf einem Bein, damit wäre Sport abgedeckt. Dann zählen sie das Geld und rechnen das Wechselgeld nach, womit Mathe auch abgehackt wäre. Verkehrserziehung durfte natürlich auf dem Weg in das Dorf ebenfalls nicht fehlen. Wie der Hund die Kinder zum individuellen Schreiben bringt und einen schönen Schreibanlass schafft, erzählen die nachfolgenden Seiten.

Die Geschichten werden zwischendurch mit einigen sehr gelungen Zeichnungen (S. 257) geschmückt und einigen eher wenig ansprechenden (S. 57). Auch die Tochter von Christine Nöstlinger, Christiana Nöstlinger, hat sich in diesem Buch mit einigen Illustrationen verewigt.

Ich habe es sehr genossen, die unterschiedlichen Geschichten von Frau Nöstlinger zu lesen. Themen wie Trotz, Freundschaft, Sorgen, Angst, Erziehung, Bildung, Streit oder Liebe sind in diesem Lesebuch vertreten. Bei allen Geschichten schwingt, typisch  Christine Nöstlinger eben, so ein bisschen ironischer Unterton mit.

Ein Lesebuch nicht nur für Kinder, sondern auch für die Erwachsenen, die hier noch einiges lernen können 🙂


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Annette John – Deadline 24

Die Menschen leben als Gefangene unter selbst erbauten Kuppelfarmen, die ihnen Schutz vor seltsamen und mörderischen Kreaturen, sogenannten Hybriden, bieten. Diese treiben tagsüber ihr Unwesen und verschlingen alles, was sich ihnen in den Weg stellt. So lebt auch Sally Hayden mit ihrer blinden Mutter, ihrem Großvater und ihrem Bruder Paul auf so einer Farm im Ödland. Doch eines Tages taucht ein Flugobjekt auf, das Paul auf die Welt da draußen neugierig macht und ihn dazu verführt  der Ödnis zu entfliehen. Doch noch ahnt er nicht, dass die Hybriden nicht die einzige Gefahr darstellen, die da draußen lauert. Lediglich die Visionen der Hayden-Frauen, gesandt von dem mysteriösen Windmann durch die verschlüsselte Nachricht „Deadline 24“, können etwas Klarheit in das Durcheinander bringen.

Dieses Cover passt zum Inhalt des Buches wie die Faust aufs Auge. Sally einsam und allein in einer menschenleeren Ödnis, umwebt von einem Bienenwabenmuster, welches einem Gefängnis gleicht. Ein böser Traum der Zukunft ist wahr geworden, die Menschheit ist dabei auszusterben und es geht zurück zu den Wurzeln, gleich dem Motto „Morgen wird wie gestern sein!“ Keine Spur von hochentwickelten Gerätschaften, man besinnt sich auf das Wesentliche und kehrt zurück zur Farmarbeit. Jetzt wo mittlerweile Autos entwickelt wurden, die lediglich durch die Gedankenkraft gesteuert werden, ist diese Vision der Zukunft nun wirklich nicht diejenige, die die meisten von uns sich vorstellen können. Doch genau hier liegt der Reiz des Ganzen. Die Geschichte ist anders und man möchte als Leser natürlich erfahren, was denn nun aus der hochentwickelten Technologie geworden ist. Der Leser wird für die Auflösung ganz schön lange hingehalten und nun ja man braucht dafür viel Fantasie. 🙂

Doch es gibt nicht nur Hybride, sondern andere Wesen wie die Spuckvipern, Orge, Grogonen, Memoranden, Trugnebel und mysteriöse Windmännern, die ihr Unwesen treiben. Annette John gelingt es wunderbar diese surreale Welt zu beschreiben. Der Schreibstil ist nicht sonderlich anspruchsvoll, lässt sich aber  flüssig lesen. Die Protagonistin wird sympathisch, mutig und authentisch dargestellt. Ich hätte mir lediglich gewünscht etwas mehr von Sallys Welt auf der Farm mitzubekommen. Daher blieb die Farm und das Leben auf dem Ödland für mich etwas undurchsichtig und oberflächlich. Es dauerte nicht lange, bis es die ersten Abenteurer an die Tür klopften  und ich muss gestehen, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte und zum Teil bis 1 Uhr nachts weitergelesen habe, obwohl ich am nächsten Tag bereits früh raus musste. Die Geschichte ist spannungsgeladen und fesselt. Von der Auflösung und dem Ende war ich dagegen etwas enttäuscht. Obwohl ich die Botschaft dahinter sehr gut finde und die Einstellung zu den Entwicklungen zum Teil  gut nachvollziehen kann. Das Ende war für mich jedoch  leider sehr „märchenhaft“ und unglaubwürdig.

Ein fesselndes Fantasy-Buch, welches die Zukunft einmal anders schildert und den Leser gut unterhält.


Deadline 24 bei Amazon

Milena Baisch – Anton taucht ab

Klappentext:

„Jetzt erzähle ich die Geschichte. Es beginnt in der Zeit, als ich noch Starflashman hieß, und hier sind Chips. Ihr sollt sitzen bleiben und zuhören, alles klar?
Zugegeben, Campingurlaub mit Oma und Opa ist nicht gerade das Coolste. Doch erst als Anton den Ekelsee entdeckt, werden diese Ferien zur echten Katastrophe.  Niemals steckt er auch nur den kleinen Zeh da rein! Arschbomben und Köpper vom Badesteg? Bekloppt! Aber dann macht Anton eine Bekanntschaft der besonderen Art.
Und damit beginnt ein Ferienabenteuer, wie es sich Anton in seinen kühnsten Heldenfantasien nicht ausgemalt hat ….“

Inhalt:

Anton begibt sich mit seinen Großeltern in einen Campingurlaub zu einem See. Als Anton dann noch erfährt, dass es weit und breit keinen Swimmingpool gibt, ist seine Laune so richtig dahin. Was soll er bloß an so einem Ort machen? In diese Ekelbrühe, die voll von Schlingpflanzen ist, möchte er auf keinen Fall rein. Und so langweilt sich Anton, bis ihn sein Opa mit zum Angeln nimmt. Dort macht er Bekanntschaft mit einem Fisch, den er auf den Namen Piranha tauft und in ein Gurkenglas steckt, um ihn vor Opas Verfütterungsaktion zu schützen. Hier beginnen die Ferien nun doch Spaß zu machen. Wäre da nur nicht Pudel, ein Junge, der Anton das Leben schwer macht. Kurz vor der Abreise, muss sich Anton von seinem mittlerweile sehr lieb gewonnen Freund, dem Fisch Piranha, Abschied nehmen und das tut er auf eine sehr außergewöhnliche Art und Weise …

Meinung:

Was für ein herrlich komisches Buch. Anton wächst dem Leser mit seinen frechen und coolen Sprüchen so richtig ans Herz. Dabei spricht er auch öfter den Leser persönlich an, was natürlich noch weiter zur Identifikation mit der Figur beiträgt: „Soll ich weiter erzählen? Ihr seid so ruhig auf einmal. Ist es langweilig? Keine Angst, bald kommt wieder Action.“ Nein, mit Anton war es keine Sekunde lang langweilig, auf seinen Lippen immer ein flotter Spruch, sodass das Lesen zum einem Vergnügen wurde. Das Buch spricht besonders Jungs an, denn es geht unter anderem auch um Antons Leidenschaft: einen ferngesteuerten X3C. Themen wie Unsicherheit, Ängste, Einsamkeit aber auch eine Wendung von der virtuellen Welt hin zur Entdeckung der Natur werden angesprochen.

Fazit:

Ein lebendiges und witziges Buch mit dem wichtigen Plädoyer sich auch mal auf die spannenden Ereignisse in der Natur einzulassen.

Bewertung:

 

Zum Lesetagebuch hier entlang!

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