Jutta Bauer – Die Königin der Farben

Die Königin der Farben

Malwida wohnt im Königreich der Farben und ruft eines Tages ihren Untertan, die Farbe „Blau“,  herbei. Das Blau ist sanft, mild, leise und freundlich. Als Nächstes ruft sie das „Rot“. Es ist ungestüm, wild, gefährlich und verwandelt sich kurzerhand in ein Pferd. Als sie von dem Rot genug hat, holt sie das Gelb. Es ist warm, hell, kann aber auch zickig und gemein sein.

Und da Malwida auch zickig und gemein sein kann, kommt es zum Streit. Alle Farben vermischen sich und es wird alles grau. Das Königreich wird grau, der Himmel  wird grau, einfach alles um sie herum. Wird Malwida die drei Grundfarben zurückholen können?

Dieses Bilderbuch ist ganz zauberhaft, um Kindern die drei Grundfarben nahe zu bringen. Besonders wertvoll ist, dass Farben Eigenschaften in Form von Adjektiven zugeschrieben werden. So lernen die Kinder hier schon das Deuten anhand von Farben. Wir haben anschließend überprüft, ob das tatsächlich zutrifft und überlegt, ob die gelbe Sonne warm, hell und manchmal gemein sein kann. Ein Kind erzählte von einem bösen Sonnenbrand, sodass wir uns einig waren, dass es zutrifft. Anschließend haben wir uns die roten Flammen angeschaut und mussten auch hier zustimmen, dass das Feuer wild und gefährlich ist. Beim Blau fiel uns sofort der Himmel ein. Ja, auch hier ist es leise und sanft, vor allem in Verbindung mit den Wolken, unterstrich ein Kind.

Auf der letzten Doppelseite befindet sich eine Kopiervorlage, die mit der Überschrift „Für eigene Versuche!“ versehen ist. Hier können Kinder selbst kreativ werden und ihr Königreich der Farben gestalten.

Die Cartoon-Zeichnungen finden Erstklässler recht ulkig, da die Königin Malwida die Emotionen, die die Farben mit sich bringen, sehr gut wiederspiegelt. Hier ist viel Action und eine große Portion Expressionen im Spiel. Die Farbexplosion in Malwidas Haaren fanden alle ganz zauberhaft und setzten diese Szene gekonnt in den eigenen Zeichnungen um.

Die Königin der Farben

 

weiterarbeit

Dieses Bilderbuch ist ein toller Aufhänger, um die drei Grundfarben im Kunstunterricht herauszustellen. Der nächste Schritt wäre das Mischen zu thematisieren, mit dem Rückblick auf das Kuddelmuddel mit dem „Grau“. Zu Differenzierugszwecken kann von der Kopiervorlage die Königin entfernt werden, damit sich Kinder an eigene Malversuche trauen.

Die Königin der Farben

Pädagogisch sehr wertvoll!

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Kai Lüftner und Katja Gehrmann – Für immer

für immer

Der kleine Egon ist seiner eigenen Aussage nach ein „Zurückgebliebener“. Denn zurück bleiben die, die jemanden verloren haben. Egon hat seinen Vater verloren. Für immer. Wie lange ist für immer? Ewig!

Die Menschen um ihn herum verhalten sich auf einmal ganz komisch. Da sind die Flüsterer, die Grinser und die Sprachlosen. Egon mag sie alle nicht. Es ist eben schwer über den Tod zu sprechen. Doch Egon trägt immer ein kleines Stück von seinem Vater im Herzen. Er ist immer bei ihm. Für immer.

Dieses Buch wartet seit Monaten auf meine Rezension. Warum? Ganz einfach, weil ich fürchte der Schönheit dieses Buch mit meinen Worten nicht gerecht werden zu können.

Kai Lüftner stellt die äußerst schmerzhafte Irreversibilität des Todes in einer rührenden und poetischen Weise dar. Kinder können das Konzept des „Nie-wieder-kommens“ ab vier Jahren bereits relativ gut auf Tiere anwenden. Bezogen auf Personen gehen sie in dieser Entwicklungsphase aber noch davon aus, dass bestimmte Personengruppen wie z.B. die Eltern vom Tod ausgenommen sind. Erst ab sieben Jahren gelingt die Ausweitung auf alle Personen um einen herum. Bilderbücher stellen somit eine unschätzbare Hilfestellung in Bezug auf die Thematisierung des Phänomens Tod  dar.

„Für immer“ findet eine eigene Sprache, um das Unfassbare, Unerträgliche zu gestalten. Kai Lüftner schafft den notwendigen Raum, der zur Trauerbewältigung nötig ist, und schließt dabei Angst, Verlassenheit, aber auch Trost und die Sehnsucht nach der Zukunft mit ein. Dem dramatischen Verlust sind Ruhe und Kraft entgegengesetzt.

Durch eine kleine Rückblende sehen wir Egon im Zimmer seines kranken Vaters und können beobachten wie er dort seinen roten Drachen, der ihn durch das ganze Buch begleiten wird, baut. Sein Vater hilft ihm dabei und deutet mit einer Säge und einem Holzstiel bereits das Kreuzzeichen, seinen eigenen unvermeidlichen Tod, an.

Es gibt keine Tabletten gegen das „Für immer“.

Der Schmerz ist unendlich groß. Doch wie lange ist überhaupt „für immer“? Egon beginnt sein Zeitverständnis mit für ihn relevanten Zeitspannen zu vergleichen. Diese Seite ist für mich einfach herzzerreißend: Ein hilfesuchender kleiner Junge im endlosen Labyrinth mit der schmerzlichen Erkenntnis – Für immer ist ewig!

Die drei Gruppierungen der Menschen um Egon herum sind ebenfalls grandios realistisch dem wirklichen Leben entnommen. Die einen versuchen die Tragik mit Witzen zu überspielen, die anderen flüstern über den kleinen Egon in der Annahme er würde es nicht wahrnehmen. Die Mehrheit jedoch schweigt einfach, weil das Unfassbare auch für sie nicht wirklich greifbar ist.

Kai Lüftner findet kindgerechte tröstende Worte, verpackt in kurze Sätze, um das Unfassbare für Kinder verständlich zu bündeln. Die letzte Seite ist schließlich das i-Tüpfelchen. Hier bleibt garantiert kein Auge trocken. Doch auch das „Weinen“ gehört zur Trauerbewältigung. Und es ist ermutigend zu sehen, dass die Schnur des roten Drachens auf der letzten Seite länger wird, auch wenn das Loslassen seine Zeit brauchen wird …

Kai Lüftner Für immer

„Für immer“ findet eine eigene Sprache, um das Unfassbare und Unerträgliche zu gestalten.

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Gerhard Friedrich – Mit Kindern philosophieren

Mit Kindern philosophieren

Dieses Buch konzentriert sich auf die handlungsorientierte bzw. ganzheitliche Umsetzung  philosophischer Fragen im Rahmen kindlichen Lernens. Ein Geschichtenkonzept, ausgearbeitet zu den Themen „Freundschaft“, „Gut und Böse“, „Arm und reich“, „Religion“, „Wettbewerb, Erfolg, Misserfolg“, „Krankheit, Tod und Abschied“, „Ausgrenzung, Anderssein“ und „Glück“, leitet die Thematik stets mit einer Geschichte rund um die Protagonisten Lutz und Leonie ein. Aus den Erfahrungen und Ereignissen der beiden Kinder, werden Fragestellungen entwickelt, die sich nicht mit „ja“ oder „nein“ beantworten lassen, sondern zum Philosophieren einladen.

Zu jeder Thematik werden Spiele, Zitate, Gedichte, Lieder, Bauanleitungen und einiges mehr angeboten, um die Kreativität der Kinder zu wecken und sie zum Weiterdenken anzuregen.

Das Ziel dieses Buches soll sein, verschiedenste Fragen von Kindern aufzugreifen, ins Licht gemeinsamer Betrachtung und Diskussionen zu stellen und an diesen spannenden Auseinandersetzungen zu wachsen.

Ich muss zugeben ich bin ein großer Fan von „Philosophieren mit Kindern“. Die Planung einer AG zu diesem Thema nimmt immer mehr Gestalt an. Die Herausforderung des Moderators ist hierbei stets die passenden „Impulsfragen“ parat zu haben, um die Diskussion in Gang zu halten. Deshalb finde ich die „Forscherfragen“ in diesem Band besonders hilfreich und sinnvoll. Zu jeder Thematik werden, anschließend an die Geschichte, drei Forscherfragen formuliert, die von drei unterschiedlichen Experten (Kinderärzten, Pädagogen, Autoren, Medizinern etc.) ausführlich beantwortet werden. Durch diese Bandbreite an Beispielantworten zu philosophischen Fragen, entwickeln Kinder ein Gefühl dafür, dass viele Situationen individuell bewertet werden müssen und es kein „richtig“ oder „falsch“ gibt.  Auch die Vielzahl der Zitate lädt zum intensiven Interpretieren und Nachdenken ein und sensibilisiert Kinder für spezifische Problemstellungen.

Der ganzheitliche Ansatz ist besonders positiv hervorzuheben. Die Spiel- und Bastelideen ermöglichen den Kindern handelnd mit der Thematik umzugehen und die gewonnen Erkenntnisse und das neuerworbene Wissen anzuwenden. Sehr gelungen sind auch die Experimentvorschläge zum Thema „Arm und reich“ oder die Spielvorschläge rund um „Anderssein“ und „Ausgrenzung“.

Die Geschichten sind zum Teil doch recht lang und gehen über fünf Seiten hinaus. Hier müsste man, abhnägig von der Gruppe und dem Alter der Kinder, eventuell Kürzungen vornehmen, um die Konzentrationsspanne der Kinder nicht zu überstrapazieren. Auch hätte ich mir zu den Liedern eine CD gewünscht. Die Anzahl an beispielhaften Forscherfragen und weiterführenden Impulsfragen hätte erhöht werden können.

Das Konzept an sich ist jedoch sehr gut durchdacht, kindgerecht und eignet sich sehr gut als Grundlage für eine Umsetzung in einer Arbeitsgemeinschaft.

Mit Kindern philosophieren

Material

Um Kinder zum Nachdenken zu bringen und unterschiedliche Möglichkeiten im Kopf durchspielen zu lassen, habe ich einige „Was wäre, wenn …“ Fragen gesammelt, die bei Bedarf gerne von den Kindern erweitert werden können. Die Kärtchen dürfen auch gerne als Schreibanlass genutzt werden.

was wäre, wenn

Ganzheitliche Konzeption, Beachtung des entdeckenden Lernens, hilfreiche Forscherfragen und Zitate als weiterführende Anregungen zum Philosophieren.

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Annette Breaux und Todd Whitaker – 50x Schülerverhalten verbessern

Todd Whitaker und Annete Breaux zeigen 50 praxistaugliche Ansätze, um Schülerverhalten zum Positiven zu verändern. Das Buch bietet sowohl Lösungen für die Bewältigung akuter Probleme im Klassenzimmer als auch Strategien, um eine Lernumgebung zu schaffen, in der Schüler nachhaltig gern lernen – und sich deshalb entsprechend verhalten.

Kinder legen eben kindliches Verhalten an den Tag. Sie tun nicht immer, was richtig und gut für sie ist. Sie testen gern die Grenzen aus. Die Autoren vertreten die Meinung, dass man die Schüler erst erreichen muss, ehe man ihnen etwas beibringen kann.

Die insgesamt 50 Rezepte sind nach einem Dreischritt strukturiert. Das jeweilige Rezept beginnt mit einem Denksanstoß, in dem das „Problem“ geschildert wird. Darauf folgend wird auf Lösungen und Strategien für den Unterricht eingegangen und aufgezeigt wie das Problem verringert bzw. behoben werden kann. Die Quintessenz fasst die wichtigsten Punkte noch einmal zusammen.

Die Autoren sind beide in der Lehrerausbildung tätig und leben in Amerika. Dem Schreibstil ist dies anzumerken. Es ist selbstbewusst, erfolgsversprechend, imponierend, zum-Schmunzeln-bringend. Ein Beispiel gefällig?

Jeder Schüler hat einen Lehrer verdient, der an ihn glaubt. Wenn Sie dieses Buch lesen, davon sind wir überzeugt, dann sind Sie dieser Lehrer.

Ich mag Amerikaner und somit diese Art zu denken und zu schreiben. 🙂 Dabei darf man dieses Buch keineswegs in einem Rutsch durchlesen. Es braucht Zeit, um es auf sich wirken zu lassen, um sich selbst im Unterricht zu beobachten und das gezeigte Verhalten zu reflektieren. Viele Lehrer werden erfreut feststellen, dass sie das ein oder andere Verhalten bereits in ihr Repertoire aufgenommen haben. Einfach weil es funktioniert und den gewünschten Erfolg mit sich bringt. Das andere muss man ausprobieren und sehen welche Ergebnisse erzielt werden. Seit einem Monat stellt dieses Buch meine Abendlektüre dar und ich habe schon etliche der am Abend gelesenen Tipps am nächsten Tag ausprobiert. Viele mit einem überraschend positivem Ergebnis. Ein Beispiel aus der Praxis gefällig?

Dennis (Name geändert) geht in die zweite Klasse und spielt oft und gerne mit seiner Trinkflasche. Dabei benutzt er sie als Instrument und trommelt in unregelmäßigen Abständen damit unter seinem Tisch. Mit einem neugierigen Blick schaut er zur Lehrerin, um zu sehen, ob sie es gemerkt und gleichzeitig erkannt hat, woher denn das Geräusch kommt. Die Autoren interpretieren solches Verhalten als „Die Lust zu spielen“. In der Tat, Dennis meint es gar nicht böse, er ist nur experimentierfreudig. Die Empfehlung der Autoren war: Die Aufmerksamkeit des Schülers auf etwas anderes lenken, anstatt auf das störende Verhalten einzugehen. Also wurde Dennis von mir gebeten, mir doch bitte beim Herunternehmen meiner Transparenzkarten am Ende der Stunde zu helfen. Denn ich weiß  ja, dass er gerne mit Magneten spielt (wie schon erwähnt, er experimentiert gerne). Abrupt wurde die Flasche in die Tasche gepackt, ohne dass ich ihn darauf hinweisen musste und die Aufmerksamkeit war auf den Unterrichtsstoff gerichtet! Es wirkt!

Lehramtsanwärter, die sich auf die Prüfung vorbereiten und sich näher mit dem ersten Kolloquiumsthema „Leitideen pädagogischer Grundschularbeit“ beschäftigen, werden in diesem Buch einige hilfreiche Vernetzungen zu den im Seminar behandelten Themen finden. Dabei tauchen viele Beispiele aus der Praxis auf, die sich ebenfalls als hilfreich erweisen könnten, wenn das Thema „Unterrichtsstörungen“ angeschnitten wird.

Das grüne Cover, das Hoffnung symbolisiert und natürlich sehr erfolgsversprechend (beachte die Rakete!) gestaltet ist, finde ich gelungen und sympathisch. Oft sind die Rezepte wirklich Kleinigkeiten, die jedoch eine große Wirkung mit sich bringen. Die Auswirkung auf das Schülerverhalten eines lächelnden Lehrers, der den Klassenraum betritt, ist enorm. Ich würde viele der gegebenen Tipps am liebsten aufsaugen und lege dieses Buch allen Lehrern wärmstens ans Herz. Bevor Wissensvermittlung verwirklicht werden kann, müssen Bedingugen geschaffen werden, unter denen Lernen überhaupt stattfinden kann und dabei darf der Beziehungsaufbau nicht unterschätzt werden.

Ein äußerst gelungenes Fachbuch für die Praxis!

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Axel Scheffler und Julia Donaldson – Räuber Ratte

Räuber Ratte ist eine äußerst gemeine und fiese Ratte. Sie klaut jedem, dem sie begegnet das Essen. Dabei ist es dem Schurken völlig egal, ob es sich um Brotkrümmel, Blätter, Fliegen oder Stroh handelt. Räuber Ratte frisst den Bewohnern des Waldes alles weg und versetzt sie in Angst und Schrecken. Die armen Tiere werden immer dünner, bis sich letztlich eine kleine Ente zu wehren weiß…

Das Dream-Team Julia Donaldson und Axel Scheffler kreieren auch diesmal ein Buch, das in Erinnerung bleibt. Axel Scheffler, als äußerst begabter Illustrator, erweckt in diesem Buch einen Anti-Helden zum Leben. Ein gemeiner Dieb treibt im Wald sein Unwesen und ist getrieben von Unersättlichkeit und Gier.  Ihm gegenüber steht eine kleine Ente, die ihm durch Klugheit und List überlegen ist. Letztendlich wird dem Räuber seine eigene unmäßige Habsucht zum Verhängnis, gleich dem Sprichwort: Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es wieder heraus!
Thematisch geht es um die Gemeinschaft und Einzelkämpfer, um das Richtig und Falsch, um Werte in der Gesellschaft und ihre Widrigkeiten.

Und wie es im wahren Leben oft der Fall ist, folgt einem unangemessenem Verhalten eine Strafe, die auch die Ratte verbüßen muss. Ich persönlich konnte die Schritte auf den letzten Seiten nicht wirklich nachvollziehen, mir fehlten die Schlüsse. War es letztendlich die Ratte selbst, die ihr Fehlverhalten eingesehen hat oder war es eine externe Person, die diese Strafe der Ratte auferhängt hat? Aus welchem Grund raubt die Ratte nicht weiter? Das ist für mich leider unschlüssig geblieben.

Das Buch wurde von Salah Naoura ins Deutsche übersetzt und dabei die ursprüngliche Reimform beibehalten. Hier und da ergeben sich beim Vorlesen noch einige Stolpersteine, die jedoch nicht gravierend sind. Insgesamt ist das Übersetzten von Reimen eine Kunst, die es nicht zu unterschätzen gilt. Nichtsdestotrotz bin ich auf die Originalfassung sehr gespannt, die gleich auf meiner Wunschliste landet!

Was ist falsch und was richtig in einer Gesellschaft? Welche Werte zählen? Was wird nicht länger akzeptiert?
Dieses Bilderbuch beschreibt aus der Perspektive eines Anti-Helden die Problematik der Integration, Emphatiefähigkeit und des sozialen Verhaltens.


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Frank Müller – Lesen und kreatives Schreiben

Dieses Buch zeigt Lehrerinnen und Lehrern, wie sie im Unterricht Freude am Lesen und Schreiben vermitteln, damit Schülerinnen und Schüler gern und freiwillig mit Texten umgehen.

Der Autor – selbst Lehrer und Dozent – erläutert anhand zahlreicher Beispiele, wie sich durch Visualisierungen oder Augentraining ganz unterschiedliche Zugänge zum Lesen eröffnen lassen.  Kreatives Schreiben fördert das Buch durch assoziative, produktive und handlungsorientierte Methoden, die Kinder und Jugendliche so trainieren, dass sie selbstständig Texte verfassen können und wollen.  Alle Methoden werden nach einem einheitlichen Raster dargestellt:

– Zielangabe
– Vorgehensweise im Unterricht
– Stärken und Schwächen der Methode
– Ideen zur Weiterarbeit im Unterricht Umsetzung

Diese praxisorientierte Fundgrube ist in drei Kapitel gegliedert: Lesen, kreatives Schreiben und Lese- bzw. Schreibspiele. Die Darstellung der jeweiligen Methode ist durch diese Gliederung sehr übersichtlich und die Illustrationen sehr ansprechend und motivierend. Viele Arbeitsblätter würden sich durchaus genauso in der Praxis einsetzen lassen. Einige bedürften einiger Veränderungen und Anpassungen an die jeweilige Lerngruppe. Besonders erfrischend fand ich die Einbindung  der Dissonanzmethode zum Schwerpunkt „Argumentieren“. Das Thema Gedichte findet eine große Gewichtung, sodass Haiku, avenidas, Elfchen, Laternen-Gedicht und das Gegen-Gedicht erklärt und mit einigen Schülerbeispielen untermauert werden.

Ich betrachte dieses Buch eher als Inspirationsquelle für die ganze Bandbreite an den unterschiedlichsten Methoden für die Bereiche Lesen und Schreiben, um den Unterricht abwechslungsreicher gestalten zu können. Es sind viele guten Ideen dabei. Der Übersicht halber würde ich mir jedoch bei den Methoden einen groben Hinweis auf die jeweilige Klassenstufe wünschen. Denn die dargebotene Methodensammlung ist für alle Schulstufen und Schularten gedacht. Wer speziell etwas für Grundschüler sucht, muss sich jedoch mühselig zurecht finden. Vielleicht wären hier kurze Orientierungshinweise hinter der jeweiligen Methode möglich. Ein ganz kleiner Kritikpunkt zur Benutzerfreundlichkeit.

Eine wertvolle Zusammenfassung einiger Methoden zu den beiden Schwerpunkten des Deutschunterrichts.

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Heinz Klippert und Frank Müller – Methodenlernen in der Grundschule

„Der Band enthält vielfältige Anregungen, wie Grundschüler/innen in elementarer Weise Lernkompetenz, Selbstständigkeit, Zielstrebigkeit, Kommunikationsfähigkeit und Teamfähigkeit vermittelt werden kann. Konkret wird gezeigt, wie Grundschulkollegien ihre neue Lernkultur machbar, kleinschrittig und wirksam aufbauen (können).

Wie diese breit gefächerte Methodenschulung im Alltag der Grundschule gezielt angegangen werden kann, wird im vorliegenden Buch anhand zahlreicher Lern- und Trainingsarrangements gezeigt. Dokumentiert werden mehr als 100 erprobte und bewährte Unterrichtsbausteine mit unterschiedlicher fachlicher und methodischer Ausrichtung.“

Das Lernen lernen wird in der heutigen Schulpädagogik ganz groß geschrieben. Die Aufgabe des Lehrers ist es den Schülern die passenden Methoden an die Hand zu geben, damit sie sich selbstständig Wissen aneignen können. Erfolgreiches Lernen ist nämlich mehr als reine Stoffvermittlung, das Lernen soll mehrkanalig erfolgen und dafür benötigen die Schülerinnen und Schüler die entsprechenden Methoden.

Im ersten Kapitel von „Methodenlernen in der Grundschule – Bausteine für den Unterricht“ geht es um die Begründung bzw. Darlegung der Notwendigkeit zur Methodenschulung in der Grundschule. Es wird dafür plädiert, dass Methodenschulung notwendig und als Unterrichtsgegenstand eine große Bedeutung inne hat, die sich lohnt. Es wurden konkrete Lernspiralen zu gängigen Themen der Grundschule entwickelt, die folgenden Trainingschritten folgen: Sensibilisieren, Konkrete Übung, Reflektieren, Regeln klären, Regeln anwenden, Strategie verfeinern und Routine festigen.

Für das Fach Deutsch werden die meisten Lernspiralen vorgestellt, insgesamt 16. Unter anderem zu freiem Erzählen, Gedichte schreiben, Rollenspiel vorbereiten und durchführen. Die weiteren Lernspiralen werden Mathematik und Sachkunde zugeordnet, nur die wenigen Lernspiralen sind Musik und Religion. Zum Methodenbereich „Lern- und Arbeitstechniken“ einüben werden ebenfalls Trainigsspiralen präsentiert und zwar Ordnung am Arbeitsplatz halten, Unterstreichen und Markieren üben, Lernkärtchen herstellen etc. Aktives Zuhören und Nacherzählen, Kooperative Präsentationsformen üben, Umgang mit Konflikten in Gruppen lernen, sowie Regeln für die Gruppenarbeit entwickeln gehören dem Bereich „Kommunikation und Kooperation“ an. Das letztere habe ich selbst im Unterricht ausprobiert und die dazu gelieferten Arbeitsblätter genauso eingesetzt, wie es im Buch vorgeschlagen wurde. Es hat ohne Adoption super geklappt. Die Zeichnungen sind sehr ansprechend und zu jeder Spirale gibt es eine Übersicht über den Ablauf, sowie die Kurzfassung der Intention. Auch die Beschreibung der Arbeitsschritte ist verständlich und klar formuliert. Das abschließende Kapitel beschäftigt sich mit Hinweisen und Beispielen zur schulinternen Umsetzung, wie Teamarbeit im Kollegium oder methodenzentrierte Elternveranstaltungen.

Dieses Buch lässt sich problemlos in der Praxis umsetzten, ohne aufwändiger Vorbereitung. Ein sehr gutes Buch für Lehrer und besonders Lehramtsanwärter, die hier so einiges an Werkzeug und theoretischen Erkenntnissen mitnehmen können.

Das Buch ist praxisnah,  ansprechend und verknüpft konkrete Methoden mit Inhalt. Die Investition lohnt sich!




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Katja Brandis und Hans-Peter Ziemek – Ruf der Tiefe

Fiktion oder doch schon traurige Realität?

Klappentext:

Eine Geschichte vom geheimnisvollsten Ort der Erde – und eine faszinierend reale Vision unserer nahen Zukunft.

Mit seinen 16 Jahren ist Leon bereits ein Profi: Er gehört zur Elite der Flüssigkeitstaucher, die sich auch in 1000 Meter Tiefe frei bewegen können. Zusammen mit Lucy, einem intelligenten Krakenweibchen, sucht Leon nach Rohstoffen am Meeresgrund. Die Tiefsee ist sein Zuhause, viel vertrauter als das ‚oben‘. Doch dann scheint das Meer verrücktzuspielen: Am Grund breiten sich ‚Todeszonen‘ aus, massenhaft ergreifen die Wesen der Tiefe die Flucht nach oben, an Land bricht Panik aus. Bei einem verbotenen Tauchgang kommen Leon und Lucy einem fatalen Experiment auf die Spur – und stehen plötzlich auf der Abschussliste eines mächtigen Konzerns. Ausgerechnet Carima, eine junge Touristin von oben‘, erweist sich als Leons einzige Verbündete.

 

Gastrezension:

Wir schreiben das Jahr 2018. In den Weltmeeren verlagert sich immer mehr der Wirtschaftsstandort unter Wasser, was sich heutzutage ja schon andeutet. Junge Leute „arbeiten“ für einen großen Konzern als Flüssigkeitstaucher, um Vorkommen von Metallen am Meeresgrund aufzuspüren. Ihnen zur Seite stehen Meeresbewohner, als Partner. Leon, 16 Jahre, ist eng verbunden mit Lucy, einem großen, intelligenten Krakenweibchen. Er hat sie als winziges, kaum handtellergroßes Baby bekommen und sich seither mit ihr befasst, ihr eine Zeichensprache beigebracht und was kaum jemand weiß, die beiden verbindet noch viel mehr, sie können über Gedanken, Gefühle kommunizieren… Leon liebt die Tiefe, das Schweben im Meer, verbringt mehr Zeit im Wasser, als für ihn gut wäre, doch nur dort fühlt er sich wirklich wohl und geborgen.

 

Er und Carima, die während ihrer Ferien mit ihrer Mutter zu einem Ausflug auf der Unterwasserstation, die für Leon sein Zuhause darstellt, weilt, begegnen sich und eine zarte Liebesgeschichte entsteht…

 

Während dieses Ausflugs kommt es zu gefährlichen Vorkommnissen, die Station muss geräumt werden. Doch Leon hat entdeckt, dass es mit den so genannten Todeszonen –dunkle, leblose Flecken im Meer, die sich immer weiter ausbreiten- etwas mehr auf sich hat, als ihm weisgemacht wird. Er flieht. Vor allem, als er entdeckt, dass Lucy für den mächtigen Konzern, dem die Unterwasserstationen gehören, weitaus mehr ist, als ein Tier in einem Programm.

 

Es beginnt eine nervenzerreißende, aber auch sehr bedrückende Suche nach den Gründen. Leon entdeckt schmerzvoll, dass der Mann, der ihn nach dem Tod seiner Eltern adoptiert hat, doch ganz andere Motive hatte, als er dachte und dass die Menschen, denen er jahrelang vertraut hat, ebenfalls ganz andere Ziele verfolgen…

 

Ausgewiesen war dieses Buch als Jugendbuch. Doch ich muss –wieder einmal- feststellen, dass das nichts zu bedeuten hat. Mich hat dieses Buch gefesselt, und das sehr sehr schnell und mit Nachdruck. Die Autoren haben es verstanden, mit Sachverstand, aber auch mit sehr viel Einfühlungsvermögen die Figuren, die Örtlichkeiten zu umreißen. Man hatte das Gefühl, man kennt Leon, man kennt Lucy und würde sie gern einmal leibhaftig vor sich sehen, selber versuchen, ob eine gedankliche Verbindung zu Stande käme mit ihr. Mich hat begeistert, wie ich als Leser in den Sog der Geschichte gezogen wurde, wie mein Kopfkino auf Hochtouren lief, während Leon und Carima sich näher kommen, während sie zwar nicht die Welt, aber doch einen klitzekleinen Teil davon versuchen zu retten und zu bewahren.

 

Nicht von der Hand zu weisen ist, dass das Thema Ausbeutung der Meere und der Umgang mit seinen Bewohnern brandaktuell ist und eigentlich jeden von uns aufrütteln sollte. Umso mehr bin ich dafür, dass dieses Buch und seine Geschichte vielleicht in Schulen gelesen werden sollte. Es wäre eine schöne Möglichkeit, Jugendliche zu erreichen und somit für die Zukunft vielleicht etwas zu bewirken.

 

Vielen Dank an Sabine K. für diese wundervolle Gastrezension!

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