Mark und Rowan Sommerset – Alles gut, Kleiner!

Alles gut, Kleiner

Zwei Krabbeltierchen leben auf unterschiedlichen Seiten eines grünen Blattes. Während das rote Krabbeltierchen  frohen Mutes in die Welt blickt, fürchtet sich das blaue Krabbeltierchen über die Grenzen des Blattes hinauszuschauen und bemitleidet sich selbst. Auch nach mehrfacher Aufforderung des roten Krabbeltierchens die Schattenseite des Blattes zu verlassen, jammert das blaue Krabbeltierchen:
Ach, ich weiß  nicht, ich weiß nicht,
ob ich das kann.
Auch die große Sehnsucht nach Sonne kann die Angst nicht dämmen und so wartet das blaue Krabbeltierchen bis die Erlösung durch für ihn nicht zu beeinflussende Begebenheiten bewirkt wird.

Ein unauffälliges, grünliches Buch im Querformat mit wundervoll ausgestanzten Einzelheiten und meisterhaften Reimen trägt eine gewichtige Botschaft. Das blaue Krabbeltierchen leidet an einer scheinbar „erlernten Hilflosigkeit“. Dieses psychologische Konzept dient der Erklärung von Depressionen und Angstzuständen. Das blaue Krabbeltierchen glaubt nicht daran etwas aus eigener Kraft bewirken oder überwinden zu können. Er kann die als unangenehm erlebten Zustände nicht abstellen, obwohl er es könnte, betrachtet vor allem aus der Sicht des roten Krabbeltierchens.

Diese beiden Krabbeltierchen könnten nicht unterschiedlicher sein. Das mutige, rot leuchtende Krabbeltierchen nimmt sein Leben in die Hand, agiert selbstbewusst und „liebt die Aussicht“. Das blaue, ängstliche, unsichere Krabbeltierchen dagegen traut sich nur wenig zu, versinkt in Selbstmitleid und schiebt die negativen Zustände seinem Schicksal zu, auf das er angeblich keinen Einfluss nehmen kann. Trotz zahlreicher Hilfsangebote seines Freundes kann er seinem Elend nicht entfliehen.

Doch Freiheit und Hoffnung sind in Sicht, auch wenn sie leider nicht von dem blauen Krabbeltierchen selbst herbeigeführt werden. Die Hoffnung bleibt, dass er zukünftig seine Ängste überwindet und seine Probleme selbst anpackt.

Alles gut, Kleiner!

„Ist das Glas halb voll oder halb leer?“ – Ein Bilderbuch für kleine Optimisten und die, die es werden möchten. Man muss sich nur trauen!

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Anton Poitier und Sophia Touliatou – KrokoNil und ZebraFant

KrokoNil und ZebraFant

In diesem bunten Bilderbuch für Kinder ab 3 Jahren, verstecken sich insgesamt 4 Tiere. Mit einem lustigen Reim stellen sie sich vor, nennen ihre besonderen Eigenschaften und was sie als Tier ausmacht. Nun gilt es hinter den folgenden vier Lamellen-Klappen, durch die der Leser lediglich ein Augenpaar sieht, das richtige Tier auszumachen.  Das Suchsel wird stets durch die wiederkehrende Fragestellung „Ist (der Elefant) hier?“ eingeleitet.

Auf der letzten Seite wird der Leser zum erneuten Lesen mithilfe einer herausfordernden Frage animiert. Hier ist nun die Merkfähigkeit der Kleinen gefragt. Welche vier Tiere hatten sich noch einmal beim Löwen nebeneinander versteckt? Auch das Zählvermögen wird trainiert und die Kinder dazu angeregt die Gesamtzahl der im Buch abgebildeten Tiere zu nennen.

Dieses Bilderbuch erinnert mich von der Aufmachung sehr stark an „Kuckuck, wen bin ich?“ von Guido van Genechten. Auch hier werden Klappen integriert, die bei Kindern das Äußern von Vermutungen anstreben. Sehr bald werden die Kinder schlussfolgern können, dass das richtige Tier sich natürlich hinter der letzten Klappe verbirgt. Aber auch das ist eine Erkenntnis, die bei Kleinkindern eine große Denkleistung voraussetzt.

Ganz nebenbei wird die Behaltensleistung trainiert, indem die Kinder sich die Tiere merken sollen. Auch das Sprachgefühl wird durch die Reime erweitert und die Kinder anhand der sehr einfachen Phrasen zum Mitsprechen motiviert. Die sehr aufmerksamen Betrachter entdecken sicherlich schon bald den winzigen Vogel, der durch das Bilderbuch führt und mal hier, mal da auftaucht.

Positiv anzumerken ist außerdem die Einbindung von einigen nicht ganz so bekannten Tieren, wie z.B. dem Gnu oder dem Tukan. So kann auch der Wortschatz und das Weltwissen extendiert und evtl. vertieft  werden:  Wo leben diese Tiere? Was fressen sie? etc.

Lediglich der Buchtitel hat mich etwas verwirrt. Anhand der Bezeichnungen „KrokoNil“ und „ZebraFant“ könnte man fäschlicherweise mutmaßen, dass sich das Buch auf Wortverschmelzungen und Sprachspiele konzentriert.

KrokoNil und ZebraFant

Der Löwe hier hat scharfe Zähne.

Er schüttelt seine Zottelmähne.

Sein Blick ist ernst, doch insgeheim

mag er auch mal albern sein.

Ein Bilderbuch zum Suchen, Anstellen von Vermutungen, Mitsprechen, Zählen, Erinnern, Merken und Spaß haben!

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Shaun Tan – Der rote Baum

Manchmal beginnt der Tag ohne Aussicht auf etwas Schönes

Das kleine Mädchen mit den rötlichen Haaren erwacht in ihrem Zimmer und sieht wie es sich immer weiter mit schwarzen Blättern füllt. Sie begibt sich in die Stadt und schleppt sich mit einem hängenden Kopf von einem dunklen und traurigen Ungeheuer bzw. Ort zum nächsten. Jeder ist so mit sich selbst beschäftigt, dass die Protagonistin die Welt als eine „taube Maschine“ bezeichnet. Sie wird mit einer Flut an Problemen mitgerissen, die alle auf einmal auf sie einprasseln. In dieser Situation hat man kein Auge mehr für das Schöne um einen herum und beginnt an sich selbst zu zweifeln. Als das Mädchen in ihr Zimmer zurückkehrt, erblickt sie jedoch Hoffnung und es strömt wieder etwas mehr Licht hinein.

Shaun Tan hat ein poetisches Werk zum Thema Traurigkeit, Niedergeschlagenheit, Depression und Burnout geschaffen. Das kleine Mädchen, ohne ein wirklich wahrnehmbares Gesicht, kann für jeden von uns stehen. Ihre Augen sind meist geschlossen und das Gesicht dem Boden entgegen gerichtet. Ihre Traurigkeit lässt sich an ihrer ganzen Körperhaltung ablesen. Die Verbildlichung der inneren Leere einer ausweglosen Situation ist künstlerisch auf höchstem Niveau eingefangen. Wir entdecken das Mädchen mit einer bleiernen Tauchermaske am Meeresgrund, eingeschlossen in einer Flasche. Die Welt wird als ein verrostetes Metallmonster dargestellt, verschachtelt, zertrümmert, ausweglos. Jedes Bild für sich, ist ein wahres Kunstwerk und besonders die vorletzte Illustration hat mich beim ersten Durchblättern für sich eingenommen und vollkommen fasziniert.

Doch in all diesen sorgenvollen, dunklen und beklemmenden Darstellungen wird das Mädchen stets von einem roten Blatt begleitet. Es schwirrt immer irgendwo im Bild umher und setzt unter den grauen und trostlosen Farben seinen Akzent eines Hoffnungsschimmers. Die Inszenierung des behutsamen Spiels von Licht und Schatten und dem damit verbundenen hoffnungsvollen Endes, ist mehr als beeindruckend.

Dieses melancholische Bilderbuch bedarf bei Kindern eine behutsame Herangehensweise und soll insbesondere darauf fokussieren, dass „auf jeden Regen Sonnenschein folgt“. Dunkle Augenblicke gehören zum Lebens ebenso dazu, wie die Hoffnung, die uns erlöst. Künstlerisch interessierende Erwachsene werden eine besondere Freude mit diesem Astrid Lindgren Memorial Award ausgezeichneten Bilderbuch haben.

Melancholisch, poetisch, philosophisch, einfach meisterhaft!

https://papillionisliest.files.wordpress.com/2010/07/5-stars1.jpg?w=600(* mit Extrasternchen)

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Rachel Ward – Numbers: Den Tod im Griff

Das Finale der Trilogie spielt im Jahre 2030 und hat weiterhin Adam und Sarah als Protagonisten. Nach der großen Katastrophe in London ist Adam kein Unbekannter mehr. Auch zwei Jahre danach beherrscht  Chaos die Stadt und Sarah und Adam kämpfen jeden Tag um das Überleben. Im Wald haben sie zunächst eine sichere Bleibe gefunden und Menschen, denen sie vertrauen können, wären da nicht die Drachen auf den Motorrädern. Die Regierung ist Adam auf der Spur und möchte seine Gabe für bestimmte Zwecke nutzen. Als Adam sich weigert zu kooperieren, wird er gezwungen in eine grausame Welt voller Qual, Selbstsucht und Ungerechtigkeit einzutauchen. Das Entkommen scheint unmöglich …

Ich hatte zuvor die Befürchtung, dass die Protagonisten durch die nächste Generation, wie es im zweiten Band der Fall war, ausgetauscht werden würden. Umso erleichterter war ich Sarah und Adam vorzufinden. Im Verlauf des Buches konnte ich jedoch keinen wirklichen Draht mehr zu den beiden finden. Sie wirken zerrüttet, unnahbar und seelisch abgehärtet. Als Leser entfernt man sich immer weiter von ihrer Gefühlswelt und wird zum außenstehenden Beobachter.

Die Geschehnisse im Bunker empfand ich als unnötig brutal, in die Länge gezogen und viele Ereignisse haben sich wiederholt, ohne dass ich daraus einen Nutzen für die Geschichte ziehen konnte. Der Bösewicht wurde gut in die Geschichte eingebaut, sodass die Protagonisten im Vergleich nur wenig glänzen konnten, was schade ist. Auch die Bindung zwischen den beiden schien zu bröckeln und raubte den Zauber des Buches. Lediglich der Umgang mit Saul am Ende des Buches konnte noch einiges an Spannung herausreißen.

Das Integrieren eines Nachwortes bewerte ich als positiv. Hier ist das Ende jedoch so offen geblieben, dass man denken könnte, wenn man es nicht anders wüsste, es würde noch ein Band folgen.

Der Zauber der ersten beiden Bände erlosch langsam. Schade!

 

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Rachel Ward – Numbers: Den Tod vor Augen

Der zweite Band der Trilogie Numbers von Rachel Ward greift die Geschichte von Adam, Jems und Spinnes Sohn, auf und zeigt die Schwierigkeiten eines Teenagers sich in einer neuen Umgebung zurecht zu finden. Er hat die Gabe seines Vaters geerbt, das Todesdatum seiner Mitmenschen zu sehen, sobald er ihnen in die Augen schaut. Dieses Können wurde jedoch mit der Zugabe vererbt, den Todesschmerz am eigenen Leib zu spüren. Diese Tatsache macht ihm zu schaffen und er kann sich nur schwer im Haus seiner Oma und der neuen Schule einleben. Dieses Anderssein quält ihn, bis zu dem Zeitpunkt, als er Sarah kennen lernt, denn sie scheint auch anders zu sein.

Das Buch spielt im Jahr 2028 und zeigt eine komplett veränderte Welt. Den Menschen werden Chips eingesetzt, die es der Regierung ermöglichen jeden Menschen anhand von Drohnen aufzusuchen und seinen Aufenthaltsort genau zu bestimmen. Ein Entkommen ist unmöglich. Die Welt ist zu einem Überwachungssystem geworden.

Adam wird von dem immer wiederkehrendem Todesdatum vom 01012028 geplagt, denn in jedem vierten Bürger Londons sieht er es. Für ihn ist klar, ein grausames Ereignis steht an. Wird er es verhindern können? Wird er die Menschen retten können? Und welche Rolle spielt Sarah dabei?

Die Rezension über den ersten Band ist hier nachzulesen.

Dieser Band schafft es sehr gut eine Verbindung zu den Protagonisten Sarah und Adam zu knüpfen. Die Erzählsicht wird von den beiden abwechselnd gestaltet, sodass man sich sehr gut in ihre Gefühlswelt hineinversetzten kann. Die Erzählvorgänge sind rasant, ein Ereignis jagt das nächste und trotzdem bleibt genug Zeit, um mitzufiebern und die weiteren Geschehnisse vorauszusagen.

Die Idee, diese besondere Gabe mit der Darstellung einer möglichen Zukunft zu kombinieren, finde ich, wie bereits beim ersten Band, sehr gelungen. Das Spektrum wird hier nun um eine weitere Dimension der Gaben erweitert, was dem Band eine besondere Würze und Spannung verleiht und von Rachel Ward sehr gut umgesetzt wurde. Die Probleme der Jugendlichen und der Hauch an Sozialkritik sind gekonnt miteinander vernetzt.

Das Buch ist spannungsgeladen und trotzdem für meinen Geschmack zu vorhersagend. Lediglich das Ende hat mich positiv überrascht und die Erwartung auf das Finale der Trilogie steigen lassen.

Rasant, spannungsgeladen, unterhaltsam

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Dagmar Hoßfeld – Conni, Mandy und das große Wiedersehen

Die Klasse 6a wird von ihrer Lehrerin, Frau Lindwurm aka „the dragon“ mit einer aufregenden Neuigkeit überrascht. Ein Gegenbesuch in England steht an! Conni freut sich riesig endlich ihre Austauschschülerin Mandy wiederzusehen. Jeder bekommt die Aufgabe eine Liste mit 10 To-do bzw. To-see Punkten zu erstellen. Die Vorfreude ist riesig!
Ganz auf sich alleine gestellt in einem fremden Land… Auch der Ausflug nach London birgt so einige Abenteuer. Da wäre die Unberechenbare „tube“, das schreiende Kind bei Mandy zu Hause und das Liebeswirrwarr mit Phillip. Die Abschlussparty scheint perfekt, um herauszufinden ob Phillip sie denn nun auch mag…

Dieser Band ist die Fortsetzung von „Conni and the exchange student“ und Conni wird in diesem Band nun langsam erwachsen. Das Thema „Verliebtsein“ rückt immer deutlicher in den Vordergrund. Die Beschreibungen von Brighton und teilweise von London sind für diejenigen, die die beiden Städte besucht haben, eine Wonne. Man hat die Pier mit ihren Spielzeugautomaten vor Augen, die faszinierende Hauptstadt mit all ihren Besonderheiten. Die Beschreibungen der ganzen Sehenswürdigkeiten und Besonderheiten von England (Eurotunnel, Pfund, Guardwechsel etc. ) fand ich jedoch zeitweise übertrieben lehrreich. Sie wurden nicht wirklich in die Geschichte eingeflochten, sondern wirkten zu sehr aufgesetzt. Es las sich manchmal wie ein Lexikoneintrag und störte den Erzählfluss. Nichtsdestrotz ist die Handlung immer spannend gewesen, die ganzen Missgeschicke und Turbulenzen haben eine Prise Witz in die Geschichte gebracht.
Hier ist sich die Autorin wieder treu geblieben und hat die lustigen Deutsch-Englisch-Mischmasch-Phrasen miteingebunden, die Jedem ein Schmunzeln abverlangen werden.

Eine Kaufempfehlung für alle Mädchen ab 10, denen ein Austausch bevorsteht oder als Anregung für die Entscheidung dafür.


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Dagmar Hoßfeld – Conni and the exchange student

„How exciting! A British school class is coming to visit. And one of the exchange students is going to stay with Conni and her family. Canni can’t wait to meet Mandy from Brighton. She sounds really nice in the letter she has written. But when the British  kids finaly arrive Conni is in for a big surprise!“

Dagmar Hoßfeld greift genau die Themen auf, die Elfjährige eben beschäftigen: Schule, Freunde, die nervigen und manchmal auch lieben Geschwister, das Verhältnis zu den Eltern, die „cute boys“ aus der eigenen Klasse und in diesem Band besonders der Schüleraustausch mit einer britischen Schule. Dieser Band wird ab elf Jahren empfohlen, obwohl ich das sprachlich schon sehr anspruchsvoll finde. Zwar finden sich auf jeder Seite bis zu fünf Übersetzungen, doch es sind vor allem die Redewendungen, die einer genauen Erklärung bedürfen. Allerdings trägt auch der Kontext erheblich zum Verständnis bei, sodass nicht unbedingt jedes Wort verstanden werden muss, um den Sinn zu erfassen. In diesem Band wird ein sehr beruhigendes und idyllisches Familienleben beschrieben. Hier ist die Welt noch „in Ordnung“ und das ein oder andere Abenteuer in einem fremden Land, was durchaus realistisch ist, bringt die gewünschte Würze in diese Geschichte. (Davon hätte ich mir vielleicht etwas mehr gewünscht.) Es sind doch gewisse Dinge, die sich von Land zu Land unterscheiden und eine persönliche Stärke bedürfen, um damit fertig zu werden.
Was ich besonders sympathisch und unterhaltsam fand, waren die Wortfindungsschwierigkeiten und der Switch zwischen Deutsch und Englisch. Da sind so manche urwitzige Wortkreationen entstanden. Auch das symbolisiert die Realität, wenn man sich in einer fremden Sprache unterhält, fallen einem nicht sofort die richtigen Wörter ein, man muss sich nur zu helfen wissen und das können Mandy und Conni ganz wunderbar. Außerdem wird den Jugendlichen der Schüleraustausch schmackhaft gemacht und all die Ängste, die man vorher halt so hat, genommen.

Ein schönes Geschenk für Mädchen, die ihr Englisch verbessern möchten oder auf die ein Schüleraustausch zukommt.


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