Victoria Turnbull – Pandora

Pandora lebt alleine inmitten von zerbrochenen Dingen. Sie verbringt ihre Zeit damit das Verlorene und Vergessene zu flicken. Eines Tages landet ein „gebrochener“ Vogel bei ihr. Pandora wacht behutsam über ihn und päppelt ihn schließlich auf. Als er wieder zu fliegen beginnt, kehrt er täglich mit Dingen aus der ganzen Welt zurück, die Pandora in einer Kiste aufbewahrt.

Irgendwann wartet sie vergeblich auf den Vogel. Sie denkt ihr Herz würde vor lauter Einsamkeit zerspringen. Doch mit jedem Tag kehrt Licht in ihr Leben ein, denn aus der Kiste erwächst eine Pflanze, die ihre Seele wärmt. Das Leben kehrt zurück.

Rezension

Ich muss gestehen, dass mir die Tränen über die Wangen flossen. Dieses Bilderbuch, das ich eher Erwachsenen empfehlen würde, trifft ins Herz und zwar gnadenlos. Es handelt von Trauer, Schmerz, Einsamkeit und zwar so ehrlich und unbeschönigt, dass sich einem das Herz zusammen zieht. Die zarten und gedämpften Illustrationen verstärken den Effekt und spätestens wenn man sich die Bilderfolge von Pandora ansieht, die tagelang im Bett liegt und die Lebensfreude erloschen sieht, findet man sich in der Gnadenlosigkeit des Lebens wieder.

Doch aus jedem Dunkeln erwächst auch Licht. Pandora öffnet die Tür und lässt wieder Sonnenwärme in ihr Seelenleben. Aus der Kiste mit all den mitgebrachten Gegenständen, die sicherlich auch mit ihren Erfahrungen gleichgesetzt werden können, blüht neuer Lebensmut und zwar so stark und ergiebig, dass einem ein Schauer über den Rücken läuft. Man kommt nicht umhin es Pandora sehnlichst zu wünschen.

Doch nie kam jemand zu Besuch.

Es gibt viele Menschen, die sich einsam fühlen und vor allem in der Weihnachtszeit sei jedem Licht, Glück und Lebensfreude zu wünschen. Schätzt eure Liebsten und seid dankbar eure Lebenszeit mit ihnen verbringen zu dürfen. Das ist nicht selbstverständlich.

Frohe Weihnachten, liebe Leserinnen und Leser!

Blick ins Buch

Fazit

Das ist Leben: Tiefen und Höhen gehören dazu.

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Martin Widmark und Emilia Dziubak – Als Larson das Glück wiederfand

Rezension

Selten findet man eine derart gelungene Symbiose aus Wort und Bild. Martin Widmark ist es gelungen eine Illustratorin für seine Geschichte zu gewinnen, die es versteht diese gewichtige Botschaft entsprechend zu tragen. Es ist der hoffnungsvolle und äußerst subtile, stetig wachsende Schein, der dieses einzigartige Bilderbuch trägt. Bereits die Titelseite mit einem wahrhaftig warmen haptischen Erlebnis lässt ausreichend Raum für das immer stärker scheinende Hoffnungsschimmer, das sich im Laufe des Buches noch weiter ausbreitet, auch im Herzen der Leser.

Larson ist alt und einsam. Die Kinder sind längst ausgezogen und haben ihre eigenen Familien. Seine Frau ist vor geraumer Zeit verstorben. Sein Kater lässt sich seit einigen Tagen nicht mehr blicken. Im Haus sind alle Erinnerungsstücke aus glücklichen Zeiten aneinander gereiht. Das Bild mit der Sommerwiese voller Mohnblumen erinnert ihn an die erste Begegnung mit seiner Frau. In der verstaubten Bibliothek, sieht alles genauso aus wie damals, als das Haus noch mit Leben und Freude gefüllt war. Er hört sogar seine Frau sprechen, wie sie nach mehr Wein für die Sauce verlangt und muss dabei lächeln. Wehmütig geht er ins Bett und flüstert vorher noch schnell „Gute Nacht“, während er die Hand auf die Bettseite seiner Frau legt. Larson lebt in der Vergangenheit.

Doch eines Tages klingelt ein kleiner Nachbarsjunge an der Tür und übergibt Larson einen Blumentopf mit dem Wunsch, dass er sich bitte darum kümmern möge, während er mit seiner Familie verreist. Dies ist der Anfang von etwas Neuem. Diese Aufgabe lässt Larson innerlich wachsen und den Sinn im Leben wiederfinden. Das Glück kehrt allmählich zurück. Er entstaubt die Räumlichkeiten, lüftet das Haus, putzt die Fenster, begrüßt den zurück gekehrten Kater und vergisst am Abend sogar seiner Frau „Gute Nacht“ zu sagen. Er setzt sich neue Ziele, plant seinen Tag, statt einfach vor sich hin zu leben.

Der Aufbau dieser Geschichte ist eine Kunst. Wartin Widmark schafft es die Einsamkeit und die Hoffnungslosigkeit des alten Mannes so detailliert und schmerzlich realistisch zu erfassen, dass sich das Herz automatisch zusammen zieht. Ferner lässt Emilie Dziubak dem Leser durch die wirkungsvollen Bilder, die hin und wieder ganz ohne Text alleine für sich stehen, ausreichend Zeit zum Verarbeiten und Hineinspüren. Hier steckt so viel Wahres drin. Denn Schicksalsschläge gehören zum Leben dazu. Wichtig ist der Umgang damit. Hier wird gezeigt, dass in der Vergangenheit zu leben keine Lösung sein kann. Der Mensch braucht Ziele und neue Aufgaben. Der kleine Junge reicht dem alten Mann die Hand und so hoffe ich, dass dieses Bilderbuch einen Beitrag dazu leisten kann, dass wir aufmerksamer durch das Leben gehen und hier und da jemandem die Hand reichen, ein Lächeln schenken oder eben eine Blume, die so viel mehr bewirken kann, als wir es uns vielleicht denken!

Blick ins Buch

Fazit

Das schmerzliche Leben realistisch und doch so schön abgebildet: Ein Genuss, auch in Form eines Geschenkbuches!

 

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Antje Damm – Der Besuch

Elise ist ängstlich und menschenscheu. Sie bleibt daher am liebsten alleine in ihren vier Wänden. Eines Tages fliegt jedoch ein bunter Papierflieger durch das Fenster in ihre Wohnung. Schnell verbrennt sie das „seltsame Ding“ im Ofen. In der Nacht bekommt sie vor lauter Aufregung Alpträume.

Am nächsten Tag wird sie von einem Klopfen aufgeschreckt. Ein kleiner, neugieriger Junge erkundigt sich nach seinem Flieger und während er da so offen und unbekümmert spricht, muss er auch gleich aufs stille Örtchen. Ganz erstaunt und ein wenig überwältigt zeigt Elise ihm den Weg. Mit diesem überraschenden Besuch verändert sich Elises Leben.

Diese besondere Aufmachung in dem durchkomponierten Bilderbuch von Antje Damm entblättert sich langsam und gefühlvoll. Der Inhalt ist anfangs geprägt von einer umfassenden Melancholie und einer großen Schwermütigkeit. Die Farben sind trist und drückend und spiegeln die kaum vorhandene Lebensfreude der Protagonistin wider. Einsam sitzt sie in ihrer grauen Wohnung und trinkt Tee. Ihre Körperhaltung deutet an, dass sie der misslichen Lage in dem einsamen Tal nicht entkommen kann.

Mit dem unerwarteten Besuch des blauen Papierfliegers, kommt langsam wieder Farbe und Licht in ihr Leben. Antje Damm baut die Räume aus Kartonelementen nach, stellt die ausgeschnittenen Figuren hinein und fotografiert sie ab. Die Szenerien werden der Gefühlslage nach passend ausgeleuchtet und die Geschichte bekommt dadurch erstaunlich viele Tiefe. So können die Leser Seite für Seite erleben wie Elise auftaut und ihre Wohnung nun mehr Farbe und Vitalität gewinnt. Als Emil da so die Treppe hoch schlendert, zieht er einen roten Strahl hinter sich. Diese Liebe breitet sich schnell aus und verleiht Elise beim gemeinsamen Vorlesen rote Bäckchen. Letztlich erstrahlt Luises Wohnung in Regenbogenfarben!

weiterarbeit

Dieses Bilderbuch bietet vielfältige Beschäftigunsangebote. Im Kunstunterricht lässt sich der Farbwechsel in Bezug auf die Gefühlswelt interpretieren und anschließend im Schuhkarton die eigene Lieblingsszene aus einem gelesenen Buch in der Collagentechnik nachstellen. Denkbar wäre auch eigene Szenen zu einer ausgedachten Geschichte abzufotografieren und daraus ein Bilderbuch zu erstellen.

Papierflieger bieten ebenfalls eine tolle Grundlage, um das Falten in den Vordergrund zu rücken. Damit die Handlung auch sinnvoll ist, lassen sich die Papierflieger sicherlich dafür nutzen, um älteren Menschen eine Freude zu bereiten. Warum nicht einmal den Nachbarn eine kleine Botschaft in den Papierflieger schreiben und somit Lebensfreude verschenken?!

Ein Meisterstück! Danke Antje Damm!

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Ruth Wielockx – Der kleine Christbaum

Der kleine Christbaum

Bald ist Weihnachten. Das kleine Christbäumchen freut sich ganz besonders darauf dieses Jahr in einem Haushalt auf viele glückliche Kindergesichter blicken zu dürfen. Die anderen Bäume befürchten jedoch, dass er noch zu klein ist und unter ihm nicht viele Geschenke Platz finden und nicht so viele Lichter aufgehängt werden können. Nachdem der starke, der knorrige, der stärkste und der schmale Christbaum verkauft wurden, bleibt der kleine Christbaum ganz allein auf dem Platz stehen. Langsam wird es kalt und dunkel. Doch bevor der Christbaumverkäufer das Tor schließen kann, kommt noch ein letzter, ganz besonderer Käufer …

Dieses nicht nur zauberhaft illustrierte, sondern auch herzzerreißend schön erzählte Bilderbuch hat sich in mein Herz der besten Weihnachtsbücher gebrannt. Es ist sehr emotional und schildert die Sehnsucht der kleinen Tanne endlich ein richtiger Christbaum zu werden.

Mithilfe der unterschiedlichen Käufer (Bäcker, Gemüsehändler, Bürgermeister etc.) und den damit verbundenen sich wiederholenden Elementen, steigt bei den Zuhörern die Ungeduld und die Vorfreude zugleich. Voller Inbrunst sangen wir den repetitiven Zusatz „Frohe Weihnachten!“, als ein Bäumchen nach dem anderen verschwand. Auf Nachfrage waren sich die Zuhörer einig, dass natürlich auch der kleine Christbaum einen Besitzer finden wird.

Als ich die Seite aufschlug, auf dem das Bäumchen einsam im Dunklen stand und für einen Moment innehielt, sah ich gleichzeitig in über 20 fassungslose und traurige Kindergesichter. Im Klassenraum herrschte absolute Stille und Unglaubwürdigkeit. Einem Kind stiegen vor lauter Verblüffung sogar die Tränen in die Augen. Solche Vorlesemomente verdeutlichen, dass Kinder in Geschichten emotional eintauchen und durch Bilder und Sprache tief berührt werden können. Was war die Erleichterung groß, als doch noch ein Käufer auftauchte! Dies wurde mit einem kräftigen und befreienden Applaus gewürdigt.

Der kleine Christbaum

Eines der besten Weihnachtsbücher, die ich kenne!

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