Jochen Hering – Kinder brauchen Bilderbücher: Erzählförderung in Kita und Grundschule

Bilderbücher bergen viele Chancen hinsichtlich der Vermittlung von Weltwissen und  Sprachförderung von Kindern. Dieses Buch zeigt wie man möglichst viel aus den Büchern herausholen kann. Es stellt das Medium Bilderbuch erzählend-anschaulich und systematisch-fachlich vor.

Jochen Hering widmet sich zunächst der „Kunst des Erzählens“ und betont die große Gewichtigkeit dieser Fertigkeit. Das innere Lexikon wird genauso aktiviert wie die Spontanität, die Fähigkeit Zusammenhänge herzustellen, Höhepunkt voller Intensität einzubauen und Geschichten durch die Augen der anderen zu sehen. Hier werden durch die Komplexität viele unterschiedliche Fähigkeiten gefördert. Bei der theoretischen Darstellung der Erzählstruktur im Bilderbuch bedient sich der Autor zahlreicher, auch aktueller Beispiele.

Besonders gelungen ist die Zusammenstellung der Qualitätskriterien für ein „gutes Bilderbuch“, damit die Bilderbuchauswahl auf Zustimmung der Kleinen stößt. Die Beachtung der Vorlieben der Adressaten spielt natürlich auch eine große Rolle. Anschließend werden als Rahmen und Grundlage für die praktische Arbeit mit Kindern Prinzipien der Erzählförderung anhand einer Projektarbeit in der Kita dargestellt. Hier werden explizite Erzählkarten gezeigt, die dabei helfen sein Lieblingsbuch vorzustellen. Das Juwel ist wohl das letzte Praxiskapitel. Hier finden sich 9 konkrete, aufeinander aufbauende Arbeitsideen. Neben Bildimpulsen zu freiem Erzählen, steigt der Anspruch der Aufgaben bis hin zur theatralen Arbeit mit Kettengeschichten. Untermalt werden die Vorschläge stets mit passenden Bilderbuchvorschlägen, die Lust darauf machen, das Meiste  aus der Geschichte herauszuholen!

Erzählförderung im Anfangsunterricht – Instrument gegen Spracharmut bei Kindern

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80 Bild-Impulse als Erzähl- und Schreibanlässe

80 Bild-Impulse

Die 80 Impulskarten sollen durch ihre dargestellten Reize Kinder zum Nachdenken, Träumen und Fantasieren einladen. Sie können als Ausgangspunkt für freies und kreatives Schreiben dienen oder auch als Impuls für das Erzählen und Philosophieren genutzt werden. Die Karten sind nach folgenden Themen geordnet und durchnummeriert worden: „Es war einmal …“,  „Ritter und Dinosaurier“, „Piraten“, „Weltall“, „Magisch, mystisch, gruselig“, „Fremde Länder“, „Kurioses“, „Sport“, „Tierisches“, „Unterwasserwelt“, „Aus dem Alltag“.

Den Bildkarten liegt ebenfalls eine Übersicht bei, die alle Bilder im Kleinformat, für eine leichte und schnelle Handhabung,  darstellt. Die kleinen Bilder dürfen auch als Kopie in das Tagebuch, passend zu der dazu ausgedachten Geschichte, ausgeschnitten und geklebt werden. Auf der Rückseite jeder Karte sind durchschnittlich drei Fragen zum gewählten Bild festgehalten. Sie sollen das Hineindenken anregen und zum „Weiterspinnen“ motivieren.

Die Bandbreite der ausgewählten Motive beinhaltet meistens Fotografien, aber auch einige wenige Comic-Bilder und  fantastisch angehauchte Darstellungen. Hier hätte ich mir mehr Ausgewogenheit gewünscht und eventuell die Einbindung von Zeichnungen oder Wimmelbildern. Nichtsdestotrotz sind die gewählten Motive so offen oder auch verwunderlich und skurril, dass man sich dazu Gedanken machen muss. Sie lenken definitiv die Aufmerksamkeit des Betrachters auf sich.

Besonders schön sind die offenen Fragen auf der Rückseite jedes Bildes. Man kennt das ja oft, dass Kinder sich zwar ein Bild aussuchen,  aber trotzdem nicht zum Schreiben kommen. Diese Gedankenanstöße können bei manchen Kindern Wunder bewirken. Ob als Schreibimpuls in der Freiarbeitsecke, zur Anregung einer Motivverfremdung im Kunstunterricht, stummer Impuls als Einstieg in ein neues Thema, als Bündelung von spontanen Gedanken innerhalb einer Bildergalerie, die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig.

Um die Haltbarkeit der Bildkarten zu erhöhen, sollten sie auf jeden Fall laminiert werden, da sie doch ziemlich dünn sind und schnell abgegriffen aussehen können.

Tipp an die Eltern: Lassen Sie Ihr Kind ruhig zu einem beliebig ausgewählten Bild eine Geschichte erfinden. Stellen Sie als Hilfestellung alle möglichen W-Fragen, um die inhaltliche Basis weiter auszubauen. Diese Fertigkeit kann schon sehr früh trainiert werden und macht die Kleinen zu großen Geschichtenerzählern! 😉

80 Bildimpulse als Erzähl- und Schreibanlass

– Da stimmt doch was nicht? Was fällt dir auf?

– Wie werden die anderen Kamele auf dieses gestreifte Kamel reagieren? Wird es eher etwas Besonderes sein oder eher etwas so Außergewöhnliches, dass die anderen Kamele es ausgrenzen werden?

– Wie werden die Zebras reagieren, wenn sie diesem gestreiften Kamel begegnen?

Bildkarten mit außergewöhnlichen und interessanten Fotografien, die zum Nachdenken anregen, motivierende Fragen zu jedem Bild beinhalten und vielfältig im Unterricht eingesetzt werden können.

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Daniela Kulot – Malte Maulwurf und sein wundersamer Fernseher

Malte Maulwurf hat zu seinem Geburtstag von seiner Freundin Mia Maus einen wundersamen Fernseher geschenkt bekommen. Es ist sogar in HD-Qualität, hat eine Fernbedienung, doch leider keinen Ton. Das jedoch stört den Malte nicht, denn er erzählt eh lieber einfach selbst dazu. Und so kommt es, dass Malte mit seinen Freunden vor einem riesigen Aquarium sitzen und in die Welt von spannenden, fantasiereichen und bunten Geschichten eintauchen. Malte ist ein toller Geschichtenerzähler und lockt viele Zuschauer und -hörer in seine Wohnung. Als der Molch auftaucht und einen richtigen Fernseher mitbringt, sind die Freunde glücklich, denn endlich haben sie eine vernünftige Sitzgelegenheit, um weiterhin Maltes wundersamen Geschichten zu lauschen …

„Weißt du (…), wenn du wunderbunt glücklich, froh und frei bist, dann kannst du Dinge sehen, die andere nicht sehen können, und du kannst Dinge erreichen, die andere nicht erreichen können.“

In dem neuen Bilderbuch von der sehr talentierten Daniela Kulot wird das Geschichtenerzählen und die Fantasie in den Vordergrund der Geschehnisse gestellt. Malte nutzt sein Aquarium als Anlass seinen Freunden die wundersamsten Dinge zu erzählen. Mit stets offener Körperhaltung präsentiert er ihnen die Früchte seiner Fantasie und kann sie an sein stetig wachsendes Aquarium fesseln. Die Farben des anfangs kleinen und eher unscheinbaren Aquariums, werden mit Maltes Erzählungen immer prächtiger, strahlender und bunter. Seine Zuschauer hat er alsbald für sich gewonnen und lässt die Kunst des Erzählens und ihre Bedeutsamkeit aufleben, sodass der „richtige“ Fernseher dagegen sehr blass aussieht.

Daniela Kulot schneidet das Thema Medienkonsum ohne den erhobenen Zeigefinger an und zeigt, dass die Mündlichkeit und das Beisammensein in der Gesellschaft sehr wertvoll ist. Natürlich können auch bestimmte Fernsehsendungen Wissenswertes vermitteln und die Fantasie anregen, dabei kommt es jedoch auf die Art der Sendung an. Manche können die kindliche Kreativität gar beflügeln (siehe Studie von Tillmann). Doch die Kunst des Erzählens entwickelt sich nun einmal durch das Sprechen.

Hier kann das Buch wunderbar bereits in der 2. Klasse als Aufhänger für das mündliche Erzählen genommen werden. Was heißt Geschichtenerzählen? Was bewirkt das bei den Zuhörern? Was macht einen guten Geschichtenerzähler aus? Das Aquarium kann durch einen Kamishibai-Rahmen ersetzt und mit den fantasievollen Beiträgen der Kinder gefüllt werden!

Wiedereinmal ein grandioses Bilderbuch von Daniela Kulot: die  Magie des kunstvollen Geschichtenerzählens!

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