Daniela Kunkel – Das kleine WIR

Rezension

Die Figur des „kleinen WIR“ wird sicherlich vielen seit der Erstveröffentlichung im Jahre 2016 bekannt sein. Nicht nur die Geschichte, sondern auch das grüne Wesen, das Daniela Kunkel gezaubert hat, brennt sich schnell ins Herz. Das kleine WIR entsteht nämlich dort, wo Menschen sich mögen und nett zueinander sind. So kommt es, dass es eigentlich ziemlich viele WIRs gibt, wobei jedes ein bisschen anders aussieht.

Eine Gemeinsamkeit haben sie jedoch alle: Sie sind äußerst wertvoll. Ben und Emma haben genau so ein gemeinsames WIR und dürfen sich eigentlich glücklich schätzen. Es lebt in einem kleinen Häuschen, in Form eines Herzens. Streitigkeiten mag es allerdings gar nicht und wird dabei immer kleiner, schwächer und droht dann schon fast zu verschwinden. Als Ben und Emma sich in die Haare kriegen, passiert ihnen genau das. Sie begeben sich jeweils alleine auf die Suche und müssen bald feststellen, dass das WIR sich nur gemeinsam finden lässt.

Es geht hier um Gemeinschaft, Solidarität und Verbundenheit. Auch die Schönheit einer besonderen Verbindung wird ganz wunderbar und für Kinder schnell nachvollziehbar umwoben. Allerdings muss Freundschaft auch gepflegt werden, sodass man schnell zum Thema „Freunde finden und behalten“ kommt. Allzu schnell kann eine wertvolle Verbindung und damit das WIR-Gefühl zerbrechen. Den Blickwinkel vom ICH zum WIR zu lenken ist eine emotional-soziale Lernanforderung, bei der dieses Bilderbuch eine große Stütze ist. Hier erlebt man den Perspektivwechsel quasi hautnah mit. Aufeinander Rücksicht nehmen, sorgsam mit den Mitmenschen umgehen und das Gefühl von Zusammengehörigkeit pflegen, könnte nicht aktueller sein.

Das Bilderbuch begleitete uns in einer Projektwoche zum Thema „Soziales Lernen“ im Anfangsunterricht. Wir durften uns mit dem grünen Wesen 5 Tage lang intensiv beschäftigen und schauen seitdem, dass es weiterhin groß und stark bleibt. Sollte jemand an den Darstellungen zur Projektwoche oder dem Material interessiert sein, der darf dem Link folgen.

Fazit

Ein wertvolles Bilderbuch, mit einer noch wertvolleren Botschaft. Dazu ist das Wesen noch so bezaubernd!

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Dagmar Geisler – Was, wenn Eltern auseinandergehen?

Rezension

Es ist nicht so leicht, einen Anfang zu finden, um über diese Dinge zu reden.

Eine „Trennung“ oder „Scheidung“ kommt vor. Das tut allen Beteiligten weh und macht vielen Kindern Angst. Dagmar Geisler geht dieses Thema ganz behutsam an und pflanzt den inhaltlichen Samen in eine Kindergartengruppe, in der Marie den anderen Kindern erzählt, dass die Eltern ihrer Freundin sich scheiden lassen wollen. Es folgt ein spannender Austausch aus Kindersicht.

Auf der Metaebene wird zwischendurch erklärend eingestreut, dass die Liebe zwischen Mutter und Vater vergehen kann. Es wird glücklicherweise ein Unterschied zur Bindung zum Kind gemacht. Diese Art der Liebe bleibt für immer bestehen. Es wird kindgerecht der Weg bis zum schlussendlichen Auseinandergehen gezeigt.

Manchmal sitzen sie bloß da.

Manchmal weinen sie.

Manchmal streiten sie und manchmal fährt einer plötzlich weg…

Einige Kindergartenkinder werfen ein, dass deren Eltern sich auch streiten, was natürlich Angst schürt. Erfreulich ist, dass ein anderes Kind deutlich macht, dass Streit in Ordnung ist, solange sie sich vertragen. Für alle Beteiligten hilft in so einer Situation zu reden. Schließlich werden auch positive Entwicklungen aufgezeigt, die so eine Trennung mit sich bringen kann. Hier gibt es verschiedene Wege, sei es eine neue Familienkonstellation in einem Patchwork-Rahmen oder der nun wieder fröhliche Vater mit einer neuen Freundin.

Pädagogisch sinnvoll ist die Idee zum konkreten Umgang mit den Ängsten und Sorgen in Form eines „Wunschzettels“. Auch wenn die Wünsche womöglich gar nicht in Erfüllung gehen, sie sind zunächst raus und das alleine erleichtert schon ungemein. Hier wird eine Gesprächskultur forciert, die ermöglicht angstfrei und sachlich über das sensible Thema zu sprechen. Ein offener Umgang erleichtert auch Kindern die Verarbeitung und fängt sie in diesem neuen Lebensabschnitt auf.

Blick ins Buch

Fazit

Eine offene Gesprächskultur hilft, mit den Gefühlen zurecht zu kommen.

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Hanna Grubhofer – Was brauchst du?: Mit der Giraffensprache und Gewaltfreier Kommunikation Konflikte kindgerecht lösen

Rezension

Gino Giraffe fungiert als Mediator, bevor ein Streit eskalieren kann. Mit der Giraffensprache schafft es Gino im Sinne der gewaltfreien Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg, die Bedürfnisse der Beteiligten zu umreißen. Alternative Lösungsvorschläge werden auf den Mit-Mach-Seiten gesammelt, wobei immer mehrere Lösungen in Frage kommen. Das Ziel dieses DIN-A5-Büchleins ist es, Kinder darin zu bestärken, ihre Gefühle und Bedürfnisse auszusprechen, ohne wie ein Wolf zu „knurren“, indem sie anfangen zu treten oder zu schlagen.

Hier werden insgesamt 7 voneinander unabhängige Streitsituationen dargestellt. Auf der rechten Seite finden sich stets farbige Aquarellillustrationen, die völlig ohne Text auskommen. Sie lassen sich daher auch sehr gut vergrößern und zu Erzählzwecken nutzen. Bei manchen Geschichten empfiehlt es sich die Handlung frei zu erzählen, statt vorzulesen, weil man Kinder so viel mehr mitnehmen kann.

Ein Beispiel einer Streitsituationen, die im Buch aufgegriffen ist, ist die Problematik von Igel Igor, der aus vielen Herbstblättern einen Haufen für seine Höhle gebaut hat. Ziege Zita kommt angerannt und rammt ihre Hörner so sehr in den Haufen, dass die Höhle zusammen fällt. Igor Igel ist entsetzt und regt sich auf, während die Ziege sich verwirrt umschaut. Gino Giraffe kommt dazu und regt zum Nachdenken an: „Was könnt ihr jetzt machen, damit Igor einen sicheren Ort für den Winterschlaf hat und Zita sich austoben kann?“. Diese Situation ist recht alltagstauglich, wenn jemand z.B. die Sandburg eines anderen kaputt macht. Die vorgeschlagene Lösung ist dagegen etwas unbefriedigend, wenn es heißt: „Zita Ziege tobt über die Wiese und Igor Igel kümmert sich alleine um seine Höhle.“ Irgendeine Art der Wiedergutmachung wäre durchaus sinnvoll gewesen. Erfreulich ist dafür, dass auf den Mit-Mach-Seiten immer Raum für eigene Ideen bleibt.

Diese Form des wiederholten Perspektivwechsels hilft den Kindern, deutlicher und bewusster die Ursachen der Konflikte zu verstehen und gemeinsam nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen.

Blick ins Buch

 

 

Die Einübung der Giraffensprache bedarf vielfältiger Übungsmöglichkeiten. Daher empfiehlt es sich spiralcurricular das Konzept immer wieder einzubauen, um den Kindern mehr Handwerkszeug mitgeben zu können. Eine Ergänzung stellt das Material Respektvoll miteinander sprechen – Konflikten vorbeugen aus dem Verlag an der Ruhr dar, in dem 10 Trainingsmodule für den schulischen Gebrauch zusammengestellt wurden.

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Fazit

Situationsbedingte Anwendung der Giraffensprache im Sinne der gewaltfreien Kommunikation.

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Daniela Kulot – Woher kommt die Liebe?

Der schon fast philosophischen Frage nach dem Ursprung der Liebe gehen in diesem Bilderbuch von Daniela Kulot Eichhörnchen, Ente und Elch nach. Dafür befragen sie andere Tiere und bekommen entsprechend der unterschiedlichen Lebenswelt auch ganz eigene und individuelle Antworten.

So behaupten zwei Schwäne beim Formen eines Herzens mit ihren Hälsen, dass die Liebe aus dem Herzen kommt. Für den großen, alten Baum kommt die Liebe vom Himmel, in Form vom Regen. Die Regenwürmer dagegen sind sich einig, dass die Liebe aus der Erde kommt. „Die Liebe kommt von der Sonne“, antworten die Blumen überzeugend.

Und wie sie da zusammensitzen, wird es den drei Freunden ganz wunderbar wohlig warm ums Herz.

Rezension

Auch wenn die Liebe für jedes Lebewesen etwas Anderes darstellt, in einem sind sich alle einig: Sie ist essenziell! Die Interpretationen lehnen sich an die Lebensumstände der Befragten an und doch gelingt es Daniela Kulot in ihren farbenfrohen und lebendigen Illustrationen dieses ganz tief verwurzelte Glücksgefühl ins Gesicht der Tiere zu zaubern. Man kauft es ihnen ab, auch ohne eine Sekunde lang zu zögern. Die Liebe ist hautnah spürbar. Sei es alleine, zu zweit oder in einer Gemeinschaft. Sie ist da.

Dieses Bilderbuch schafft es eine Ruhe und Zufriedenheit auszustrahlen, die sehr bewegt. Und vor allem, weil es vielleicht noch wichtiger ist – Es schenkt Zuversicht. Jeder kann sie finden – in der einen oder anderen Form. Als „Regen“, „Sonne“, „aus dem Bauch“ oder „aus der Seele“, individuell und doch wesentlich. Dieses Bilderbuch ist eine Liebeserklärung an das Leben!

Blick ins Buch

Fazit

Dieses Bilderbuch ist eine Liebeserklärung an das Leben!

 

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Steve Smallman – Ein Zebra als Ehrengast

Zebra erhält von seiner Königlichen Hoheit eine schmeichelnde Einladung als Ehrengast zum Festmahl. Während Zebra ganz aus dem Häuschen ist, wird sein Freund Elefant skeptisch und vermutet, dass hinter der Einladung eine böse List steckt. Er versucht das Zebra mit jeglichen Ablenkungen von der Feier fernzuhalten. Das Zebra unterstellt dem Freund allerdings Neid und Missgunst. Wer erweist sich als klüger?

Das Thema „Freundschaft“ spielt in diesem Bilderbuch voller großformatiger, farbenfroher Illustrationen eine große Rolle. Es geht um Konkurrenzdenken, Intelligenz, Überheblichkeit, Neid, Gemeinheiten aber auch um Fürsorge und Hilfsbereitschaft. Es sind Themenbereiche aus der kindlichen Lebenswelt.

Pädagogisch wertvoll ist der Ausgang der Geschichte. Hier zeigt das Tier Mut und bedankt sich für die Hilfe und entschuldigt sich auch für sein Fehlverhalten. Es benennt genau, wofür es sich entschuldigt. Das ist oft ein weiterer Schritt in der Konfliktlösung, der vielen Kindern schwer fällt.

Am Ende des Bilderbuchs wurde die Seite „Nächste Schritte“ mit Vorschlägen für die Arbeit mit Kindern angeschlossen. Hier gibt es sämtliche Anregungen wie die Weiterarbeit mit dem Bilderbuch aussehen kann. Kinder werden zum Nachdenken angeregt, dürfen sich in die Gefühlslage der Beteiligten hineinversetzen. Konkrete Fragen sollen die Merkfähigkeit der Kinder fördern. Hier wird nach bestimmten Begrifflichkeiten gefragt und vor allem nach dem „Warum?“. Die Kinder erhalten die Gelegenheit sich eine Meinung zu bilden und diese auch zu begründen.

Eine Botschaft – zwei Interpretationen: Die Fähigkeit zwischen den Zeilen zu lesen

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Sandra Irmler und Jeanette Boetius – Fotokarten Gefühle

Fotokarten Gefühle

Wie bist du, wenn du trotzig oder bockig bist?
Wie fühlt sich Trotz im Körper an?
Hast du schon einmal aus Trotz geweint?
Wie ist es für dich, wenn andere Kinder trotzig oder bockig sind?
Sind Erwachsene auch trotzig?

In diesem Kartenset finden sich schwarz-weiße Fotokarten im DIN-A4 Format, die 30 unterschiedliche Gefühlslagen und Stimmungen darstellen. Die meisten Emotionen werden von Kindern, einige auch von Teenagern abgebildet. Auf der Rückseite befindet sich das gleiche Bild im Kleinformat, sowie die Auflösung der Gefühlsdarstellung (Interesse, Zorn, Verzweiflung, Neid, Verlegenheit, Traurigkeit, Aufregung, Gleichgültigkeit, Freude, Neugier, Erschöpfung etc.).

Da diese Karten sowohl mit Kindern im Kindergarten und der Grundschule als auch in der Erwachsenenbildung verwendet werden können, finden sich auf der Rückseite zwei Sprechblasen mit Impulsfragen für genau diese Zielgruppen. Die Fragen dienen als Anregung, um ins Gespräch über die Gefühle zu kommen und ermuntern zum Nachdenken. Das zum Gefühl passende Zitat einer bekannten Persönlichkeit regt zum Austausch an und bietet sich eher für die Arbeit mit Jugendlichen oder Erwachsenen an.

Der Fokus liegt darauf zu zeigen, dass Gefühle stets eine körperliche Reaktion hervorrufen (Verspanntheit, Herzklopfen, Zittern etc.). Bei Gefühlen gibt es immer eine Komponente, die beobachtet werden kann, um unser Gegenüber auch besser einschätzen zu können. Die Teilnehmer werden aber auch sensibilisiert besser auf sich selbst zu achten und die entsprechenden körperlichen Reaktionen besser wahrzunehmen.

Unsere Wahrnehmung zu den Gefühlen ist jedoch nicht eindeutig, sodass manche Fotokarten nicht gleich einzuordnen sind. Manche Gefühle sind auch besser in der Erwachsenenbildung aufgehoben. Da muss man evtl. vorher gut selektieren. Die Auswahl der Fotografien ist an sich  gelungen und aufgrund der nicht ganz eindeutigen Mimik auch sehr spannend für Diskussionen.

Rund um das Thema „Empathie“, „soziales Lernen“ und „Gefühle“ lassen sich die Karten prima auch als Vorstufe auf das Bilderbuch „Heute bin ich“ nutzen. Die Einsatzmöglichkeiten sind hier vielfältig und eine große Bereicherung.

Emotionale Erziehung mithilfe von Fotokarten.

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Markus Reyhani und Constanze von Kitzing – 10 kleine Miesepeter

10 kleine Miesepeter

Eine dunkle Regenwolke zieht über zehn kleine Miesepeter auf und beschert eine ordentliche Portion „schlechte Laune“. So ärgern sich zu Beginn 10 grummelige Tiere, bis sich einer doch freut und so werden es nach und nach  immer weniger. Fröhliche Lieder, rhythmische Musik, der feine Duft von Blumen und lustige Reime rauben den Tieren ihre üble Laune. Am Ende haben zehn kleine Miesepeter lieber ihren Spaß und feiern glücklich miteinander.

Die Gefühlswelt der Tiere wird in diesem Pappbilderbuch ganz schön auf den Kopf gestellt. In lustigen Reimen verabschieden sich die Tiere  von ihrer Miesepetrigkeit und wenden sich lieber der guten Laune zu. Die Illustrationen sind ganz zauberhaft und nicht allzu überladen. Es macht große Freude das glückliche Tier auf der Seite zu suchen und gleichzeitig wird die Wahrnehmung und die Empathiefähigkeit geschult. Woran erkennt man die schlecht gelaunten Tiere? Wie sehen die Augenbrauen aus, der Mund und die Körperhaltung aus? Nach dem Lesen bietet sich ein kleines Pantomime-Spiel rund um das Thema „Gefühle“ an.

Sehr amüsant ist die Zusammenstellung der Szenen, in denen die Tiere sich mürrisch verhalten: im Bett schmollen, lärmen, zanken, alleine vor sich hin muffeln. Einige Kinder werden sich sicherlich wiederfinden können. Etwas enttäuscht war ich über die Varianten zur Wiedererlangung der guten Laune. Diese war sehr beschränkt, was eventuell den Reimen geschuldet ist. Hier wäre es wichtig mit den Kindern zu thematisieren wie man die schlechte Laune wieder los wird.

10 kleine Miesepeter

Ein Gute-Laune-Buch für alle kleine Miesepeter!

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