Hans Christian Andersen und Larisa Lauber – Die beliebtesten Märchen von Hans Christian Andersen

Rezension

Märchenbücher wecken meine Sammelleidenschaft. Es gibt so viele wunderbare Exemplare, dass man sie einfach nicht mehr hergeben möchte. Das Schöne daran ist, dass man sie immer und immer wieder sehr gut lesen bzw. vorlesen kann. Märchen versprühen ihren ganz eigenen Zauber, auch wenn man sich über bestimmte Lehren in der heutigen Zeit durchaus streiten kann.

Das vorliegende Märchenbuch aus dem Magellan Verlag richtet sich an junge LeserInnen ab 4 Jahren. Die Illustrationen sind entsprechend vereinfacht, reduziert und doch ausdrucksstark. Sie überfrachten nicht und lenken vor allem nicht von dem Inhalt ab. Sie wirken verständnisunterstützend und fungieren lediglich als „Zufütterung“ der eigenen Fantasie. In diesem Band werden acht Märchen vorgestellt:

  • Das hässliche Entlein
  • Das Mädchen mit den Schwefelhölzern
  • Däumelinchen
  • Der Schweinehirt
  • Der standhafte Zinnsoldat
  • Des Kaisers neue Kleider
  • Die kleine Meerjungfrau
  • Die Prinzessin auf der Erbse

Die Kenntnis der Märchen ist allgemeines Bildungsgut. Mein Lieblingsmärchenbuch in der Kindheit war tatsächlich eine Sammlung des bekanntesten Dichters und Schriftstellers Dänemarks. Auch wenn die Hausmärchen der Brüder Grimm natürlich auch hoch und runter gelesen wurden.

Besonders gut gefallen mir hier die einleitenden Deckblätter zu den Märchen. Diese sind eine wundervolle Einstimmung auf die kommenden Leseminuten und das kognitive Abtauchen in die Geschichte. Diese können zum Zweck der Zusammenfassung genutzt werden oder aufgrund des hohen Aufforderungscharakters einfach als spontaner Erzählanlass zum Einsatz kommen.

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Fazit

Reduzierte und ausdrucksstarke Illustrationen für junge Kinder

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Otfried Preußler – Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete

Rezension

Anlässlich Preußlers 95. Geburtstag, den er im Oktober begangen hätte, veröffentlicht der Thienemann Verlag einen neuen Band vom Hotzenplotz.

Die Aufregung in diesem Abenteuerbuch für Kinder ab 6 Jahren ist groß. Wachtmeister Dimpfelmoser stellt erschrocken fest, dass der berüchtigte Räuber Hotzenplotz dem Spitzenhaus entwischt ist und das ausgerechnet als Seppel und Kasperl Pilze für Großmutters Schwammerlsuppe suchen wollen. Statt also Pilze zu suchen, beschließen die beiden sich auf die Suche nach Hotzenplotz zu begeben. Eine selbstgebaute Mondrakete soll letztendlich Hotzenplotz im Wald anlocken und ihn ein für allemal auf den Mond schießen. So weit der Plan zumindest…

Der Kultfigur „Hotzenplotz“ wurde in diesem Band eine Generalüberholung verpasst. Nicht zuletzt wegen der Illustrationen wirkt der Klassiker jünger, frischer und insgesamt frecher und lebendiger. Jede Doppelseite wird mit farbigen Illustrationen gestützt. Diese Fassung ist textlich reduzierter als das Original und soll eigentlich Kinder, die Otfried Preußler bisher nicht kennen, auf den Geschmack seiner tollen Bücher bringen. Zugegeben leidet der sprachliche Stil und die Erzählkunst, die Preußlers Bücher ausmachen, aufgrund der Knappheit der Texte. Das werden Leser, die mit Otfried Preußlers Originalbüchern aufgewachsen sind und den ganz eigenen Witz in den Formulierungen lieben, zu bemängeln wissen. Nichtsdestotrotz lässt es vielleicht auch die ältere Generation dazu bewegen ihre Schätze aus den Regalen hervorzukramen und ihren Enkeln, die nun auf den Geschmack gekommen sind, daraus vorzulesen. Das wäre allemal wünschenswert!

Die Quintessenz ist glücklicherweise immer gleich. Auch hier gewinnen die Guten mit Mut, cleveren Schachzügen und vielleicht auch einer kleinen Prise Glück. Die Bösewichte scheitern dagegen an unklugen Handlungen und törichten Gedankenmustern.

 

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Fazit

Der Klasssiker im neuen Gewand.

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Brüder Grimm – Rotkäppchen und der Wolf

Rezension

Kommen Sie näher, kommen Sie ran!

Winterzeit ist Märchenzeit – Dieses Bilderbuch aus der Feder vom Buchillustrator „Anton Lomaev“ lädt zur Aufführung eines Wandertheaters ein. So öffnen sich die Vorhänge und das Lieblingsmärchen erscheint in einer opulenten Darstellungsweise, sodass man minutenlang auf jeder Doppelseite verweilen kann und dann noch immer nicht alle Details entdeckt hat. Es animiert zum wieder und wieder darin Blättern und wird bestimmt kein Staubfänger im Regal.

Hier wird die Tradition der klassischen Buchkunst deutlich. Die Assoziation zur Märchenwelt von Disney drängt sich zu keiner Sekunde auf. Die Bilder sind aufwendig, detailreich, verschnörkelt und erinnern an französische Gemälde einer längst vergangenen Zeit.

Das Märchen vom Märchen im Märchen – Hier wird eine dreilagige Ebene von Märchen aufgebaut. Zum einen präsentiert das Wandertheater eine Inszenierung eines Märchens und zum anderen hält die Großmutter ein weiteres Märchenbuch in der Hand, sodass die Spirale gekonnt in Szene gesetzt ist und indirekt in die Welt weiterer Märchen einlädt.

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Fazit

Eine klassische Märchenadaption voller opulenter Details!

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Otfried Preußler und Daniel Napp – Die kleine Hexe: Ausflug mit Abraxas

 

 

 

 

Die kleine Hexe wohnt am Waldrand in ihrem Hexenhäuschen, gemeinsam mit ihrem Raben Abraxas. Täglich übt sie fleißig für ihre Hexenprüfung, doch das Hexen ist schwieriger als gedacht. Und so kommt es, dass es auch einmal Buttermilch regnet oder vor lauter Hexenunfug der Besen kaputt geht. Der schwarze Rabe Abraxas warnt und belehrt. So machen sich die zwei schließlich auf den Weg in die Stadt, um einen neuen Hexenbesen zu kaufen.

Und da die kleine Hexe nun bereits zweihundertdreizehn Seiten in ihrem Hexenbuch studiert hat, kann sie nicht umhin den ein oder anderen Zauberspruch auszuprobieren. Das sorgt im kleinen Städtchen für jede Menge unterhaltsamen Trubel!

Rezension

Zum 60. Jubiläum von Otfried Oreußlers „Die kleine Hexe“ erscheint nun bereits das zweite Bilderbuch über die liebenswerte Kinderbuchfigur. Erzählt wird es von Otrfied Preußlers Tochter Susanne Preußler-Bitsch und zauberhaft in ein künstlerisches Gewand verpackt von Daniel Napp, den die meisten durch seine „Dr. Brumm“-Bücher kennen werden.

Die kleine Hexe hat ihre markanten strubbligen Haare behalten. Der Rahmen ist jedoch farbenfroher, zeitgemäßer und lebendiger geworden. Großzügige Bildflächen bilden nun die Basis. Es zieht Kinder an. Es macht Spaß im Buch zu blättern, sich zu verlieren. Das Schöne ist, dass die kleine Hexe die Welt zum Besseren verändert. Den Unterdrückten und Benachteiligten muss zuweilen nachgeholfen werden, so das Märchen.

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Fazit

Ein neues Gewand in Bilderbuchform für einen Klassiker der Kinderbuchliteratur!

 

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Paul Maar und Nina Dullek – Das große Buch von Paul Maar

Rezension

Zum 80. Geburtstag von Paul Maar veröffentlicht der Oetinger Verlag ein Jubiläumsbuch mit den schönsten Geschichten des Helden der Kinderliteratur. Paul Maar begleitete mich persönlich im Laufe meiner Grundschulzeit. Meine Lehrerin schien ein großer Paul-Maar-Fan zu sein und las uns jede Frühstückspause einige Geschichten vor. Der Klassiker des frechen Sams zählte zu den beliebtesten Figuren. Die damalige Zeichnung aus dem Kunstunterricht habe ich immer noch.

Dieser große Sammelband gehört in die Kategorie „Familienbücher“. Hier werden ausgewählte Gedichte und Geschichten präsentiert, begleitet von Schwarz-weiß-Zeichnungen oder auch mal kunterbunten Illustrationen.

Es geht um Kinder, die das Erzählen von Geschichten erlernen, kleine Kängurus, die das Fliegen lernen und geheimnisvolle Dosen, die Sommer-Stimmung verbreiten. Der Hund Bello wird durch ein wundersames blaues Elixier zum Menschen, während ein paar Seiten weiter das Dilemma der Namensgebung von dreifachen Prinzen aufgezeigt wird. Die dargebotene Auswahl bietet die Möglichkeit die ein oder andere Geschichte genauer unter die Lupe zu nehmen und bei Interesse eine Anschaffung weiterer Bände vorzunehmen.

So kam ich übers Lesen zum Erzählen und schließlich zum Schreiben. Und jetzt lest ihr das, was ich geschrieben habe. So schließt sich der Kreis. (Paul Maar)

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Fazit

Ein Klassiker in einer sehr schönen Jubiläumsauflage!

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Mira Lobe und Susi Weigel – Bimbulli

Mira Lobe - Bimbulli

Annerl und Peter spielen Mutter-Vater-Kind. Für die Rolle des Kindes nähen sie kurzerhand aus einem „Fetzerl“ einen „Bimbulli“. Da dem Puppenkind ein Wagerl fehlt, wird auch dieses aus einer Knopfschachtel, Haarnadeln und zwei Knöpfen für Räder gebastelt. Beim Versteckspielen kommt das Bimbulli abhanden und erlebt nun seine eigenen Abenteuer. Nach der Begegnung mit der freundlichen Henne verspricht Bimbulli gut auf Prinz Küken aufzupassen. Doch schon bald kommt Regen auf und da beide nicht nass werden würfen, fragen sie einen Frosch, ob er ihnen nicht Unterschlupf gewähren kann. Dieser ist zuerst gar nicht so über den Besuch erfreut und als dann noch mehr Tiere Schutz suchen, reagiert er zornig. Doch die Tiere können sich schließlich auf die Gutmütigkeit des Frosches verlassen und rücken immer mehr zusammen. Doch das Wasser steigt und steigt… Werden die Freunde es sicher an Land schaffen?
Das erstmals im Jahre 1964 erschienene Bilderbuch der Erfolgsautorin Mira Lobe, die u.a. für den weltbekannten Kinderbuchklassiker „Das kleine Ich bin ich“ bekannt ist, thematisiert die Bedeutung des Zusammenhalts in einer Gemeinschaft. Die Illustratorin Susi Weigel hätte am 29. Januar 2014 ihren 100. Geburtstag gefeiert. Im Team mit Mira Lobe haben sie gemeinsam an die 40 Kinderbücher geschaffen. Die Illustrationen wechseln sich hier in ihrer Farbgebung stets ab. Neben schwarz-weiß Abbildungen tauchen auf jeder zweiten Seite farbige, großflächige Darstellungen auf.
„Bimbulli“ ist unternehmungslustig und fungiert als Wertevermittler in der Fantasiewelt von Kindern. Pädagogisch wertvoll und immer noch aktuell ist die kreative Erschaffung der Puppe aus einem Stoffstück von den Kindern. Aus einfachen Mitteln wird beispielhaft gezeigt, wie aus einem Stück Stoff und ein bisschen Watte ein Puppenkind gemacht werden kann. Passend dazu findet sich im Buch eine genaue Anleitung für das Nähen eines eigenen „Bimbulli“.
bimbulli
Durch Bimbulli wird der grantige und missmutige Frosch nett und freundlich. Diese Abenteuerreise zeigt, dass Egoismus nicht siegen kann und man es mit Gemeinschaftssinn schlussendlich weiter bringt. Man kommt nicht umhin das kleine „Etwas“ mit dem tollen Namen „Bimbulli“ ins Herz zu schließen. Das Such-Wimmelbild macht den Kindern am meisten Spaß (siehe Bild unten). Wo versteckt sich bloß das Bimbulli? Hier darf man sich in den tollen Illustrationen von Susi Weigel verlieren und die nostalgische Note genießen.
Bimbulli
Dieses Bilderbuch ist ein zeitloser Klassiker und schließt Kreativität, Fantasie, Gemeinschaftssinn und Freundschaft ein.

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Pam Adams – There was an old lady who swallowed a fly

Nach der Rezension dieses Klassikers in deutscher Sprache, stelle ich euch heute das englische Pendant vor:

Die alte Dame isst für ihr Leben gern. Nach einer Fliege verschluckt sie eine Spinne, um die Fliege zu fangen. Dabei ist sie längst noch nicht satt. Und so landen in ihrem Bauch noch weitere immer größere Tiere. Kann das gut gehen? Ich glaube ihr kennt die Antwort … „perhaps she’ll die“ …

Die Aufmachung dieser Ausgabe ist kindgerecht gestaltet und fällt durch bunte und sehr knallige Farbgebungen auf. Der Bauch der alten Dame wurde ausgestanzt, sodass der Leser mit jedem verschlungenen Tier die Vergrößerung des Bauchs nachvollziehen kann.

Die Geschichte des nursery rhymes mag vielleicht etwas makaber wirken. Es steckt auch kein wirklich tiefer Sinn dahinter. Allerdings ist es ein fester Bestandteil der englischsprachigen Kultur und alle Kindergartenkinder kennen diese Geschichte. Außerdem lässt es sich gut nachspielen und pantomimisch darstellen.

Es kann als Überleitung zum Themenbereich „food“ dienen. Oder man thematisiert mithilfe der Geschichte die Gefahren des Verschluckens von nicht essbaren Dingen.

Material

Hier können die SuS ihrer Kreativität freien Lauf lassen und Dinge aufscheiben oder aufmalen, die sie als eine alte Oma gerne schlucken würden. Der Wortschatzbereich „Obst, Gemüse“ kann genauso aktiviert werden, wie die weltlichen Dinge, die die Kinder täglich umgeben. Die Ergebnisse werden sicherlich lustig werden.

Viel Spaß damit!

(PS: Über Rückmeldungen über den Einsatz der Unterichtsmaterialien würde ich mich sehr freuen!)


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Passend zu Thanksgiving schluckt in diesem Buch die „old Lady“ einen Thanksgiving pie. Der ist allerdings so trocken, dass sie beschließ mit ein wenig „cider“ nachzugießen. Und da die „Thanksgiving foods“ so furchtbar lecker sind, verschlingt sie außerdem noch squashes, salad und schließlich einen riesigen „turkey“ … bis nun ja .. sie aussieht wie ein „giant balloon“.

Eine sehr humorvolle Abwandlung des Klassikers, die den Fokus auf die „Thanksgiving foods“ legt.

Otfried Preußler – Krabat

Krabat ist ein Waisenjunge und lernt während seiner Lehrzeit als Müllerjunge bei seinem Meister die Kunst der schwarzen Magie. Die Mühle entpuppt sich schnell als eine Zauberschule, die mit viel Arbeit, Mühsal und Magie verbunden ist. In der Bruderschaft findet er jedoch auch wahre Freunde, die ihm Kraft geben und den Wunsch nach Freiheit verstärken. Doch nur die schöne Kantorka kann in Karbat den wahren Willen wecken sich gegen die schwarze Magie und seinen Lehrmeister aufzulehnen und ihn entgültig zu vernichten.

Ein Klassiker unter den Kinder- bzw. Jugendbüchern, der nicht unumstritten ist und doch mit zahlreichen Preisen überhäuft wurde. Die kürzliche Debatte über die Einbindung der Ganzschrift in den Unterricht habe ich mit Interesse verfolgt und doch würde ich dafür stimmen. Denn hier wird der Dualismus zwischen Gut und Böse hervorragend in den Blickpunkt gerückt. Denn Krabat ist zwischen zwei Welten gefangen. Da ist einerseits die reale Welt, aus der Krabat ursprünglich kommt und die boshafte und dunkle Zauberwelt in der Mühle. Diese beiden Welten können wunderbar einander gegenüber gestellt  und mithilfe eines Plakats präsentiert werden: Betteln vs. Magie, kein Zuhause vs. notdürftige Unterkunft, keine Eltern vs. Bruderschaft, Religion und Glaube vs. schwarze Magie, Frauen und Männer vs. reine Männergesellschaft. Das Buch bietet viel Diskussionsstoff.

Auch der vor einigen Jahren herausgebrachte Film darf integriert werden, den ich durchaus gelungen finde. Hier lassen sich Rollenspiele und Standbilder sehr gut miteinbinden. Auch die Begriffe Mythe, Sage und Märchen können anhand des Films aufgefrischt und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausgestellt werden. Schließlich können die SuS sich der Aufgabe widmen zu begründen, weshalb Krabat weder Mythos, Sage noch ein Märchen ist … Zu diesem Buch gibt es ein Fülle an tollen Arbeitsanregungen und das deutet auf ein gutes Buch hin!

Eine ausführlichere Inhaltsangabe ist u.a. auch hier zu  finden.

Ein Kinderbuchveteran und das zu recht!

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