Emmanuelle Figueras und Claire de Gastold – Was riecht eigentlich die Schnecke?

Rezension

„Was riecht eigentlich die Schnecke?“ widmet sich dem Geruchssinn der Tiere auf eine recht unterhaltsame Art und Weise. Es beweist wieder einmal, dass Kindersachbücher keinesfalls trocken zu sein brauchen und trumpft mit fantastischen und spannenden Fakten auf.

Dabei geht es nicht ausschließlich um die Schnecke, sondern um tierische Riechorgane allgemein. So erfahren wir hinter den interaktiven Klappen, dass viele Tiere über Duftstoffe miteinander kommunizieren und dass ein Elefant der Weltmeister der Spürnasen ist. Die Naturwelt bringt Glanzleistungen hervor und so kommt es, dass Kaninchenmilch ein Pheromon enthält, um Kaninchenbabys augenblicklich zur Zitze der Mutter zu locken. Darüber hinaus verbessert Hunger den Geruchssinn und spornt Tiere zur Höchstleistung an. Der Geruchssinn hat viele Funktionen, sei es Orientierung, Futtersuche, Paarungsverhalten, Verteidigungsinstrument, Alarmanlage, Ortungssystem oder Schutzfunktion. Für viele Tiere ist er zum Überleben unentbehrlich.

Die kindgerechten und gut verständlichen Texte werden von großformatigen, in bedeckten Farben gehaltenen Illustrationen begleitet. Der Fokus liegt auch hier auf ungewöhnlichen Perspektiven, sodass wir den Sternmull von unten beobachten können und staunen wie seine rosa Zottelnase mit den 22 sternförmigen Nasententakeln aussieht.

Blick ins Buch

Fazit

Für alle naturbegeisterte Kinder, die Nischeninformationen mögen, ein Muss!

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Anita Ganeri und Michael Mullan – Bis ans Ende der Welt

Rezension

Die kindliche Faszination für Entdeckung, Erkundung und Erforschung ist ungebrochen. Schließlich gehört es zu ihrer täglichen Aufgabe von Geburt an, sich die Welt zu erschließen. „Bis ans Ende der Welt“ stellt 22 mutige Entdeckerinnen und Entdecker aus allen Erdteilen und Epochen ausführlich vor und zeigt dass zum Aufbrechen Mut, Neugierde und eine ordentliche Portion wissbegierigen Drangs dazugehört.

Dieses Kindersachbuch stellt auf jeder Doppelseite einen wagemutigen Entdecker vor – beginnend mit Hanno dem Seefahrer aus dem alten Karthago, über Christoph Kolumbus bis hin zu Neil Armstrong, der sogar den Raum außerhalb der Erde erkundete. In der Einleitung wird zunächst auf die Gründe der Entdeckungsreisen eingegangen, neben der Abenteuerlust wurden die berühmten Persönlichkeiten auch von der Suche nach Schätzen getrieben oder reisten im Zeichen der Religion. Erfreulich ist die Einbindung der methodischen Vorgehensweise zum richtigen Lesen von Karten und Legenden. Es folgen Erläuterungen zu den verwendeten Symbolen und weiteren Orientierungshilfen.

In den biografischen Beschreibungen wird auf das Leben jeder Persönlichkeit eingegangen und wichtige Informationen zu den Expeditionen gegeben. Die Texte sind kindgerecht verfasst, gut verständlich und werden von prägnanten, den Infotext unterstützenden Illustrationen, begleitet. Die einzelnen Stationen sind durchnummeriert und mit Pfeilen versehen, sodass man als Leser gefühlt mitreist und nacherlebt, welche Hindernisse sich den Pionieren in den Weg stellten.

Dieses Kindersachbuch trägt enorm zur Erweiterung des Allgemeinwissens bei. Es stößt Gedankenflüsse an, regt zum Hinterfragen und dem Auseinandersetzen mit der Materie an. Der folgende Hinweis brachte einen 8-jährigen Leser dazu, sich eingehender mit den Sternen zu beschäftigen und zu erfahren, wie der Polarstern die Himmelsrichtung verrät.

Die Seefahrer hatten keinen Kompass, für die Navigation waren sie allein auf die Sterne angewiesen (S.8).

Die Autoren lassen unterhaltsame „Fun Facts“ gekonnt einfließen und schrecken nicht davor zurück auch kritisch auf manche der damaligen Begebenheiten zu blicken. So wird z.B. die Umstrittigkeit von Kolumbus erwähnt, da er mitverantwortlich für den furchtbaren Umgang mit den Einheimischen war. Die Infobox „Vermächtnis“ subsummiert die bedeutendsten Fakten, die man mit dem Entdecker und Eroberer in Verbindung bringt und fasst komprimiert das Wichtigste zusammen. Im Verlauf der Entdeckungen und der Zeit, erfährt der Adressat mit jedem Entdecker und Forscher eine Unmenge an spannenden Entwicklungen, die uns bis heute prägen und unser Leben beeinflussen.

Blick ins Buch

Fazit

Eine Wissensquelle für Geschichte, die bedeutende Ereignisse anreißt.

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François Lasserre und Anne de Angelis – Das Museum der Insekten

Rezension

Dieses Sachbuch ist aus der Feder eines Insektenforschers, genau genommen eines Entomologen und ist so gar nicht, entgegen der Erwartung, mit Sachwissen überfrachtet. Ganz im Gegenteil, der Autor begegnet den jungen Lesern auf Augenhöhe und wählt gezielt die „Ich-Form“ bei seinen Erzählungen. In leicht verständlicher Sprache animiert er die Kinder sich in der Natur selbst umzuschauen und auf Entdeckung zu gehen.

Hier und da lässt er Auffälligkeiten einstreuen, verzichtet jedoch gänzlich auf Lexikon-Beiträge. Es handelt sich mehr um „Fun Facts“ rund um Insekten. Beeindruckend ist dieses Liebhaberbuch durch die äußerst gut gewählte Typografie und die ästhetische Ausnutzung der freien Flächen. Die Illustratorin weckt mit ihren Zeichnungen das Interesse und vor allem die Skizzen und die unfertigen Zeichnungen sind beeindruckend. Hier werden noch mehr Details sichtbar als man es in einer farblichen Darstellung festzuhalten vermag. Man findet hier „Feuerwanzen“, „Hirschkäfer“, „Stubenfliegen“ aber auch die „Gottesanbeterin“ und staunt über die ein oder andere Fähigkeit dieser Erdbewohner.

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Fazit

Fantastische Illustrationen, mit Witz erzählt.

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Carsten Eichler – Greta, Lotti & Bauer Hansen

Bauer Hansen ist überarbeitet und sehnt sich nach dem Meer. Das ganze Jahr über steht er früh auf und kümmert sich zuverlässig um seine Bauernhoftiere. Doch es kommt der Tag, an dem er lustlos auf seinem Brötchen kaut und am liebsten im Bett bleiben wollen würde.

Seinen Kühen Greta und Lotti entgeht diese Unlust nicht und so werkeln sie heimlich im Zelt und bereiten für ihren Bauern eine Überraschung vor. Ein Fortbewegungsmittel soll es sein, eins das Bauer Hansen schnell zum Meer bringen wird.

Die Thematik spricht vielen Menschen, ob Groß oder Klein, zum Beginn der Sommerferien aus dem Herzen. Der Wunsch nach Erholung wird immer größer und auch das Fernweh nimmt zu.

„Er ist tatsächlich am Meer. Nach so langer Zeit. Bis zum Knöchel steht er im Wasser und hält die Nase in die salzige Seeluft.“

Dieses Bilderbuch weist einen Illustrationsstil auf, der mich an „Shaun, das Schaf“ denken lässt. Diese Assoziation drängt sich förmlich auf, denn auch in diesem Buch sind die Protagonisten und alle weiteren Elemente aus Knete, Fimo und Modelliermasse geformt. Der Illustrationsstil ist zeitaufwändig und die Detailverliebtheit des Autors bleibt nicht lange verborgen. Die Schrift ist vergleichsweise klein, sodass die Bilder noch mehr Raum zum Wirken bekommen. Mein Lieblingsbild ist die Szene der drei mit den Füßen im Wasser. Das Wasser in Form einer Folie drapiert und die vergrößerten Füße sind ein Augenschmaus. Der 3-D-Effekt vermittelt eine tolle plastische Räumlichkeit und das Gefühl die Figuren zum Greifen nah zu haben.

weiterarbeit

Mit diesem Bilderbuch ist der Aufhänger für eigene „Stop-Motion-Filme“ gegeben. Bild für Bild fotografieren die Kinder mithilfe einer Kamera die kleinsten Veränderungen in den Bewegungsabläufen der Figuren. Beim schnellen Ablaufen der Fotos beginnt im fertigen Trickfilm alles zu leben, so ähnlich wie beim Daumenkino.

Schnell ans Meer! Ein Bilderbuch zum Sattsehen.

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Antony Penrose – Als Miró die Tiere neu erfand

Als Miró die Tiere neu erfand - Kunst Grundschule

Die Eltern des Autors waren mit dem Künstler Joan Miró befreundet. Oft verbrachte er einige Tage auf dem Hof seiner Freunde, wo ihn der kleine Tony kennen lernte. Der bekannte Künstler wird in diesem Sachbuch „Als Miró die Tiere neu erfand“ aus der Sicht des kleinen Jungen beschrieben. So ist ein ungewöhnliches Porträt entstanden, mit privaten Einblicken von intimen Momenten. Fotografien aus dem Familienalbum zeigen den bekannten Künstler in entspannten Momenten unter Freunden. Der Eintrag im Gästebuch ist unverkennbar Mirós Handschrift.

Dem Jungen fiel schon bald auf, dass Miró seine Umwelt ganz genau beobachtete, vor allem die Tiere auf dem Hof. Auch Zoobesuche unternahmen die befreundeten Familien, wo Miró sich ebenfalls inspirieren ließ. Hier und da finden sich miró-ähnliche Tiere, gemalt von Kindern, im Buch wider. Mal ist eine Bleistiftskizze, mal ein doppelseitiges Gemälde. Die Kinderkunst wird mit den Werken des großen Künstlers gleich gestellt. Gleichzeitig betont Tony, dass Miró stets die Augen offen hielt und mit der Neugierde und Unverfänglichkeit eines Kindes malte.

Joan Miró Surrealismus

Intime Einblicke in das Privatleben eines Künstlers.

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Jeremy Holmes – Eine alte Dame schluckte ’ne Mücke

„Eine alte Dame verschluckt eine Mücke. Und eine Spinne. Und einen Reiher. Und eine Katze. Und einen Hund. Und eine Schlange. Und einen Stier. Und ein Pferd. Weißt du was am Ende passiert? Aber natürlich weißt du das!“

Den nursery rhyme mit dem Originaltitel There was an old lady kenne ich aus dem Englischunterricht der Grundschule. Diese Geschichte lässt sich wunderbar mit Mimik und Gestik vortragen. Durch die vielen Wiederholungen behalten die Kinder den Wortschatz sehr schnell und schauen sehr erstaunt und aufmerksam zu und machen schon sehr bald mit. Das Herumfliegen einer Fliege im Bauch und auch das Herunterschlucken ist für das gestische Vortragen prädestiniert.
Wenn man das Original kennt, hat die Übersetzung es meist schwer. Doch ich muss zugeben, dass diese Version auch seinen ganz eigenen Charme aufweist. Die Geschichte reimt sich und der Aufbau erinnert an das „Ich packe meinen Koffer und nehme mit …“ Spiel. Die verschluckten Tiere werden so noch einmal wiederholt und das neue Tier hinzugefügt. Besonders schön finde ich, dass die Originalfassung auf Englisch auf dem Buch ebenfalls in Zeitungsform abgebildet ist und zwar auf der Vorder- und Rückseite auf dem jeweils unteren Teil des Buches.

Die Gestaltung dieses besonderen Buches hat es ebenfalls in sich. Der Mantel der alten Dame lässt sich ausziehen und die Knöpfe, die Taschen, das Buch und die Arme heben sich spürbar hervor, sodass man die einzelnen Elemente ertasten kann, wenn man mit den Fingern darüberfährt. Dann entdeckt man die alte Dame in quasi drei Teilen, da wäre einmal der Kopf, von dem hauptsächlich die Augen hervorstechen, der Bauch, der die Blätter beinhaltet und die Füße, die an sich keine weitere Funktion erfüllen. Die Farben sind eher düster, in dunkelgrün, grau und braun gehalten.

Vom Inhalt ist die Geschichte natürlich nicht für jedes Kind geeignet, doch aus Erfahrung weiß ich, dass die Kinder und da vor allem die Jungen davon sehr angetan sind und begeistert mitmachen. Wenn man die letzte Seite des Buches umblättert, schließt die old lady ihre Augen und verdeutlicht so, dass ihre letzte Stunde geschlagen ist und sie das Pferd doch nicht hätte essen dürfen. Die Geschichte ist natürlich sehr absurd und makaber zugleich, aber genau das macht es so besonders. Doch diese interaktive Form des Buches macht die Geschichte bei jedem Lesen auf eine hinreißende Weise lebendig und das immer wieder aufs Neue.

Dieses Buch ist ein wahrer Schatz und für Bücherliebhaber ein Muss!

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Richard Powers und Phyllis Richardson – Living Modern

„Die klassische Moderne hat wie keine andere Stilrichtung unsere Vorstellung von Einrichtung und Design geprägt. Doch wie vielschichtig sich das moderne Wohnen zuletzt weiterentwickelt hat, wie viele Einflüsse es aufgenommen hat, ist in Living Modern zu finden.

Traumhafte Wohnungen und Häuser aus der ganzen Welt zeigen dabei die vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten bei Einrichtungen, der Einteilung von Wohnbereichen und Funktionen sowie Raumelementen und gleichermaßen innovative und traditionelle Materialien und Oberflächen. Living Modern ist der ultimative Interior-Guide zum neuen Wohnen und bietet Anregungen für alle Einrichtungsstile von exotisch über mediterran bis hin zum urbanen Wohnen.“

Living Modern befasst sich, wie der Name schon sagt, mit der Stilrichtung der Moderne. Ihre vielfältige Weiterentwicklung wird anhand von unterschiedlichen Stilvarianten dargelegt – vom Minimalismus über Landhaus, Retro bis hin zum Stilmix findet hier der Leser viele Anregungen.

Anders als die meisten Wohnbücher ist der Interior-Guide nicht nach Objekten, sondern nach Themen gegliedert. Es sind insgesamt 10 verschiedene Rubriken, angefangen mit der Rubrik  Stil über Material, Oberflächen bis hin zur Atmosphäre und Möbel,  leiten den Leser direkt zu seinem Interessenschwerpunkt.  Bereichert wird das Buch durch die zahlreichen Fotografien von Richard Powers, vom Klein- bis Großformat, abgedruckt auf sehr edlem Papier, stets übersichtlich und ansprechend. Wer einfach mal blättern möchte kommt also auf seine Kosten. Es lohnt sich aber auch die begleitenden Texte zu den Bildern durchzulesen. Die Lifestyle-Autorin Phyllis Richardson fasst sich kurz, treffend und für jeden Laien verständlich. Der ein oder andere Sachkenner unter uns wird vielleicht die Pläne zu diesen traumhaften Wohnungen und Häusern vermissen, aber bei diesem gelungenen Exemplar kann man darüber hinwegsehen.

Das Layout mit über 700 Fotos und erklärenden Texten ist schlicht und übersichtlich gestaltet. Die begleitenden Texte sind nicht direkt den Bildern zugeordnet, aber  da diese recht kurz gefasst sind, findet sich der Leser durch Hinweise der Autorin schnell zurecht.

Mich hat das Buch absolut überzeugt. Bereits beim ersten Durchblättern wird man durch die wundervollen Fotografien von Richard Powers in den Bann gezogen. Eine Inspiration jagt die nächste. Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis lohnt sich, denn hier findet man sich schnell zurecht. Die wichtigsten Aspekte sind in Rubriken eingeteilt. Das Layout ist klar und übersichtlich und auch die Texte der Lifestyle-Autorin überzeugen.