Steve Smallman – Ein Zebra als Ehrengast

Zebra erhält von seiner Königlichen Hoheit eine schmeichelnde Einladung als Ehrengast zum Festmahl. Während Zebra ganz aus dem Häuschen ist, wird sein Freund Elefant skeptisch und vermutet, dass hinter der Einladung eine böse List steckt. Er versucht das Zebra mit jeglichen Ablenkungen von der Feier fernzuhalten. Das Zebra unterstellt dem Freund allerdings Neid und Missgunst. Wer erweist sich als klüger?

Das Thema „Freundschaft“ spielt in diesem Bilderbuch voller großformatiger, farbenfroher Illustrationen eine große Rolle. Es geht um Konkurrenzdenken, Intelligenz, Überheblichkeit, Neid, Gemeinheiten aber auch um Fürsorge und Hilfsbereitschaft. Es sind Themenbereiche aus der kindlichen Lebenswelt.

Pädagogisch wertvoll ist der Ausgang der Geschichte. Hier zeigt das Tier Mut und bedankt sich für die Hilfe und entschuldigt sich auch für sein Fehlverhalten. Es benennt genau, wofür es sich entschuldigt. Das ist oft ein weiterer Schritt in der Konfliktlösung, der vielen Kindern schwer fällt.

Am Ende des Bilderbuchs wurde die Seite „Nächste Schritte“ mit Vorschlägen für die Arbeit mit Kindern angeschlossen. Hier gibt es sämtliche Anregungen wie die Weiterarbeit mit dem Bilderbuch aussehen kann. Kinder werden zum Nachdenken angeregt, dürfen sich in die Gefühlslage der Beteiligten hineinversetzen. Konkrete Fragen sollen die Merkfähigkeit der Kinder fördern. Hier wird nach bestimmten Begrifflichkeiten gefragt und vor allem nach dem „Warum?“. Die Kinder erhalten die Gelegenheit sich eine Meinung zu bilden und diese auch zu begründen.

Eine Botschaft – zwei Interpretationen: Die Fähigkeit zwischen den Zeilen zu lesen

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Steve Parker – Mein Leben als Pinguin

Mein Leben als Pinguin

Der kleine Pinguin erzählt aus der Ich-Perspektive ganz lebendig und hautnah von seinem Leben in der Antarktis. Mit lautmalerischen Ausdrücken gespickt, begleiten wir den Kaiserpinguin zur Essenszeit in den Ozean und lernen auch die Feinde von ihm kennen. Besonders spannend ist nach dem großen Marsch in der Kolonie die Paarungszeit. Die Balzrituale werden Schritt-für-Schritt in Form einer kleinen Bleistiftzeichnung verbildlicht. Jede Doppelseite ist durch eine Überschrift thematisch strukturiert und bietet dem Leser einen guten Einstieg in das Wissensgebiet dieser besonderen Vögel.
 

Als eine Art Tagebuch werden die Ereignisse dementsprechend aus einer ganz persönlichen Sichtweise geschildert. Um der Einseitigkeit entgegen zu wirken, werden die Gedanken der anderen Tiere über den Kaiserpinguin angeschlossen. Auch hier bleibt der Autor seinem im ganzen Buch vorherrschenden Stil der Vermenschlichung der Tiere treu. So ist dieses Bilderbuch kein ausschließliches Sachbuch, sondern in erster Linie eine Geschichte über einen Pinguin. Das Sachwissen aus den Erzählungen herauszufiltern, bleibt die Aufgabe der Kinder. Hilfreich hierbei ist das Verzeichnis der „schwierigen Wörter“ mit kindgerechten und gut zu verstehenden Erläuterungen von Bezeichnungen wie z.B. „Balzen“, „Krill“ oder „Tentakel“.

Mein Leben als Pinguin

Material

Um den Kindern das Herausfiltern der sachlichen Informationen zu erleichtern, eignet sich hierbei die Textform „Steckbrief“ sehr gut.

Steckbrief_Pinguin

 

Sachliche Informationen, verpackt in eine Geschichte.

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Nicholas Harris – Expedition Zeitreise: Die Flagge der Piraten

Expedition Zeitreise

Nele und Finn besuchen mit ihren Eltern ein neues Piratenmuseum. In dieser Ausstellung gibt es viel Wissenswertes zu entdecken. Das beeindruckende Segelschiff mit den unzähligen Räumen, die Waffen und all die unterschiedlichen Flaggen, sind ihre Lieblingsausstellungsstücke. Und als ein Schiffsjunge in altertümlicher Kleidung ihnen einen Rundgang anbietet, nimmt die Expedition Zeitreise ihren Lauf.

Gemeinsam tauchen sie in das echte Piratenleben ein, lernen die Piratengesetzte kennen, besuchen ein finsteres Gefängnis und erleben das Kapern von einem Piratenschiff hautnah mit. Zurück im Museum und noch ganz benommen von so viel Erlebnisreichtum, sind die beiden sich nicht mehr sicher, ob das vielleicht nicht doch ein verrückter Traum gewesen ist.

Diese Abenteuergeschichte integriert Sachwissen in eine fortlaufende Erzählung. In einer kleinen Museumsführung lernen die beiden Protagonisten vieles über das Piratenleben. Die großformatigen Bilder zeigen eine gelungene, detailtreue Darstellung eines Piratenschiffs mit einer kleinen Legende, die all die Fachbegriffe in einer Übersicht zusammenfasst (siehe Bild unten). Die finsteren Kerker, der gefährliche Kampf auf hoher See und das Leben auf einer verlassenen Insel, nach einer erfolglosen Meuterei, sind weitere Stationen auf ihrer Zeitreise. Die eingebauten Klappen in Form von „magischen Türen“ deuten die nächste Station innerhalb der Expedition an und bereiten die Leser auf die folgende geheimnisvolle Begebenheit vor.

Hier wäre sicherlich die Integration des Lebens auf dem Piratenschiff mit all ihren Aufgaben, der Nahrung und typischen Kleidung der Piraten sehr spannend gewesen, um das Thema „Piraten“ wirklich umfassend zu beleuchten.

Expedition Zeitreise

Material

Zwei differenzierte Lesetexte zum Thema „Aus dem Piratenleben – Ernährung“:

Ernährung der Piraten

Ein Museumsbesuch mal anders! Eine Abenteuergeschichte, die Einblicke in das damalige Piratenleben gewährt.

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Jane Chapman und Tim Warnes – Das große Buch vom Mutigsein

In diesem Sammelband sind drei kurze Geschichten zum Thema Angst und Mutigsein zusammengefasst. In der Geschichte „W-w-wer hat schon Angst im Dunkeln?“ entdeckt der Frosch im Schatten des Teichs einen furchterregenden Monster und bittet seine Freunde doch bitte nachzuschauen. Mit jedem neuen Ankömmling verändert sich das Monster und wird noch angsteinflößender in seiner Gestalt. Erst als das Laternenlicht ausfällt, kommt die Erkenntnis und sorgt für mächtig Gelächter.

In „Wir sind der Schrecken aller Monster!“ hört Ente unter ihrem Bett seltsame Geräusche und bittet ihren Nachbarn Schweinchen um Hilfe. Dieser fühlt sich für den Kampf mit dem Monster nicht gut genug gewappnet und holt noch mehr Freunde. Mit jeder Weitergabe der Beschreibung des Monsters, werden Einzelheiten hinzugedichtet und die Angst wächst stetig, bis schließlich die Erkenntnis folgt: „Man kann aus einer Mücke auch einen Elefanten machen“.

Die gleiche Moral wird auch in der dritten Geschichte „Fünf Angstbären und ein unheimlicher Gast“ verfolgt und die Einbildung von furchtbaren Monstern thematisiert.

Angsthaben und Mutigsein sind bedeutsame Eigenschaften im Leben der Kinder, die im weiteren Heranwachsen ausgebaut werden. Diese Geschichten verdeutlichen, dass man sich Angst auch oft einbildet und es an der Einstellung liegt, wie mit etwas Angsteinjagendem umgegangen werden kann.

Besonderen Anklang fand bei den Kindern die erste Geschichte. Sie haben sich über den sich stetig verändernden Schatten halb totgelacht und konnten sich kaum einkriegen. Die Illustrationen haben ihren Teil dazu beigetragen und die Tiere im Schatten sehr schön wiedergespiegelt.

Die anderen nachfolgenden Geschichten haben sich thematisch zu sehr geähnelt und daher an Anziehungskraft eingebüßt. Außerdem war es für die Kinder zu vorhersagbar und daher wenig spannend.

Ein gutes Preis-Leistungsverhältnis für ein Band mit drei Geschichten zum Thema Angst und Mutigsein.


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Sam Usher – Kannst du mich sehen?

Die Schlange Zino liebt es Verstecken zu spielen und sucht sich dafür die ausgefallensten Orte. Nur wer gut ist, kann sie auch entdecken! Mal ist sie hinter einer Torte bei einem Kindergeburtstag, dann hinter den Geschenken,  fungiert als Gürtel auf einer Wäscheleine oder linst von einem Boot herunter. Einen Erzählstrang gibt es dafür nicht. Auf jeder Doppelseite werden unterschiedliche Orte präsentiert, wo es die Ringelschlange zu finden gilt. Mit einem Reim wird die Darstellung der jeweiligen Situation untermalt. Ein besonderes Highlight bildet die Aufklappmöglichkeit der letzten Seite, als Zino dann in Übergröße erscheint.

Das Buch ist sehr farbenfroh und passt sich somit dem Äußeren der bunten Ringelschlange an. Das Auffinden der Schlange stellt sich für Erwachsene sogar schwieriger heraus, als zuerst angenommen. Ich erwischte mich dabei, dass mir die Kinder zuvor kamen und Zino letzlich doch schneller fanden, als ich 🙂
Es erwarten einen viele Täuschungsmanöver, sodass das wiederholte Lesen und Betrachten nicht weniger Spaß macht. Zu entdecken gibt es in diesem Buch viel, all die bunten Süßigkeiten und Cupcakes, die verschiedenen Verpackungen der Geschenke, die verstreuten Spielzeuge auf dem Boden, die bunten Raketen im Weltall, ein chaotisches und überfülltes Bücherregal. Beim Aufschlagen einer neuen Seite verlaufen sich die Augen und man weiß nicht so recht, wohin man zuerst schauen soll. Es bietet sich dem Leser ein pluriszenisches Bild, wie es oft bei Wimmelbüchern der Fall ist. Kinder spielen wahnsinnig gerne Verstecken und so baut dieses Buch auf diesem Spieltrieb auf  und fördert gleichzeitig die visuelle Kompetenz. Denn schließlich kommt in unserer von visuellen Medien dominierten Umwelt die Entwicklung und Ausprägung der „visual literacy“ bei Kindern eine besondere Bedeutung zu.
Dieses Bilderbuch lädt, nach dem ersten Betrachten und Suchen, zum Verweilen ein. Es bietet sich an, aus den Kindern alles hervozukitzeln, was sie entdecken  können oder auch was ihnen eventuell bei dem jeweiligen Bild fehlt. Ausgehend von diesen Betrachtungen, kann das Bilderbuch auch zum Malen eines eigenen „Suchbilderbuchs“ dienen.

Bunt, witzig, kreativ, empfehlenswert!

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Holde Kreul – Ich und meine Gefühle


Gefühle gehören zu uns, wie unsere Nasen oder unsere Hände. Das ist das wunderbare Schlusswort aus diesem Buch „Ich und meine Gefühle“ von Holde Kreul. Es verdeutlicht sehr schön, dass Menschen sowohl positive, als auch negative Gefühle haben. Doch nicht alle Emotionen darf man zeigen, sonst könnten sie andere Menschen verletzen. Ein hoch komplexes Thema, welches für Kinder heruntergebrochen wurde und von der studierten Psychologin sehr einfühlsam dargestellt wird.

Ein vorangestelltes Vorwort an die Erwachsenen, sensibilisiert sie für das Thema und zeigt die Komplexität dieses Themas auf. Kinder müssen lernen eigene Emotionen wahrzunehmen, die Gefühlswelt überhaupt erst kennen lernen und begreifen wie man mit ihnen verantwortungsvoll umgeht. Es wird explizit gesagt, dass dieses Bilderbuch Mut machen möchte, zu allen Gefühlen zu stehen und eigene Reaktionen zu überprüfen.

Der letzte Punkt, den ich auch sehr sinnvoll und für wichtig erachte, findet im Verlauf des Buches oft Erwähnung. Mädchen und Jungen freuen sich, toben, brüllen, weinen, schmusen, verkriechen sich. Sie sind auf ihre Geschwister eifersüchtig, stampfen vor Wut auf den Boden, erröten vor Scham, verteidigen sich, sind aufgeregt, zittern vor Angst und noch eine ganze Bandbreite mehr. Jede Seite ist einem Gefühl gewidmet und verdeutlicht auch illustrativ sehr gelungen die Gefühlsregung der jeweiligen Figuren. Beim Brüllen entgegnen dem Leser Blitze, die rote Farbe dominiert das Bild und die Körperhaltung ist angespannt und verkrampft. Die Gefühlsregung ist eindeutig und sehr präzise dargestellt.

Dieses Bilderbuch trägt zur Entdeckung der eigenen Gefühlswelt bei und zeigt, dass Gefühle zum „Menschsein“ dazugehören. Dieses Buch darf in keinem Kindergarten fehlen!

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Dagmar Geisler und Elisabeth Zöller – Kim kann stark sein

„Bitte! Lasst mich durch!“ Kim traut sich nicht weiter. Grit und Fritz, zwei größere Kinder aus dem Kindergarten, stehen ihr im Weg, schubsen sie und wollen ihren schönen neuen Schulranzen haben. Eigentlich möchte Kim laut um Hilfe rufen und sich wehren, aber stattdessen kauert sie sich nur ängstlich auf den Boden.
Auf sich selbst vertrauen und mutig sein ist nicht immer einfach. Aber in ihrer Kindergartengruppe lernt Kim, dass sie etwas ganz Besonderes ist und stolz auf sich sein kann. Das macht sie stark – so stark, dass selbst Grit und Fritz ihr nichts mehr anhaben können.

Kim hat zu ihrer kommenden Einschulung bereits einen Schulranzen erhalten, den sie unbedingt ihren Freunden in der Kindergartengruppe zeigen möchte. Auf dem Weg zum Kindergarten trifft sie jedoch zwei fiese Kinder, die ihr den Weg versperren und sie partout nicht vorbeilassen wollen. Kim bittet die Jungen sie in Ruhe zu lassen, doch diese Bitte findet kein Gehör. Stattdessen wird sie beschimpft, ausgelacht und geschubst. Kim macht sich klitzeklein, so klein wie ein Mäuschen, bis sie ein älterer Schüler entdeckt und die gemeinen Jungen wie der Blitz verschwinden. Kim hockt auf dem Boden und weint ganz fürchterlich. Auf Nachfrage was denn wohl hier los gewesen ist, traut sich Kim nicht die Wahrheit zu sagen, um nicht wie eine Petze dazustehen. Doch dies wird nicht die letzte Begegnung für Kim mit den beiden Jungen bleiben … Doch dann macht sie sich nicht klitzeklein, sondern wird ganz groß!

Die Themen Mobbing, Gewalt an Schulen und die Fähigkeit einen Streit zu lösen sollten in jeder Schule zum Unterrichtsthema gemacht werden. Durch dieses Buch lernen die Kinder sich nicht unterkriegen zu lassen und erwerben einen Handlungsspektrum für unterschiedliche Gefahrsituationen und erfahren wie das „Ich“, die eigene Persönlichkeit, wachsen kann. Denn durch dieses Buch kann nicht nur Kim stark gemacht werden, sondern auch die jungen Leser.

Das Layout und die farbliche Gestaltung des Bilderbuchs „Kim kann stark sein“ ist sehr ansprechend. Die Mimik der Bösewichte ist hervorragend dargestellt: die Augenbrauen, der Mund, die Augen alles zeigt unmissverständlich den Gemütszustand der jeweiligen Personen an. Auch die Körpersprache, wie z.B. das Kleinmachen, symbolisiert wunderbar die Gefühlswelt der Protagonistin. Zur Verdeutlichung wird auch noch einmal die Perspektive gewechselt und der Schulhof erscheint wie eine übergroße Fläche, auf der Kim wie ein Winzling aussieht.

In diesem Buch werden beide Seiten angesprochen, sowohl die Täter, als auch die Opfer. Beide Seiten können sich wunderbar in die dargestellte Situation und die Figuren hineinversetzen und das eigene Handeln überdenken. Auf den ersten und den letzten Seiten des Buches werden Vorschläge gemacht, wie man sich stark machen und somit wehren kann z.B.: laut „Stopp!“ sagen, einen Schrei ausstoßen, sich ganz schnell zurückziehen, die Ärgerer ignorieren, jemanden um Hilfe bitten etc. Das Buch stellt nicht nur einen Konflikt dar, sondern bietet auch mehrere Lösungen an, was ich ganz besonders gut finde.
Es wird auch ein Schatzlied vorgestellt, welches die Erzieherin gemeinsam mit ihren Kindern singt und somit zur Stärkung der eigenen Fähigkeiten und zur akzeptierenden Haltung und Weiterentwicklung der Empathiefähigkeit in einer Gruppe beiträgt.

Zu diesem Bilderbuch stellt der Loewe Verlag eine Lehrerhandreichung, nach erfolgreicher Registrierung, zum Download bereit. Auf über 44 Seiten werden viele Vorschläge für die Arbeit mit dem Bilderbuch gegeben: kreatives Schreiben (Gedichte), szenischer Umsetzung, Bögen für die Buchbewertung, Klassenregelerstellung. Der Leser findet hier außerdem Hinweise zur Elternarbeit, allgemeine Informationen zum Thema Mobbing und lerntheoretische Vorbemerkungen. Insgesamt ist eine Sammlung an sehr ausführlichen und wertvollen Unterrichtshilfen, die sehr empfehlenswert und praxisorientiert sind.

Ein sehr wertvolles „Schatzbuch“, welches nicht nur in jedem Elternhaus, sondern auch in jeder Grundschulklasse Eingang finden sollte.