Kurt Cyrus und Andy Atkins – Napoleon Chamäleon

Napoleon ist aufgrund seiner sehr gut ausgeprägten Anpassungsfähigkeit an die Umgebung beinahe unsichtbar. Der Nachteil ist, dass die anderen Tiere ihn nicht beachten. Mal halten sie ihn für einen sprechenden Ast, mal für eine Pflanze. Also beschließt er die anderen auf sich aufmerksam zu machen und baut eine Trompetenblumen-Vogeltränke und eine Fußmatte aus Zweigen. Doch all das half nichts.

Er ist witzig, höflich, mutig und wird trotzdem nicht gesehen. Erst als ihm ein Missgeschick passiert und er sich nicht um Aufmerksamkeit bemüht, richten die Tiere ihr Augenmerk auf ihn. Und was lässt sich mit einem Chamäleon besser spielen als Verstecken?

Rezension

Das Bilderbuch „Napoleon Chamäleon“ hat im Fokus die Problematik „Freunde finden“ und „Akzeptanz“. Es zeigt auf eine wunderbar naive und kindliche Weise, wie Menschen sich in neuen sozialen Gefügen zeigen und etwas sein wollen, was sie nicht wirklich sind. Jegliches aktive und vielleicht auch gar krampfhafte Bemühen um das „Gesehenwerden“ misslang.

Erst als das Chamäleon seinem Naturell folgte und ganz unbeholfen seine innere Stärke und keine gekünstelte Fähigkeit zeigte, wurde er wahrgenommen. Die Botschaft ist eine ganz einfache und doch eine sehr bedeutende, die auch vielen Erwachsenen hin und wieder schwer fällt: Sei du selbst! Die richtigen Freunde werden dich als „Gesamt-Kunstwerk“ mögen und nicht als Summe aus guten Eigenschaften abzüglich der Schwächen.

Ein Kunstwerk ist auch die Gestaltung des Bilderbuchs. Es strotzt nur so vor Farbe, Lebensfreude, Unterschiedlichkeit und Individualität. Der Dschungel entfaltet sich in all seiner Pracht. Auch die Gefühle werden wunderbar abgebildet und zeigen sowohl in der Mimik als auch in der perspektivischen und farblichen Darstellung die ganze Bandbreite der thematisierten Emotionen.

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Fazit

Sei du selbst – das ist der beste Weg!

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Hans Christian Andersen und Larisa Lauber – Die beliebtesten Märchen von Hans Christian Andersen

Rezension

Märchenbücher wecken meine Sammelleidenschaft. Es gibt so viele wunderbare Exemplare, dass man sie einfach nicht mehr hergeben möchte. Das Schöne daran ist, dass man sie immer und immer wieder sehr gut lesen bzw. vorlesen kann. Märchen versprühen ihren ganz eigenen Zauber, auch wenn man sich über bestimmte Lehren in der heutigen Zeit durchaus streiten kann.

Das vorliegende Märchenbuch aus dem Magellan Verlag richtet sich an junge LeserInnen ab 4 Jahren. Die Illustrationen sind entsprechend vereinfacht, reduziert und doch ausdrucksstark. Sie überfrachten nicht und lenken vor allem nicht von dem Inhalt ab. Sie wirken verständnisunterstützend und fungieren lediglich als „Zufütterung“ der eigenen Fantasie. In diesem Band werden acht Märchen vorgestellt:

  • Das hässliche Entlein
  • Das Mädchen mit den Schwefelhölzern
  • Däumelinchen
  • Der Schweinehirt
  • Der standhafte Zinnsoldat
  • Des Kaisers neue Kleider
  • Die kleine Meerjungfrau
  • Die Prinzessin auf der Erbse

Die Kenntnis der Märchen ist allgemeines Bildungsgut. Mein Lieblingsmärchenbuch in der Kindheit war tatsächlich eine Sammlung des bekanntesten Dichters und Schriftstellers Dänemarks. Auch wenn die Hausmärchen der Brüder Grimm natürlich auch hoch und runter gelesen wurden.

Besonders gut gefallen mir hier die einleitenden Deckblätter zu den Märchen. Diese sind eine wundervolle Einstimmung auf die kommenden Leseminuten und das kognitive Abtauchen in die Geschichte. Diese können zum Zweck der Zusammenfassung genutzt werden oder aufgrund des hohen Aufforderungscharakters einfach als spontaner Erzählanlass zum Einsatz kommen.

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Fazit

Reduzierte und ausdrucksstarke Illustrationen für junge Kinder

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Rachel Bright und Jim Field – Die Streithörnchen

Rezension

Der Sommer nahm Abschied im mächtigen Wald,
das Moos gedieh saftig, die Luft wurde kalt.
Der Himmel war rot und der Herbst zog ins Land,
so manch müdes Wesen im Bettchen verschwand.

Pia Jüngert hat das Bilderbuch aus dem Englischen in dahinfließende Reime gebracht. Zu keinem Zeitpunkt wirkt es holprig oder stockend. Die Seele bilden allerdings die zauberhaften Illustrationen von Jim Field. Was sind das bloß für charakteristische Wesen, die einem bereits auf der Titelseite entgegen blicken? Und was soll ich sagen: Wer kennt sie nicht? Die Streithörnchen?

Lenni ist ein sorgloses Eichhörnchen und legt im Gegensatz zum fleißigen Finn kaum Vorräte für den Winter an. Als beide einen Zapfen erblicken, beginnt die Hetzjagd nach der letzten Nuss im Jahr. Sie ringen im Wasserfall, entfliehen einem Vogel und treiben schließlich hilflos im Fluss. Hier schaffen sie es gerade noch ans Ufer und ziehen sich gegenseitig mit schwindender Kraft heraus. Genau in diesem Augenblick kommt die Erkenntnis, dass teilen wunderbar sein kann und es nichts Schöneres gibt als gemeinsam zu lachen.

Dieses Bilderbuch ist perfekt zum Einläuten der Herbstzeit. Es richtet den Blick auf die Veränderungen in der Natur und schafft einen gelungenen Übergang zum „Loslassen im sozialen Miteinander“. Manchmal ist das Teilen recht schwer und erfordert eine ausgeprägte Teilungsbereitschaft, die im Freundeskreis Kindern vorerst noch leichter fällt. In eine turbulente Geschichte verpackt, zeigt Rachel Bright, dass gemeinsam oft mehr ist als einsam.

 

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Fazit

Fantastische Reime und Illustrationen – ein Vorlesegenuss!

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Jacob und Wilhelm Grimm und Larisa Lauber – Die schönsten Märchen der Brüder Grimm

Rezension

Zum Zielpublikum dieses liebevoll-verspielten und märchenhaft-umhüllten Vorlesebuches gehören eher jüngere Kinder. Den Illustrationen von Larisa Lauber  wohnt so viel Gestaltungsfreude inne, dass die Bilder selbst immer auch eine Geschichte erzählen. Sie ergänzen nicht nur die Märchen, sie bringen sie zum Leben. Sie hauchen dem Inhalt die nötige Prise Fantasie und Verträumtheit ein.

Hier finden sich 12 Nacherzählungen der bekannten Klassiker: Rotkäppchen, Brüderchen und Schwesterchen, Dornröschen, Frau Holle, Schneeweißchen und Rosenrot, Hänsel und Gretel etc. Die Magie ist sogleich beim Betrachten spürbar. Der lichtdurchflutete Kellerraum in Aschenputtel lässt keine Dunkelheit aufkommen. Es schwingt eine große Portion Zuversicht mit, sodass die Unheimlichkeit der inhaltlichen Ebene eher in den Hintergrund rückt.

Auf der beiliegenden MP3-CD werden alle zwölf Märchen in 147 Minuten vorgelesen. Das Selberlesen kann also mit dem Vorgelesenen kombiniert werden. Die Länge der Märchen ist passend gekürzt und lässt sich in ca. 6-15 Minuten bewältigen.

Hier zeigt sich, wozu ein gutes Vorlesebuch für jüngere Kinder imstande ist: Es weckt Neugierde, schafft Vertrauen, lädt zum wiederholten Vor- bzw. Selberlesen ein und zündet eine Bindung zu den Klassikern der Kinderliteratur!

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Fazit

Liebevoll-verspieltes und märchenhaft-umhülltes Vorlesebuch mit 12 Klassikern der Brüder Grimm.

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Rusalka Reh – Der Igel Nepomuk

Seinen Winterschlaf hält Nepomuk unter der alten Hecke im trockenen Laub. Als ihn die Feldmaus weckt, muss er voller Schrecken feststellen, dass er zu lange geschalfen hat. Er ist dünn wie ein Regenwurm geworden! Jetzt heißt es schnell auf Nahrungssuche gehen. Unterwegs trifft er das Eichhörnchen und verrät ihr wo sie im Herbst die schmackhafte Walnuss vergraben hat.

Auf dem Bauernhof begrüßt er alte Freunde und macht neue Bekanntschaften. Das Igeljahr ist ganz schön aufregend und kaum hat man sich versehen ist schon der nächste Winterschalf vor der Tür.

Der Protagonist ist ein liebenswerter und herzensguter Igel. Rusalka Reh hat wissenswerte Informationen rund um die Bauernhoftiere und insbesondere den Igel einfließen lassen. Natürlich werden die jungen Zuhörer mit einem Happy End beglückt. Echte Freunde helfen schließlich in allen Notsituationen.

Das Vorlesebuch eignet sich bereits für Kinder ab 4 Jahren. Es ist eine prima Gutenacht-Geschichte, die mit kleinen Aufregungen zurecht kommt, ohne die Gefühlswelt groß aufzuwühlen. Die Doppelseiten werden von einigen schwarz-weiß Illustrationen begleitet. Der hochwertige Leineneinband macht es zu einem wertigen Geschenkbuch. Weitere Abenteuer von Nepomuk in einem Folgeband wären wünschenswert.

Wissenswertes rund um das Igeljahr.

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Jenni Desmond – Das Zebra, das zu schnell rannte

Das Zebra, das zu schnell rannte

Das Zebra, das sehr schnell rennen kann, hat zwei beste Freunde: einen Elefanten, der sehr klug ist und interessante Geschichten erzählen kann und einen Vogel, der äußerst witzig ist und alle zum Lachen bringt. Zusammen sind sie die drei allerbesten Freunde. Doch eines Tages war das Zebra so aufgedreht und fröhlich, dass er ZU schnell rannte und den Freunden davon ganz schwindelig wurde. Sie baten das Zebra damit aufzuhören, doch das Zebra hörte nicht auf. So entschieden der Elefant und der Vogel, dass sie zu zweit besser dran sind.

Eine Giraffe fand das traurige Zebra und bot ihm ein paar frische Blätter an. Nun rannten sie zusammen um die Wette. Währenddessen zog ein schwerer Sturm auf und der Elefant und der Vogel wünschten sich Zebra zurück, um sie mit einem Zebra-Spiel aufzuheitern. Das Gewitter machte ihnen Angst. Sie fanden Zebra bei Giraffe und spielten, lachten und lauschten interessanten Geschichten, bis sie einschliefen. Am nächsten Morgen waren sie jedoch nicht mehr die drei allerbesten Freunde… denn sie waren jetzt zu viert!

Jenni Desmond hat hier ein sehr zauberhaftes und modern illustriertes Bilderbuch geschaffen. Durch feine Linienstriche schafft sie es den Figuren ganz eigene Charakterzüge zu verleihen. Dabei ist stets Bewegung und Perspektivwechsel im Spiel. Es ist ein Genuss sich die Zeichnungen immer und immer wieder anzuschauen.

Das Thema Freundschaft wird hier in einer oft nicht unproblematischen Konstellation thematisiert. In der Streitschlichtung erlebe ich regelmäßig, dass eine häufige Ursache für Streitigkeiten Ausgrenzung und Eifersucht ist. Das Zebra hat sich nicht an die Bitte seiner Freunde halten können und war in seinem Verhalten noch sehr egozentrisch, was typisch für 5-6 Jährige ist, woraufhin er von seinen Freunden ausgegrenzt wurde.

Die Freunde erleben jedoch, dass jeder in seiner Individualität, mit all den dazugehörenden Macken, so schätzbar ist, dass sie ihn schon bald vermissen. Und da Freundschaft kein starres Konstrukt ist, erfahren die Freunde, dass der Freundschaftsbund sich auch vergrößern und alle somit bereichern kann. Manchmal ist nur ein Perspektivwechsel nötig.

Das Zebra, das zu schnell rannte

Material

Seine Freunde schätzen lernen mit all den dazugehörenden Eigenschaften – sich streiten, versöhnen, respektieren und lieben … ein lebenslanger Prozess.Zebra_Freunde_Bild

Ein alltägliches Thema für Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter.

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