Nicola Davies und Laura Carlin – Himmelskönig

Der namenlose Junge in dieser Geschichte ist fremd in England. Niemand spricht Italienisch, die Sonne scheint viel weniger und das Vanilleeis schmeckt ganz anders. Er hat Sehnsucht nach seiner Heimat. Lediglich die Tauben aus Mr. Evans Taubenschlag erinnern ihn an sein Zuhause. Das Gurren ist ihm vertraut. Der Protagonist beginnt regelmäßig im Taubenschlag auszuhelfen und gewinnt Hoffnung und Vertrauen durch seine Taube “Himmelskönig”, die als beste Brieftaube das große Wettfliegen von mehr als 1.500 km für sich behaupten soll.

Rezension

In diesem Bilderbuch schwingt Unsicherheit, Einsamkeit, Schmerz aber auch Hoffnung und Zuversicht mit. Es geht um das Gefühl seine Heimat zu verlassen und die Fähigkeit sich in einer anderen Kultur und einem neuen Land zurecht zu finden. So wie der Junge „seinen“ Weg sucht, sucht auch die Taube als Verbildlichung seines seelischen Zustandes, im Wettfliegen den Weg zum eigentlichen Zuhause. Es geht um das Suchen und das Finden.

Auch wenn die Taube mehrere Tage brauchte und sich durch Wind und Regen kämpfen musste, ist sie letztendlich angekommen. Der Ausgang der Geschichte ist mehrdeutig. Auch wenn der Junge für sich beschlossen hat, dass er  nun „endlich wusste, wo er zu Hause war“, ist dem Leser unklar, ob er seine ursprüngliche Heimat  oder seine neue Heimat meint. Vielleicht ist es aber auch einfach das Fleckchen im Herzen, das ihm nun Ruhe gibt, weil er sich gar nicht entscheiden muss.

Die Illustrationen schildern wunderbar die innerliche Zerrissenheit des Jungen. Es finden sich viele Weißstellen und schemenhafte Darstellungen auf den Seiten. Die Gebäude und Personen sind oft verschwommen oder umrissartig angedeutet. Dunkel- und Helligkeit wechseln sich ab. Es herrscht Distanz und Nähe, Liebe und Angst, Abgrenzung und Akzeptanz.

Blick ins Buch

Fazit

Ein tiefsinniges Bilderbuch für alle Menschen dieser Welt – nicht nur Migranten.

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Axel Scheffler und Julia Donaldson – Stockmann + DVD

Stockmann lebt mit seiner Familie, wie soll es anders sein, in einem Baum. Als er eines Morgens seine Runde im Park macht, wird er von einem Hund für ein Stöckchen gehalten. Kurze Zeit später wird er von Kindern für ein Stock-Wettrennen im Fluss genutzt und treibt so immer weiter von seinem Haus weg. Es finden sich immer mehr Menschen und Tiere, die Stockmann für ihre Belange nutzen möchten – mal als Mast, Ritterschwert, Stift oder Flitzebogen. Stockmann treibt den ganzen Sommer und Herbst durch die Gegend. Im Winter wünscht sich Stockmann nichts sehnlicher als zu seiner Familie zurückzukehren.

Stockmann ist einsam und völlig verloren.
Er friert von den Füßen bis hoch zu den Ohren.
Stockmann ist müde. Seine Lider sind schwer.
Er streckt sich, er gähnt. Schon hört er nichts mehr.

Als er aufwacht, befindet er sich als Brennholz direkt in einem Kamin. Wer könnte ihm dort wohl zu Hilfe kommen?

Rezension

Das Pappbilderbuch kommt in Begleitung einer DVD, auf der die Geschichte einfach grandios verfilmt wurde. Hier hat das Buch wirklich Platz sich zu entfalten. So kommen hier Gefühle und Stimmungen zum Ausdruck, die im Buch etwas zu kurz kommen. Die Sehnsucht der Familie nach dem verschollenen Vater kann schon dem einen oder anderen Tränen in die Augen treiben. Zu den Illustrationen von Axel Scheffler muss ich nicht viel sagen: Er ist einfach ein Meister!

Mit dem Erscheinen des Weihnachtsmanns und der übergreifenden Botschaft zur Bedeutung des Zusammenhalts der Familie, katapultiert sich das Buch zur gelungenen Lektüre in der Weihnachtszeit. Während die Reime größtenteils gelungen übersetzt wurden, wird es doch Stellen geben, an denen man zu stolpern beginnt. Die englische Original-Version auf der DVD wirkt  dem entgegen und entfaltet die Schönheit dieser Geschichte in voller Bandbreite. Auch Grundschulkinder im vierten Schuljahr werden der englischen Version mit all ihren visuellen Verständnishilfen gut folgen können.

Blick ins Buch

Fazit

Warmherzige Geschichte – Familie ist alles!

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Noelia Blanco und Valeria Docampo – Im Garten der Pusteblumen

Im Garten der Pusteblumen

Im Windmühlental versteifen die Windmühlen bei der Ankunft der „Perfekten Maschinen“ ihre Arme. Bei den Perfekten Maschinen braucht man nur auf einen Knopf zu drücken und sie zauberen den perfekten Nachtisch, den perfekten Freund, den perfekten Moment. Und so kam es, dass der Wind eines Morgens aufhörte zu blasen … und die Menschen das Wünschen vergaßen.

Außer Anna, einer kleinen Schneiderin, die sich das versteckte Wünschen im Herzen des Tals aufbewahrt hat:

Mein größter Wunsch ist es, etwas ganz Besonderes zu nähen.

Wird sie im Pusteblumengarten, dem Ort, an dem der Wind vor der Ankunft der Perfekten Maschinen noch blies, die Erfüllung ihres Wunsches finden?

Die Titelbildillustration ist so einnehmend und sehnsuchtsvoll, dass man den Blick gar nicht mehr abwenden kann. Die Künstlerin Valeria Docampo, die bereits das wundervolle Bilderbuch Die große Wörterfabrik illustriert hat, schafft es mit ausgewählten, vordergründig dunklen Farben den Perfekten Maschinen und den damit verbundenen Konsequenzen ein drückendes und unheilvolles Erscheinungsbild zu verleihen. Die innere Starre, die diese Neuheit in dem Windmühlental auslöst, ist in dem sandfarbenen Abbild der Bewegungslosigkeit mit dem stehengebliebenen Wetterhahn wunderbar eingefangen.

Die kleine Schneiderin steht sinnbildlich für Träume, Sehnsüchte, Zukunftsvisionen und regt den Leser dazu an sich Gedanken über die evtl. Vor- und vor allem aber auch Nachteile des technischen Fortschritts zu machen. Sie nimmt ihre eigenen Herzensträume in die Hand und schafft es durch Eigeninitiative ihre Visionen zu verwirklichen. Der Pusteblumengarten ist als Symbol für das „In-sich-hineinhören-können“ zu verstehen, als ein Ort der Wunscherfüllung.

Dieses Bilderbuch eignet sich hervorragend zur Thematisierung des technischen Fortschritts und den damit einhergehenden Veränderungen. Besonders aus den Illustrationen der „Perfekten Maschinen“ lässt sich Vieles erschließen, mit Einbezug der Mimik, der gewählten Farben, der  eingeengten, verkabelten Bewohner in dieser ganzen Maschinerie. Das Bild der Menschen in diesen besonderen Kostümen als bestehende Vorrichtung, die Kraft oder Energie überträgt und mit deren Hilfe bestimmte Arbeiten unter Einsparung menschlicher Arbeitskraft ausgeführt werden können, ist vielleicht auch etwas il­lu­si­o­nis­tisch. Doch es zeigt auch, dass dadurch dem Gehirn und vor allem dem Herzen langfristig der Wind aus den Segeln genommen werden kann.

Im Garten der Pusteblumen

Material

Das folgende Arbeitsblatt sollte nach der gemeinsamen Betrachtung der ersten Seite zur Ankunft der Perfekten Maschinen bearbeitet werden und Kinder dazu anregen sich Gedanken über die Vor- und Nachteile des technischen Fortschritts zu machen:

Die Perfekten Maschinen

Das Bilderbuch berührt durch die einzigartigen, sehnsuchtsvollen Zeichnungen und den kritischen Blick auf die technischen Neuerungen. Eine thematisch betrachtet sehr erfrischende Windbrise im Bilderbuchtal.

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