TOP 5 – Krankheit und Tod

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Bei der Thematisierung spezifischer Aspekte von Krankheit und Tod sind Bilderbücher eine unschätzbare Hilfestellung, Kindern das Phänomen Tod nahe zu bringen. Das kindliche Verständnis von Tod wird durch frühzeitige Erfahrungen mit dem Tod von Haustieren oder Angehörigen beeinflusst. Dabei übernehmen Kinder die Einstellungen bzw. Umgangsweisen von Erwachsenen, die sich darauf auswirken, ob und wie ausführlich mit Kindern über den Tod gesprochen wird.

Besonders bei älteren Kindern ist es empfehlenwert auf Bilderbücher mit menschlichen Figuren, im Gegensatz zu Tieren, zurückzugreifen, da diese eine konkrete und stimmigere Orientierung geben. Meine persönlichen Favoriten zu diesem Thema habe ich in einer TOP-5 zusammengefasst:

TOP 1:

Kai Lüftner findet in „Für immer“ kindgerechte tröstende Worte, verpackt in kurze Sätze, um das Unfassbare für Kinder verständlich zu bündeln. Dieses Bilderbuch ist rührend, poetisch und mit einem kleinen Funken Hoffnung versehen, dass der Schmerz irgendwann nachlassen wird.

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TOP 2:

Dieses bewegende Bilderbuch wurde mit dem  “Meefisch 2011″  ausgezeichnet und ist in der Tat ein Meisterwerk! Die in diesem Buch thematisierte Demenz der Oma ist  für die Enkelin etwas sehr Spannendes. Sie tauchen gemeinsam in vergangene, äußerst witzige und unwirkliche Geschichten ab: “Beim Denken wachsen uns ganz langsam Flügel.” Sie entfliehen der Wirklichkeit und begeben sich auf fantastische Reisen. Eine ausgeklügelte Balance zwischen Wirklichkeit, Vergänglichkeit und der Kunst des Loslassens.

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 TOP 3:

Lilli Messina schildert auf eine urkomische Art und Weise die alltäglichen Gemeinsamkeiten von Jung und Alt. Das Leben von drei Generationen unter einem Dach birgt nämlich so einige Herausforderungen.  Anhand dieses Buches kann das Thema „Pflege älterer Menschen“ sehr schön angeschnitten werden.

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TOP 4:

Antje Damm setzt auf einen sachlich-nüchternen Zugang zum Thema „Tod“. Der Schwerpunkt liegt bei diesem Bilderbuch auf einem angstfreien Zugang zu Sterben, indem es als normal, natürlich, als Teil eines Kreislaufes verdeutlicht wird. Antje Damm mutet ganz zu recht dem Kind eine unbeschönigte Konfrontation mit realen Problemen, wie hier dem Tod eines geliebten Haustieres.

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TOP 5:

Dieses Bilderbuch trumft insbesondere mit indirekten Vorschlägen zum Umgang mit dem Tod auf, wie z.B. das gemeinsame Betrachten der Fotos und das Sprechen über die Verstobenen. Das Erinnern und Abschiednehmen sind wichtige Bestandteile der Trauerarbeit, die hier sehr behutsam aufgegriffen werden.

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Kai Lüftner und Katja Gehrmann – Für immer

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Der kleine Egon ist seiner eigenen Aussage nach ein „Zurückgebliebener“. Denn zurück bleiben die, die jemanden verloren haben. Egon hat seinen Vater verloren. Für immer. Wie lange ist für immer? Ewig!

Die Menschen um ihn herum verhalten sich auf einmal ganz komisch. Da sind die Flüsterer, die Grinser und die Sprachlosen. Egon mag sie alle nicht. Es ist eben schwer über den Tod zu sprechen. Doch Egon trägt immer ein kleines Stück von seinem Vater im Herzen. Er ist immer bei ihm. Für immer.

Dieses Buch wartet seit Monaten auf meine Rezension. Warum? Ganz einfach, weil ich fürchte der Schönheit dieses Buch mit meinen Worten nicht gerecht werden zu können.

Kai Lüftner stellt die äußerst schmerzhafte Irreversibilität des Todes in einer rührenden und poetischen Weise dar. Kinder können das Konzept des „Nie-wieder-kommens“ ab vier Jahren bereits relativ gut auf Tiere anwenden. Bezogen auf Personen gehen sie in dieser Entwicklungsphase aber noch davon aus, dass bestimmte Personengruppen wie z.B. die Eltern vom Tod ausgenommen sind. Erst ab sieben Jahren gelingt die Ausweitung auf alle Personen um einen herum. Bilderbücher stellen somit eine unschätzbare Hilfestellung in Bezug auf die Thematisierung des Phänomens Tod  dar.

„Für immer“ findet eine eigene Sprache, um das Unfassbare, Unerträgliche zu gestalten. Kai Lüftner schafft den notwendigen Raum, der zur Trauerbewältigung nötig ist, und schließt dabei Angst, Verlassenheit, aber auch Trost und die Sehnsucht nach der Zukunft mit ein. Dem dramatischen Verlust sind Ruhe und Kraft entgegengesetzt.

Durch eine kleine Rückblende sehen wir Egon im Zimmer seines kranken Vaters und können beobachten wie er dort seinen roten Drachen, der ihn durch das ganze Buch begleiten wird, baut. Sein Vater hilft ihm dabei und deutet mit einer Säge und einem Holzstiel bereits das Kreuzzeichen, seinen eigenen unvermeidlichen Tod, an.

Es gibt keine Tabletten gegen das „Für immer“.

Der Schmerz ist unendlich groß. Doch wie lange ist überhaupt „für immer“? Egon beginnt sein Zeitverständnis mit für ihn relevanten Zeitspannen zu vergleichen. Diese Seite ist für mich einfach herzzerreißend: Ein hilfesuchender kleiner Junge im endlosen Labyrinth mit der schmerzlichen Erkenntnis – Für immer ist ewig!

Die drei Gruppierungen der Menschen um Egon herum sind ebenfalls grandios realistisch dem wirklichen Leben entnommen. Die einen versuchen die Tragik mit Witzen zu überspielen, die anderen flüstern über den kleinen Egon in der Annahme er würde es nicht wahrnehmen. Die Mehrheit jedoch schweigt einfach, weil das Unfassbare auch für sie nicht wirklich greifbar ist.

Kai Lüftner findet kindgerechte tröstende Worte, verpackt in kurze Sätze, um das Unfassbare für Kinder verständlich zu bündeln. Die letzte Seite ist schließlich das i-Tüpfelchen. Hier bleibt garantiert kein Auge trocken. Doch auch das „Weinen“ gehört zur Trauerbewältigung. Und es ist ermutigend zu sehen, dass die Schnur des roten Drachens auf der letzten Seite länger wird, auch wenn das Loslassen seine Zeit brauchen wird …

Kai Lüftner Für immer

„Für immer“ findet eine eigene Sprache, um das Unfassbare und Unerträgliche zu gestalten.

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Min-ki Kim und Mun-hee Kwon – Abschied von Aika

Klappentext:

„Fast jedes Jahr bekommt Aika einen Wurf Welpen, doch eines Tages wird sie krank und bleibt in ihrem Korb liegen. Noch ehe der Tierarzt Aika behandeln kann, läuft sie fort. Für das kleine Mädchen beginnt die Suche nach der geliebten Freundin, doch schließlich heisst es Abschied nehmen für die beiden.“

Rezension:

Abschied von Aika handelt von Verlust,  Tod, aber auch von einer tiefen und innigen Freundschaft zwischen einem Mädchen und ihrem geliebten Hund Aika. Dieser wird in einem Jahr im Herbst krank, doch ehe der Tierarzt ihr eine Spritze geben kann, ist die Hündin auch schon verschwunden. Nun beginnt für das Mädchen, welches im Verlauf des Buches namenlos bleibt, eine Suche nach ihrem geliebten Hund. Sie sucht im Wald, auf dem Spielplatz, erkundigt sich bei jeglichen Menschen, bis sie von einer älteren Dame eine schreckliche Nachricht hört …

Besonders rührend finde ich die Erinnerungen von diesem Mädchen an ihre Hündin, ihre Träume und die offene Erkenntnis, dass sie Aika unglaublich vermisst und manchmal glaubt, sie zu sehen, wie sie auf sie wartet. Die Stimmung des Buches ist sehr gut in den Bildern festgehalten, die Farben sind trüb, vordergründig grau und braun. Die meisten Personen werden als dunkle Schatten dargestellt, nur Aika und das Mädchen sind genauer zu erkennen. Die Stimmung ist eher drückend, lediglich die letzten Worte bringen etwas Licht. Ich hätte mir nichtsdestotrotz eine positivere Grundstimmung gewünscht oder gar die Integration einiger Bewältigungsvorschläge, denn schließelich gehört der Tod zum Leben dazu …

Dieses Buch ist keine typische Gutenacht-Geschichte, es sollte schon für „besondere“ Anlässe eingesetzt werden. Wenn Kinder ein bestimmtes Ereignis zu verarbeiten haben: Verlust oder Tod eines Haustieres oder eines geliebten Menschen.

Es  könnte ebenfalls im Kunstunterricht in der Grundschule in der Farbenlehre eingesetzt werden, um mit den Kindern gemeinsam die Farbwahl und den Inhalt der Geschichte zu vergleichen.

Fazit:

Eine vorsichtige Annäherung an das empfindliche Thema „Leben und Tod“, mit welchem sich jeder früher oder später auseinandersetzen muss.

Bewertung:


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