Otfried Preußler – Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete

Rezension

Anlässlich Preußlers 95. Geburtstag, den er im Oktober begangen hätte, veröffentlicht der Thienemann Verlag einen neuen Band vom Hotzenplotz.

Die Aufregung in diesem Abenteuerbuch für Kinder ab 6 Jahren ist groß. Wachtmeister Dimpfelmoser stellt erschrocken fest, dass der berüchtigte Räuber Hotzenplotz dem Spitzenhaus entwischt ist und das ausgerechnet als Seppel und Kasperl Pilze für Großmutters Schwammerlsuppe suchen wollen. Statt also Pilze zu suchen, beschließen die beiden sich auf die Suche nach Hotzenplotz zu begeben. Eine selbstgebaute Mondrakete soll letztendlich Hotzenplotz im Wald anlocken und ihn ein für allemal auf den Mond schießen. So weit der Plan zumindest…

Der Kultfigur „Hotzenplotz“ wurde in diesem Band eine Generalüberholung verpasst. Nicht zuletzt wegen der Illustrationen wirkt der Klassiker jünger, frischer und insgesamt frecher und lebendiger. Jede Doppelseite wird mit farbigen Illustrationen gestützt. Diese Fassung ist textlich reduzierter als das Original und soll eigentlich Kinder, die Otfried Preußler bisher nicht kennen, auf den Geschmack seiner tollen Bücher bringen. Zugegeben leidet der sprachliche Stil und die Erzählkunst, die Preußlers Bücher ausmachen, aufgrund der Knappheit der Texte. Das werden Leser, die mit Otfried Preußlers Originalbüchern aufgewachsen sind und den ganz eigenen Witz in den Formulierungen lieben, zu bemängeln wissen. Nichtsdestotrotz lässt es vielleicht auch die ältere Generation dazu bewegen ihre Schätze aus den Regalen hervorzukramen und ihren Enkeln, die nun auf den Geschmack gekommen sind, daraus vorzulesen. Das wäre allemal wünschenswert!

Die Quintessenz ist glücklicherweise immer gleich. Auch hier gewinnen die Guten mit Mut, cleveren Schachzügen und vielleicht auch einer kleinen Prise Glück. Die Bösewichte scheitern dagegen an unklugen Handlungen und törichten Gedankenmustern.

 

Blick ins Buch

Fazit

Der Klasssiker im neuen Gewand.

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Kerstin Schoene – Ein Haufen Freunde

Ein Haufen Freunde

Alle Tiere im Zoo machen sich Sorgen um den kleinen Pinguin. Dieser bedauert herzzerreißend seine Unfähigkeit zu fliegen, schließlich sei er ja ein Vogel: „So sehr ich mich auch anstrenge, ein Pinguin bleibt immer unten.“

Um dem Pinguin seinen Herzenswunsch „Über den Wolken zu schweben“ zu erfüllen, beschließen die Tiere ihm gemeinschaftlich zu helfen.  Nach dem Prinzip „Jeder Versuch macht klug“ erproben die Tiere die unterschiedlichsten Einfälle und kommen letztlich zu dem Entschluss sich selbst zu stapeln. Doch kann ein Igel einen Elefanten und ein Flamingo einen Krokodil halten?

Als Betrachter hat man die liebenswürdigen Zootiere und besonders den Pinguin alsbald ins Herz geschlossen. Kerstin Schoene zaubert eine solch wonnetrunkene Wärme in ihre Charaktere, dass man sie einfach nur gern haben muss.

Der besondere Clou dieses Bilderbuchs ist die Wendung um 90°C mitten im Buch, die mit einer inhaltlichen Wendung zum Guten einhergeht. Ab hier wird die Geschichte quer gelesen und der kleine Pinguin rückt immer ein Stückchen näher seinem Herzenswunsch entgegen. Sehr amüsant ist natürlich die ungewöhnliche Reihenfolge der Stapelung. Da steht ein Nilpferd auf einem Zebra und der hochrote Gesichtsausdruck verrät sehr genau, wie sinnvoll diese Abfolge ist. Doch genau von diesem Witz und Charme lebt dieses Bilderbuch.  Hier wird sich keiner das Schmunzeln verkneifen können!

Im Mittelpunkt des Bilderbuchs steht die Thematik „Zusammenhalt“, „Gemeinschaft“ und „Sich-gegenseitig-helfen“. Nach dem Motto „Zusammen sind wir stark“ vollbringen die Zootiere das Unmögliche und erfüllen somit ihrem Freund seinen sehnlichsten Traum.

Ein Haufen Freunde

Bezaubernde Charaktere mit einer großen Portion Witz und einem einfallsreichen Glanzpunkt!

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David McKee – Elmar

Elmar

Elmar ist kein grauer Elefant, wie alle anderen Elefanten in seiner Herde. Er ist anders. Er ist bunt kariert und bringt seine elefantenfarbenen Zeitgenossen immer zum Lachen. Doch genau das macht ihn eines Tages nachdenklich: „Ein karierter Elefant – wo gibt’s denn so was? (…) Kein Wunder, dass sie über mich lachen.“ Er beschließt sich den anderen anzupassen. Das Gefühl nicht mehr aus der Masse herauszustechen und genauso wie die anderen zu sein, missfällt Elmar schon sehr bald, sodass er sich wiederholt etwas Schelmisches ausdenkt, was ganz seinem Naturell entspricht!

Elmar hat sich zum zeitlosen Klassiker unter den Bilderbüchern gemausert und das zu recht! Die Thematik „Anderssein“ und „Einzigartigkeit“ wird in diesem Werk des britischen Kinderbuchautors nicht zuletzt durch die äußerst gelungene und farbenfrohe Darstellung des sehr symphatischen Elefanten bildlich hervorgehoben. Jedes Kind erkennt auf Anhieb, dass Elmar anders ist und nicht nur durch seine äußere Erscheinung glänzt, sondern auch durch seine Individualität. Diesen Punkt finde ich besonders erwähnenswert. Das Bewusstsein über die Stärken jedes Individuums steht hier im Mittelpunkt und Elmar zeigt auf eine sehr humorvolle Weise, dass man sich nicht verstellen sollte, nur um so zu sein, wie alle anderen.

Farbe bekennen und sich als Person akzeptieren, diese Botschaft vermittelt der freundliche und buntkarierte Elefant. David McKee hat eine Figur geschaffen, die im Gedächtnis bleibt und durch viele weitere Abenteuer weiterhin die jungen Leser begeistern kann.

Elmar

Material

Was bietet sich zu diesem Bilderbuch mehr an, als den buntkarierten Elefanten mithilfe der Reißtechnik im Kunstunterricht  darzustellen?  In der Schuleingangsphase kann ein Umriss eines Elefanten als Vorlage sehr hilfreich sein.

Ein entzückendes Bildbuch über einen ungewöhnlichen Elefanten, der seine Einzigartigkeit umarmt.

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Otfried Preußler – Krabat

Krabat ist ein Waisenjunge und lernt während seiner Lehrzeit als Müllerjunge bei seinem Meister die Kunst der schwarzen Magie. Die Mühle entpuppt sich schnell als eine Zauberschule, die mit viel Arbeit, Mühsal und Magie verbunden ist. In der Bruderschaft findet er jedoch auch wahre Freunde, die ihm Kraft geben und den Wunsch nach Freiheit verstärken. Doch nur die schöne Kantorka kann in Karbat den wahren Willen wecken sich gegen die schwarze Magie und seinen Lehrmeister aufzulehnen und ihn entgültig zu vernichten.

Ein Klassiker unter den Kinder- bzw. Jugendbüchern, der nicht unumstritten ist und doch mit zahlreichen Preisen überhäuft wurde. Die kürzliche Debatte über die Einbindung der Ganzschrift in den Unterricht habe ich mit Interesse verfolgt und doch würde ich dafür stimmen. Denn hier wird der Dualismus zwischen Gut und Böse hervorragend in den Blickpunkt gerückt. Denn Krabat ist zwischen zwei Welten gefangen. Da ist einerseits die reale Welt, aus der Krabat ursprünglich kommt und die boshafte und dunkle Zauberwelt in der Mühle. Diese beiden Welten können wunderbar einander gegenüber gestellt  und mithilfe eines Plakats präsentiert werden: Betteln vs. Magie, kein Zuhause vs. notdürftige Unterkunft, keine Eltern vs. Bruderschaft, Religion und Glaube vs. schwarze Magie, Frauen und Männer vs. reine Männergesellschaft. Das Buch bietet viel Diskussionsstoff.

Auch der vor einigen Jahren herausgebrachte Film darf integriert werden, den ich durchaus gelungen finde. Hier lassen sich Rollenspiele und Standbilder sehr gut miteinbinden. Auch die Begriffe Mythe, Sage und Märchen können anhand des Films aufgefrischt und die Unterschiede und Gemeinsamkeiten herausgestellt werden. Schließlich können die SuS sich der Aufgabe widmen zu begründen, weshalb Krabat weder Mythos, Sage noch ein Märchen ist … Zu diesem Buch gibt es ein Fülle an tollen Arbeitsanregungen und das deutet auf ein gutes Buch hin!

Eine ausführlichere Inhaltsangabe ist u.a. auch hier zu  finden.

Ein Kinderbuchveteran und das zu recht!

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