Annette Roeder und Julia Christians – Hetty Flattermaus fliegt hoch hinaus

Rezension

Hetty ist eine neugierige und wissbegierige Fledermaus und lässt sich auch von ihrer überbesorgten Mutter nicht stoppen. Die alleinerziehende und berufstätige Hulda liebt ihr einziges Kind heiß und innig und würde sie am liebsten nur zu Hause wissen. Um ihren Liebling unter Kontrolle zu halten, erfindet sie Gruselgeschichten und stattet Hetty mit einem Peilsender aus, um den Standort ihres Herzenskindes jederzeit überprüfen zu können.

Keine Frage, Hulda ist eine Helikoptermutter durch und durch. Gewissermaßen amüsiert diese Darstellung, denn sie trifft genau den Nerv der Zeit. Eltern, die ihren Kindern die Schultasche bis zum Sitzplatz in der Schule tragen, gibt es leider viele. Umso schöner, dass genau diesen mit dem Vorlesebuch nun ein Spiegel vors Gesicht gehalten wird. Denn da sind wir wohl uns alle einig, dass Kinder ihre Erfahrungen selbst machen müssen. So lässt sich auch Hetty auf Abenteuer außerhalb der sicheren Mauern ein und macht Bekanntschaften mit Wabbelwesen und Regenwürmern. Sie hilft einem kleinen Mausejungen bei seinen Flugversuchen und staunt immer mehr über die Entdeckungen in ihrer Umwelt.

Die 19 Kapitel des ersten Bandes der Hetty Flattermaus-Reihe umfassen ca. 6-8 Seiten und werden stets mit farbigen Illustrationen begleitet. Besonders gut gefällt der integrierte Wortwitz und die Sprachspielereien, wenn z.B. Frühstück einfach in Spätstück umbenannt wird oder wenn vom „Flügel“ statt „Bogen“ überspannen die Rede ist. Hauptsächlich werden sich sicherlich Mädchen als Adressaten angesprochen fühlen, denn die Protagonisten sind ausschließlich weiblich. Hin und wieder trifft Hetty jedoch auch auf männliche Erdbewohner, von denen es in den nächsten Bänden hoffentlich mehr gibt.

Blick ins Buch

Fazit

Weltentdeckungen mit einer mutigen und neugierigen Fledermaus für alle kleine Helden

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Kathrin Rohmann – Glückstage unterm Apfelbaum

Rezension

Das Vorlesebuch „Glückstage unterm Apfelbaum“ gliedert sich in 28 Vorlesekapitel, die zwischen 4-6 Seiten umfassen. Pro Kapitel kann eine Vorlesezeit von ca. 5 Minuten eingeplant werden. Damit eignet sich das Buch perfekt für die abendlichen Vorlesestunden für Kinder ab 5 Jahren oder auch als Vorlesebuch in den Frühstückspausen der Schuleingangsphase. Die Kapitel sind zwar in sich abgeschlossen, bauen aber trotzdem aufeinander auf.

Die siebenjährige Minna ist die Protagonistin und strotzt nur so vor abenteuerlichen Einfällen. Auch vor Fantasiewesen macht ihre Kreativität keinen Halt. So taucht eines Nachts Willi im Ruderboot auf, der liebend gerne Puffer-Inseln sammelt. Es versteht sich von selbst, dass Minna hier helfen muss und geschwind Kartoffelpuffer aus der Küche holt. Unter dem Apfelbaum begegnet Minna dem Botaniker Fritz Glück und lässt sich in die Pflanzenkunde einweisen. Minnas Welt ist wirklich voll von fantasievollen Gestalten, die jeden Tag zu einem kleinen Abenteuer machen.

Es sind insgesamt gemächliche und ruhige, wenig temporeiche oder verwobene Geschichten, die stets die Umwelt einbinden und den gewöhnlichen Alltag eines Kindes. Zu den Schauplätzen gehört die Schule, der Freundeskreis und die Ferien bei der Oma. Zur Ferienabfahrt gehört die gewöhnliche Hektik des Packens genauso dazu wie die Vorfreude auf Omas Geruch nach Blumenerde, Kaffee und Brot dazu. Auch wenn Minna Irmelin und Bodo als Freunde hat, ist es thematisch eher ein Vorlesebuch für Mädchen. Einhorn-Liebhaber kommen hier auf ihre Kosten und das pädagogisch wertvolle Postkarten-Schreiben findet ebenfalls Erwähnung.

Blick ins Buch

Fazit

„Glückstage unterm Apfelbaum – Geschichten von Minna“ lädt zum Träumen ein, beindruckt durch Einfachheit in der Gestaltung und beschert Leseglück für die ganze Familie.

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Lucy Astner – Kalle Körnchen

Rezension

„Kalle Körnchen“ ist ein Traumwichtel, ein Helfer des Sandmanns. Zu seinen Aufgaben gehört es die Träume zu machen, die der Sandmann in der Nacht an die Kinder verteilt. Die Kreation der schimmernden Traumblasen gelingt ihm am besten in der Hängematte vor seiner Baumhöhle. Hier wird er hin und wieder gestört. Mal möchte der übermütige Frechdachs etwas von ihm, mal tauchen hunderte von Hirtenwichteln auf, weil das Schaft Nummer vier zu früh über den Zaun hüpft.

Gute-Nacht-Geschichten haben eine besondere Bedeutung im ritualisierten Einschlafmodus von Kindern. Sie dürfen nicht allzu aufwühlend oder aufregend sein, sondern sollten am besten eine wohltuende Ruhe versprühen. Vorlesen stärkt außerdem die Bindung zwischen Eltern und Kind. Die Eltern werden sich freuen hier eine recht große Schrift vorzufinden, die auch bei schlechteren Lichtverhältnissen gut lesbar ist. Beim abendlichen Vorleseritual entsteht die Möglichkeit, sich nahe zu sein, gibt Sicherheit und hilft dabei, den Übergang vom Tag in die Nacht bewusst zu gestalten.

Diese Kurzgeschichten drehen sich inhaltlich um den Sandmann und seine Helfer. Durch die eingestreuten fantasievollen Aspekte wird die Tür zum Areal im kindlichen Hirn geöffnet, das für Kreativität und Schaffensfreude zuständig ist. Gleichzeitig wirkt es wie eine Einladung in die Traumwelt einzutauchen. Der Schlafsand ist ein schönes Symbol für den Übergang in das Schlummerland. Auch die Zeichnungen wirken harmonisch, friedlich und liebevoll.

Blick ins Buch

Fazit

Harmonisches Vorlesebuch für die gemeinsame Zeit als Übergang vom Tag in die Nacht

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